Bundeswehr am Hindukusch Ex-General erklärt Afghanistan-Einsatz für gescheitert

Seit zehn Jahren kämpft der Westen in Afghanistan - es sei vergeblich gewesen, sagt der frühere Bundeswehr-Generalinspekteur Kujat. Das Land sei nicht stabilisiert, und nach dem geplanten Abzug kämen die Taliban "binnen weniger Monate" wieder an die Macht.
Ex-Generalinspekteur Kujat: "Soldaten haben nicht das bekommen, was sie brauchen"

Ex-Generalinspekteur Kujat: "Soldaten haben nicht das bekommen, was sie brauchen"

Foto: DANIEL ROLAND/ ASSOCIATED PRESS

Halle/Berlin - Der ehemalige Generalinspekteur der Bundeswehr, Harald Kujat, hält den Afghanistan-Einsatz für gescheitert. "Der Einsatz hat den politischen Zweck, Solidarität mit den Vereinigten Staaten zu üben, erfüllt", sagte er der "Mitteldeutschen Zeitung" anlässlich des zehnten Jahrestages des Kriegsbeginns. "Wenn man aber das Ziel zum Maßstab nimmt, ein Land und eine Region zu stabilisieren, dann ist dieser Einsatz gescheitert."

Kujat sagte, man habe zu lange nicht akzeptiert, dass "der Gegner militärisch kämpft und wir militärisch kämpfen müssen". Weiter sagte er: "Die Argumentation, es gehe um einen Stabilisierungseinsatz, ist zu lange durchgehalten worden - auch mit Blick auf die innenpolitischen Befindlichkeiten." Das Ergebnis sei, dass die Soldaten nicht das bekommen hätten, was sie brauchten, um dem Gegner Paroli zu bieten.

Kujat war an der Planung des deutschen Afghanistan-Einsatzes federführend beteiligt: Von 2000 bis 2002 war er Generalinspekteur der Bundeswehr und damit höchster Offizier der Bundeswehr. Der Generalinspekteur ist der militärische Berater der Bundesregierung und Verteidigungsministerium.

Kujat befürchtet: "Wenn wir 2014 aus Afghanistan rausgegangen sind, dann werden die Taliban die Macht in wenigen Monaten wieder übernehmen."

Deutschland wird nach Angaben der Bundesregierung auf jeden Fall bis Ende 2014 alle Bundeswehr-Kampftruppen aus Afghanistan abziehen. "Der Abzug wird bis Ende 2014 abgeschlossen sein", sagte der deutsche Afghanistan-Beauftragte Michael Steiner zum zehnten Jahrestag des internationalen Einsatzes an diesem Freitag.

Auf einen genauen Termin, wann die ersten von derzeit noch 5000 Bundeswehr-Soldaten Afghanistan verlassen, legte sich Steiner weiterhin nicht fest. Der Diplomat versprach jedoch, dass es bis zum Ende dieses Jahres "Klarheit" geben werde. Eigentlich hat sich die Regierung zum Ziel gesetzt, dass der Abzug noch 2011 beginnt - allerdings nur mit dem Zusatz "soweit es die Lage erlaubt".

Der Abzug aus Afghanistan war auch bei dem Treffen der Verteidigungsminister in Brüssel am Donnerstag zentrales Thema. Dabei erklärte Nato-Chef Anders Fogh Rasmussen: "Das Training und die Ausbildung der afghanischen Armee wird ein Schlüsselelement der Nato-Mission nach 2014 sein", erklärte Nato-Chef Rasmussen. Also wird offenbar auch nach dem öffentlichen Abzugstermin eine große Zahl von Nato-Soldaten in Afghanistan bleiben.

Krieg völlig unvorbereitet begonnen

Auch der ehemalige Kommandeur der Isaf-Truppen in Afghanistan, Stanley McChrystal, zieht eine düstere Bilanz zum zehnten Jahrestag. Amerikaner und Nato hätten kaum mehr als 50 Prozent ihrer Ziele in Afghanistan erreicht, sagte er. Die Amerikaner hätten den Krieg völlig unvorbereitet begonnen, mit einem "beängstigend simplen" Bild vom Land. "Wir wussten nicht genug und wir wissen immer noch nicht genug", sagte McChrystal in Washington bei einer Veranstaltung des Think-Tanks "Council on Foreign Relations".

McChrystal war von Juni 2009 an ein Jahr lang Kommandeur der Isaf- und US-Truppen in Afghanistan. Er musste zurücktreten, nachdem er gegenüber dem Magazin "Rolling Stone" abschätzige Bemerkungen über Mitglieder der Regierung von US-Präsident Barack Obama gemacht hatte.

fab/dpa/dapd/Reuters/AP