SPON-Wahltrend Union verliert bei den jungen Wählern

Keine drei Wochen vor der Bundestagswahl scheinen die Wähler in ihrer bisherigen Präferenz unerschütterlich. Nur die Unter-30-Jährigen regen sich. Die Ergebnisse des SPON-Wahltrends.
Junge Wähler mit CDU-Plakaten

Junge Wähler mit CDU-Plakaten

Foto: JOHN MACDOUGALL/ AFP

Es hätte eine Wende einleiten können in der letzten Phase des bislang eher drögen Wahlkampfes: das TV-Duell zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz. Der Herausforderer hätte schärfer attackieren können, man hätte Visionen entwerfen und verteidigen können, die CDU-Chefin hätte aus ihrer Komfortzone gelockt werden können. Das ist aber nicht passiert; und so blieb auch der Ruck bei den Wählern aus.

Drei Viertel der Befragten gaben direkt im Anschluss an das TV-Duell an, dadurch nicht in ihrer Wahlentscheidung beeinflusst worden zu sein. Und auch der aktuelle SPON-Wahltrend zeigt: es bewegt sich wenig - außer bei den 18- bis 29-Jährigen. Die Ergebnisse im Überblick.

Wir wollten wissen: Welche Partei würden Sie wählen, wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre?

Die Union hat laut der aktuellen SPONtagsfrage ihren komfortablen Vorsprung im Vergleich zur Vorwoche ausbauen können. Die Zustimmung bei den Wählern stieg von 37,6 auf 38,1 Prozent. Der statistische Fehler liegt bei dieser Umfrage bei 2,5 Prozentpunkten - doch auch wenn man diese dazu rechnet oder abzieht, bleibt der Abstand zur SPD immens: Die Partei verbesserte sich zwar um mehr als einen Prozentpunkt, steht nun aber noch bei 24,1 Prozent. Bei den kleinen Parteien gibt es kaum Veränderungen in der Wählergunst.

Auch wenn man nur das Abstimmungsverhalten nach dem TV-Duellbetrachtet, ändert das Bild nicht: Für CDU/CSU würden die nach dem Duell befragten Wähler nach wie vor zu etwa 38 Prozent abstimmen, auch die SPD reicht weiterhin knapp an die 24-Prozent-Marke. Die Frage: "Haben Sie aufgrund des TV-Duells zwischen Merkel und Schulz ihre Wahlansicht bei der Bundestagswahl geändert?" bejahten lediglich 22,5 Prozent. Zugunsten der Union wollten 5,5 Prozent ihre Entscheidung ändern, der SPD wollten sich 10,4 Prozent der Befragten zuwenden. 76,1 Prozent blieben bei ihrer bisherigen Präferenz.

Im Zeitverlauf zeigt sich: Die Union kann sich weiter entspannen.

Bleibt also alles beim Alten? Nicht ganz. In der Detailansicht zeigt sich ein deutlicher Unterschied bei den 18- bis 29-Jährigen: Hier sind weniger bereit, für die Union zu stimmen. In der zurückliegenden Woche gaben 26,4 Prozent an, die CDU/CSU zu wählen. In der Vorwoche waren es noch 31,2 Prozent.

Die Jungen wanderten nicht zur SPD - die Werte blieben im Vergleich zur Vorwoche stabil. Stattdessen profitieren die kleinen Parteien im niedrigen Prozentbereich von dem Unions-Abdriften der 18- bis 29-Jährigen - ausgenommen die AfD.

Anmerkungen zur Methodik: Der SPON-Wahltrend wurde in Kooperation mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey im Zeitraum vom 29. August bis 05. September 2017 online erhoben. Die Stichprobe umfasste mehr als 10.000 Befragte. Der statistische Fehler lag bei 2,5 Prozent.

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vks
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