Pannenprojekt der Bundeswehr Auslieferung der "Gorch Fock" verzögert sich

Die Pannenserie bei der Renovierung der "Gorch Fock" reißt nicht ab. Nach SPIEGEL-Informationen stellt sich das Verteidigungsministerium darauf ein, dass die Auslieferung sich um weitere fünf Monate verschiebt.
Das Marine-Segelschulschiff "Gorch Fock" in einem Dock der Bredo-Werft (Archivbild von 2019)

Das Marine-Segelschulschiff "Gorch Fock" in einem Dock der Bredo-Werft (Archivbild von 2019)

Foto: Axel Heimken/ dpa

Die Marine wird ihr Segelschulschiff "Gorch Fock" nicht mehr wie geplant dieses Jahr zurückbekommen. Nach SPIEGEL-Informationen gestand ein Vertreter des Verteidigungsministeriums am Montag vor Parlamentariern des Haushaltsausschusses ein, dass es erneut Komplikationen bei der Fertigstellung des Skandalseglers gibt und sich die Auslieferung um fünf Monate verzögert.

Wie der SPIEGEL aus Teilnehmerkreisen erfuhr, erklärte der Abteilungsleiter für Ausrüstung, Carsten Stawitzki, der für den am 22. Dezember 2020 geplante Übergabetermin des Marineschulschiffes sei nicht mehr zu halten. Der Abteilungsleiter sagte gegenüber den Abgeordneten, das Schiff solle bis zum 31. Mai 2021 ausgeliefert werden. Als Grund nannte er Probleme bei der Feststellung der Hochseefähigkeit des Seglers. 

Für das Verteidigungsministerium ist die Reparatur der "Gorch Fock" ein Debakel. Die Kosten für die Renovierung stiegen von Anfangs 10 auf inzwischen 135 Millionen Euro. Die Elsflether Werft, die das Schiff im Auftrag der Marine reparieren sollte, ging in die Insolvenz und wurde verkauft. Gegen die beiden ehemaligen Geschäftsführer ermittelt mittlerweile die Staatsanwaltschaft.

Arbeiten begannen teils wieder von vorn

Mit dem Verkauf der Reparaturwerft an die renommierte Bremer Lürssen-Werft sind die Probleme jedoch nicht gelöst. Unter neuem Management begannen die Arbeiten in Teilen wieder von vorn. Aufträge für weite Teile des Innenausbaus mussten neu ausgeschrieben werden. Auch über die Auslieferung der bereits fertiggestellten Masten stritt sich Lürssen mit einem Subunternehmer. All das kostet wertvolle Zeit.

Und so verschiebt sich der Auslieferungstermin immer weiter. Erst im Januar nannte das Verteidigungsministerium als Übergabetermin den 22. Dezember 2020. Dieser Termin hielt keine zwei Monate. Worum es bei der Feststellung der Hochseefähigkeit genau geht, sagte Stawitzki nicht. Angeblich aber solle der Kostenrahmen von 135 Millionen trotz der erheblich längeren Liegezeit in der Werft weiter gehalten werden. 

"Immer neue schlechte Nachrichten über die 'Gorch Fock' zeigen, dass die Ankündigungen von Ex-Ministerin Ursula von der Leyen, die Instandsetzung sei nun gut geplant, eine reine Luftnummer waren", sagte der grüne Verteidigungspolitiker Tobias Lindner.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Textes hieß es, der neue Übergabetermin für die Gorch Fock datiere auf den 21. Mai 2021. Tatsächlich soll dies bis zum 31. Mai 2021 vonstatten gehen. Wir haben die Angaben korrigiert.

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