SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

24. September 2014, 19:41 Uhr

Ausbilder für die Kurden

Neue Panne bei Irak-Mission der Bundeswehr

Von

Die Reise der Bundeswehrausbilder für den Irak entwickelt sich zur Odyssee: Erst fehlte die Genehmigung für den Flug nach Kurdistan. Nun gab nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen auch ihr Flugzeug den Geist auf. Immerhin ist die Waffenlieferung jetzt auf dem Weg.

Berlin - Die Bundeswehrmission zur Unterstützung der irakischen Kurden wird immer mehr zur Farce. Am Mittwochabend konnte immer noch niemand in der Truppe sicher sagen, wann die sieben Ausbilder für die Peschmerga-Kämpfer dort ankommen würden.

Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE hatte die Transall-Transportmaschine, mit der die deutschen Soldaten nach Arbil fliegen wollten, am Mittwoch gestreikt und konnte auch nicht mehr repariert werden. Deswegen musste die Luftwaffe eine neue Maschine aus Deutschland anfordern, sie soll nun am Donnerstag in Bulgarien ankommen.

Die neue Panne ist nur der letzte Punkt in einer langen Reihe von unglücklichen Zufällen. Zunächst waren die Soldaten bereits am vergangenen Freitag in Richtung Irak gestartet, allerdings waren sie wegen eines technischen Problems an ihrem Flugzeug damals mit einer Ersatzmaschine losgezogen.

Eine Handvoll Kurden an Bord

Da die irakische Luftaufsicht sich allerdings störrisch gab und den Einflug des Transall-Fliegers mit einer anderen Kennung verweigerte, saßen die Ausbilder einer Fallschirmspringer-Einheit letztlich bis Mittwoch in Bulgarien fest. Als die Genehmigung schließlich vorlag, streikte ihr Flugzeug wieder.

Wann die Trainer nun im Irak ankommen, ist noch ungewiss. Die Luftwaffe unternimmt alles, um die Ersatzmaschine noch am Donnerstag nach Bulgarien zu bringen. Ob diese jedoch eine neue Genehmigung von den irakischen Behörden braucht, ist bisher ebenfalls noch ungeklärt.

Hinter den Verzögerungen bei den Genehmigungen steckt vermutlich nicht nur pure Bürokratie. In Kreisen der Bundesregierung ist man sich bewusst, dass Bagdad bis heute kritisch sieht, dass die internationale Staatengemeinschaft bei ihrem Kampf gegen den "Islamischen Staat" nur die kurdischen und nicht die Streitkräfte der Zentralregierung in Bagdad aufrüstet.

Die Verspätungen bei der Ankunft der Trainer entschleunigen auch die weiteren Operationen der Truppe für die Kurden. So sollte die Transall nach der erwarteten Landung in Arbil möglichst rasch zurück nach Deutschland fliegen. An Bord sollen dann eine Handvoll kurdischer Soldaten sein, die in der bayerischen Kaserne Hammelburg beim Umgang mit deutschen "Milan"-Panzerabwehrraketen trainiert werden sollen. Nach dem Intensivtraining kehren sie in den Nordirak zurück und sollen dort ihre Kameraden unterrichten.

50 Panzerfäuste und 550 Gewehre

Die Waffenlieferungen an die Kurden wurden am Mittwoch ebenfalls wegen technischer Defekte verzögert. Eigentlich sollte von Leipzig aus ein niederländischer Transportflieger mit der ersten Tranche der deutschen Waffen für die Kurden nach Bagdad abheben, die McDonnell Douglas KDC-10 jedoch hatte einen Defekt. Um die Maschine zu reparieren, musste erst ein Ersatzteil eingeflogen werden. Deswegen verzögerten sich Beladung und Abflug des Flugzeugs.

Eigentlich sollte das Transportflugzeug um 13 Uhr starten. Nach Information der Nachrichtenagentur dpa startete es schließlich um kurz vor 2 Uhr nachts. An Bord sind 50 Panzerfäuste mit Munition, 520 G3-Gewehre und 20 Maschinengewehre.

Insgesamt sollen rund 10.000 kurdische Kämpfer mit Waffen für 70 Millionen Euro aus Bundeswehrbeständen ausgerüstet werden. Die Transporte sollen bis Anfang Oktober über den Flughafen Leipzig abgewickelt werden. Grundsätzlich werden die Waffen zunächst nach Bagdad geflogen, wo sie von der Zentralregierung inspiziert werden.

Mit Material von dpa

URL:

Verwandte Artikel:

Mehr im Internet


© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung