Angeblicher Aufruf zum Putsch Militärgeheimdienst entlastet Offizier

Rief ein Offizier mit einer flapsigen Bemerkung wirklich zum Putsch gegen die Bundeswehrführung auf? Ein Ermittlungsverfahren läuft. Doch der Militärgeheimdienst stützt nach SPIEGEL-Informationen die Darstellung des Oberstleutnants.

Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU)
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Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU)

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Die Bundeswehr ermittelt gegen einen kritischen Oberstleutnant, angeblich soll er zum Putsch aufgerufen haben. Der Militärgeheimdienst MAD hält die Vorwürfe nach SPIEGEL-Informationen jedoch für wenig stichhaltig.

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Heft 28/2017
Vom dogmatischen Verzicht zum gesunden Genuss

So kam der Dienst schon Ende Juni zu dem klaren Urteil, dass der Offizier keineswegs einen Umsturz der militärischen oder politischen Führung unter Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen angezettelt hat. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

Hintergrund ist eine Lehrgangsveranstaltung in Wilkirchen. Dort hatte der erfahrene Offizier des Zentrums für Geoinformationswesen am Morgen des 12. Mai zunächst die Verteidigungsministerin scharf kritisiert.

So merkte er vor einer Gruppe von etwa 60 Soldaten an, nach der Pauschalkritik der Ministerin, die der Truppe ein generelles Haltungsproblem attestiert hatte, müssten alle Soldaten endlich den Mund aufmachen "oder putschen". Daraufhin lachten viele der Zuhörer im Saal.

Die Vorgesetzten nahmen die Sache mit wenig Humor und schalteten den Militärische Abschirmdienst ein. Dieser allerdings hält den Vorwurf für wenig überzeugend. Am 28. Juni stellte man beim MAD fest, der Oberstleutnant beteilige sich "nicht an extremistischen Bestrebungen" gegen die Führung, es gebe auch keine Hinweise auf Dienstvergehen.

Die Bundeswehr hingegen hatte den Offizier abseits der internen Ermittlungen bei der Staatsanwaltschaft wegen Anstiftung zu einer Straftat angezeigt. Der Oberstleutnant zeigte daraufhin seinerseits die Ministerin wegen Verfolgung Unschuldiger an.

Im Ministerium heißt es dazu seit einigen Tagen, die Führung habe von der Anzeige auch erst aus den Medien erfahren, sie sei durch den lokalen Vorgesetzten gestellt worden.

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insgesamt 62 Beiträge
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Seite 1
noalk 07.07.2017
1. Anzeige durch den lokalen Vorgesetzten
Liest sich, als ob da jemand auf einer Metaebene einen Handel ausfechten will. Oder sich davon einen wohlwollenden Vermerk in der Personalakte erhofft. Hat der MAD sich diesen Vorgesetzten auch mal angeschaut?
lurchi777 07.07.2017
2. Dumme, unkluge Wortwahl
Leider hat sich der gute Mann bei seiner Wortwahl zur Kritik ziemlich dumm angestellt. Sehr unklug!! Er hätte seine Kritik auch anders ausdrücken und trotzdem kritisieren könne .War das ne Leuchte??
CancunMM 07.07.2017
3.
Soso, das Militär sagt uns nun was wir als Bürger davon zu halten haben. Und selbst wenn er es wirklich nicht so ernst gemeint hat, gehört es sich nicht als Führungspersonal so etwas zu sagen. 1. Untergräbt es die Stimmung in der Truppe, 2. Ist die Verteidigungsministerin seine Vorgesetzte. 3. zeigt es, welch Geistes Kind er ist.
Leserzuschrift 07.07.2017
4. Komische Organisation, diese Bundeswehr - Führung nach Gutsherrenart?
Eine Organisation, in der die Führung kaum Rückhalt und Ansehen bei den Mitarbeitern genießt und dann auch noch das letzte Ansehen durch rücksichtsloses Vorgehen gegen Mitarbeiter, die zur Auflockerung des Arbeitsalltages einen kleinen auflockernden Scherz machen, ist wohl kaputt. Als CEO einer Firma würde von von der Leyen sich nicht lange halten - die Zeiten, in denen nach Gutsherrenart geführt wurde, sind nunmal vorbei.
Leserzuschrift 07.07.2017
5. Altmodisch Führungsphilosophie - humorloses Führen nach Gutsherrenart?
Eine Organisation, in der die Führung kaum Rückhalt und Ansehen bei den Mitarbeitern genießt und dann auch noch das letzte Ansehen durch rücksichtsloses Vorgehen gegen Mitarbeiter, die zur Auflockerung des Arbeitsalltages einen kleinen auflockernden Scherz machen, ist wohl kaputt. Als CEO einer Firma würde von von der Leyen sich nicht lange halten - die Zeiten, in denen nach Gutsherrenart geführt wurde, sind in der Wirtschaft vorbei. So macht man die Armee nicht für den Nachwuchs attraktiv.
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