Streit über Rot-Rot-Grün SPD-Vize Midyatli nennt Rote-Socken-Kampagne der CDU »pure Heuchelei«

Die Union warnt im Wahlkampf vor einer Koalition von SPD und Grünen mit der Linkspartei. SPD-Vize Midyatli empört sich nun über mangelnden Stil dieser Kampagne – und vermisst schon jetzt den Einfluss Merkels.
Die SPD-Bundesvize Serpil Midyatli

Die SPD-Bundesvize Serpil Midyatli

Foto:

Carsten Rehder/ dpa

SPD-Bundesvize Serpil Midyatli hat Warnungen aus der Union vor einer Ampel-Koalition oder Rot-Rot-Grün scharf kritisiert. »Die Rote-Socken-Kampagne der Union ist pure Heuchelei«, sagte Midyatli der Nachrichtenagentur dpa in Kiel. Mit der Linksrutsch-Kampagne schadeten CDU und CSU nicht nur ihrem ohnehin schon angeschlagenen Kanzlerkandidaten Armin Laschet (CDU), sondern sie »disqualifizieren sich dadurch auch als seriöser politischer Partner.«

Laschet warnte im Wahlkampf eindringlich vor einem rot-rot-grünen Bündnis oder einer Ampel-Koalition aus Grünen, SPD und FDP nach der Bundestagswahl. Zuletzt hatte der Unions-Kanzlerkandidat beim ersten großen TV-Triell mit Olaf Scholz (SPD) und Annalena Baerbock (Grüne) die Frage nach möglichen Koalitionen ins Spiel gebracht.

Ein klares Nein zu Rot-Rot-Grün wollten weder Baerbock noch Scholz aussprechen – wofür Laschet den SPD-Kanzlerkandidaten direkt kritisierte. Laschet sagte, die Bürger erwarteten eine Aussage, ob Scholz sich von der Linken zum Kanzler wählen lassen würde – ja oder nein. Er betonte, die Union werde nicht mit der Linkspartei koalieren und wolle, dass die AfD aus den Parlamenten verschwinde.

»Vom politischen Stil ist die Union zurück in den Sechziger- und Siebzigerjahren«

»Noch vor drei Jahren hat Schleswig-Holsteins CDU-Ministerpräsident Daniel Günther eine Öffnung seiner Partei in Richtung Linkspartei gefordert«, sagte nun Midyatli. In Thüringen habe die CDU den dortigen Regierungschef Bodo Ramelow von der Linkspartei mit dem Stabilitätsmechanismus unterstützt. »Jetzt soll das Deutschlands Untergang bedeuten?«

»Vom politischen Stil ist die Union zurück in den Sechziger- und Siebzigerjahren«, sagte Midyatli. Das Stilgefühl und die Menschlichkeit, die Kanzlerin Angela Merkel über zwei Jahrzehnte in der Union geprägt habe, werde sie nicht überdauern. »Das ist schlecht für die Union und schlecht für Deutschland.«

Ein Mitte-links-Bündnis aus SPD, Grünen und der Linkspartei gilt bei der Bundestagswahl in knapp vier Wochen rechnerisch als mögliche Option. SPD und Grüne hatten die Linke angesichts der Krise in Afghanistan zuletzt jedoch hart wegen deren außenpolitischen Positionen kritisiert. Die Linke lehnt die Nato und Auslandseinsätze der Bundeswehr ab. Beim jüngsten Mandat zur Rettung Schutzbedürftiger aus Afghanistan verweigerten die meisten Abgeordneten der Linksfraktion ihre Zustimmung. Linkenchefin Susanne Hennig-Wellsow bekräftigte zuletzt das linke Nein zur Nato – jedoch auch ihren Wunsch nach Zusammenarbeit mit SPD und Grünen.

mrc/dpa

Verwandte Artikel

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.