Waffenlager im Garten eines Elitesoldaten Kramp-Karrenbauer lässt KSK untersuchen

Ein altgedienter Elitesoldat hat reichlich Munition und Waffen abgezweigt. Nun soll das KSK von einer hochkarätig besetzten Arbeitsgruppe gründlich durchleuchtet werden – Ende Juni werden Ergebnisse erwartet.
Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer

Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer

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Kay Nietfeld/ dpa

Vor zwei Wochen wurde der 45-jährige KSK-Soldat Philipp Sch. festgenommen. Seither laufen die Ermittlungen bei Polizei und Bundeswehr auf Hochtouren. Auch Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer ist wegen des Falls alarmiert und macht die Untersuchung des Kommandos Spezialkräfte (KSK) zur Chefsache. Nach mehreren Extremismusfällen soll das KSK von einer Arbeitsgruppe gründlich durchleuchtet werden.

Die Taskforce setzt sich SPIEGEL-Informationen zufolge zusammen aus Kommandeur Markus Kreitmayr, Generalinspekteur Eberhard Zorn, der neuen Wehrbeauftragten Eva Högl und Staatssekretär Gerd Hoofe. Damit ist die Leitung der Arbeitsgruppe direkt an das Verteidigungsministerium angebunden. Auftrag ist demnach, eine "Strukturanalyse" der Eliteeinheit durchzuführen und Schlussfolgerungen vorzulegen, wie rechtsextreme Tendenzen im KSK besser bekämpft werden können.

Kramp-Karrenbauer hatte den Fall des Elitesoldaten Philipp Sch. als "besorgniserregend" bezeichnet. Anders als ihre Vorgängerin Ursula von der Leyen erhöht die CDU-Politikerin den Druck bei der Aufklärung von Extremismusfällen in der Bundeswehr. Deutlich wird das auch daran, dass der Bericht der Arbeitsgruppe bereits in der übernächsten Sitzungswoche, also Ende Juni, erwartet wird.

Bis dahin soll die Taskforce Ideen liefern, wie man extremistische Tendenzen im KSK verhindern kann. Über die Ergebnisse soll dem Parlament berichtet werden. Die Ermittler suchen derweil auch nach möglichen Mittätern des festgenommenen Philipp Sch.

Bei einer Razzia im nordsächsischen Dorf Collm hatten Fahnder ein im Garten des Soldaten verstecktes Waffenlager gefunden. SPIEGEL-Informationen zufolge fanden die Ermittler unter anderem ein Sturmgewehr vom Typ AK-47, mehrere Chargen Munition und eine größere Menge Plastiksprengstoff. Sch. soll zudem Kontakte zu rechtsextremen Kameraden gehabt haben.

Suche nach Mittätern

Der Militärgeheimdienst MAD war Sch. bereits seit April 2017 auf der Spur. Damals hatte er an einer Abschiedsparty für einen scheidenden KSK-Kommandeur teilgenommen. Nach einem mehr als geschmacklosen Parcours-Wettbewerb mit Disziplinen wie Schweinekopfwerfen sollen mehrere Soldaten rechtsextreme Lieder gegrölt und den Hitlergruß gezeigt haben. In den zwei Jahren nach dem Vorfall konnte der MAD dem Soldaten nichts nachweisen, trotzdem wurde er weiter beobachtet.

Der entscheidende Hinweis kam aber erst 2020. Aus dem Umfeld von Sch. erfuhr man, dass er ein Waffenlager angelegt hatte und in seinem Haus auch Nazi-Devotionalien hortete.

Für das Kommando ist der Waffenfund offenbar ein schwerer Schock. Kommandeur Kreitmayr schickte bereits vergangene Woche einen regelrechten Brandbrief an seine Soldaten. Der Verband erlebe "die schwierigste Phase seiner Geschichte", schrieb er darin, die Razzia bei Sch. sei ein "schockierender Höhepunkt".

Zudem bezweifeln erfahrene Bundeswehrsoldaten, dass Sch. sein Waffenlager alleine angelegt haben kann. Ähnliche Zweifel äußerte SPIEGEL-Informationen zufolge nun auch Generalinspekteur Zorn. Die Menge an Waffen und Munition sei nicht ohne Weiteres abzuzweigen, hieß es aus dem Ausschuss.

Die Opposition kündigte nach der Sitzung des Ausschusses an, dass das Parlament die Aufklärung durch das Ministerium eng kontrollieren werde. "Die angekündigte Arbeitsgruppe muss jetzt umfassend liefern, um der neuen Qualität der Bedrohung auch wirklich gerecht zu werden", sagte die Sicherheitsexpertin Agnieszka Brugger. Sie und ihre Fraktion würden "bei diesem Thema nicht locker lassen bis geklärt ist, wie unentdeckt Munition und Sprengstoff in dieser Dimension gestohlen werden konnten und ob es Mitwisser oder sogar Mittäter gab", so die Abgeordnete.

asc/mgb
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