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Umfrage zur Bundestagswahl Viele Nichtwähler geben Zeitmangel an

Warum gehen so viele Menschen nicht wählen? Laut einer Umfrage, die dem SPIEGEL vorliegt, trifft jeder Fünfte diese Entscheidung erst am Wahltag. Vor allem zwei Parteien entgehen so Stimmen.
aus DER SPIEGEL 14/2022
Wahllokal in Berlin am 26. September 2021

Wahllokal in Berlin am 26. September 2021

Foto: Christoph Soeder / dpa

Eine deutliche Mehrheit der 14 Millionen Nichtwähler bei der Bundestagswahl 2021 ist grundsätzlich bereit, wählen zu gehen. Das zeigt eine repräsentative Onlineumfrage der Beratungsagentur Pollytix. Demnach hat sich nur ein Viertel aus dieser Gruppe dauerhaft vom Wählen abgewandt.

Die Gründe: mangelndes politisches Interesse (40 Prozent) oder das Gefühl, von keiner Partei vertreten zu werden (35 Prozent). Jeder fünfte Befragte entschied sich erst am Wahltag gegen die Stimmabgabe. Von ihnen gaben 61 Prozent an, es habe ihnen an Zeit gemangelt.

Für die Umfrage hat Pollytix ab dem Wahlabend am 26. September bis zum 4. Oktober 26.158 Menschen online befragt, darunter 6304 Nichtwähler. Für letztere Gruppe lag die statistische Fehlertoleranz den Angaben zufolge bei bis zu 1,23 Prozentpunkten.

Für Pollytix-Chefin Jana Faus ist das Zeitproblem ein lösbarer Konflikt: So könnten Wahlbenachrichtigung und Briefwahlunterlagen zusammen verschickt werden. »Eine andere Lösung wäre, die Wahl an mehreren Tagen abzuhalten«, sagt Faus. Dann hätten etwa Menschen im Wochenenddienst mehr Zeit für die Stimmabgabe.

Aus: DER SPIEGEL 14/2022

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Vor allem für SPD und Grüne könnte es sich lohnen, um jene Nichtwähler zu kämpfen, die sich erst am Wahltag gegen eine Stimmabgabe entschieden haben. Für 35 Prozent dieser Gruppe wäre die SPD infrage gekommen, 24 Prozent hätten sich vorstellen können, die Grünen zu wählen. Auch für die FDP gibt es hier Potenzial: Für 18 Prozent der Spätentscheider wären die Liberalen infrage gekommen.

Die genannten Reformen könnten nur ein erster Schritt sein, sagt Faus. Langfristig müssten die gesellschaftlichen Ursachen einer geringen und sozial ungleichen Wahlbeteiligung angegangen werden, fordert sie.

Wie groß das Problem ist, hat am vergangenen Sonntag die Wahl im Saarland gezeigt. Obwohl die Wahl ein erster Stimmungstest für die Ampelkoalition war, fiel die Beteiligung geringer aus als 2017. Nur 61,4 Prozent der wahlberechtigten Saarländerinnen und Saarländer gaben ihre Stimme ab.

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