Bundeswehr bekommt Übungsstadt Schöner schießen in "Schnöggersburg"

Nicht nur ein neues Schießgelände, eine ganze Stadt bekommt die Bundeswehr. "Schnöggersburg" wird ab Herbst gebaut und soll ein Trainingsgelände für Auslandseinsätze werden. Und zwar ein europaweit einzigartiges.
Europaweit einmaliges Trainingsgelände: Bundeswehr baut in der Colbitz-Letzlinger-Heide

Europaweit einmaliges Trainingsgelände: Bundeswehr baut in der Colbitz-Letzlinger-Heide

Foto: Peter Endig/ dpa

Letzlingen - Über 500 Gebäude, Straßen, Kanalisation, ein Industriegebiet, ein U-Bahn-Tunnel, Waldgebiete, sogar ein 22 Meter breiter Fluss - und alles für die Bundeswehr. In der Colbitz-Letzlinger Heide in Sachsen-Anhalt soll "Schnöggersburg" entstehen. Eine mehr als sechs Quadratkilometer große und viele Millionen teure Übungsstadt für die Soldaten.

Während anderswo in den kommenden Jahren Standorte schließen oder drastisch verkleinert werden, hat die Bundeswehr auf dem Gelände in der Heide Großes vor: In einer ersten Bauphase werden gut 62 Millionen Euro investiert, später sollen weitere 30 bis 35 Millionen Euro folgen, die aber noch nicht bewilligt sind, wie die Wehrbereichsverwaltung Ost am Mittwoch mitteilte. In der Übungsstadt sollen schon ab 2015 Gefechtsverbände mit bis zu 1500 Soldaten trainieren. 2017 soll der Bau dann vollständig abgeschlossen sein.

Der Leiter des Gefechtsübungszentrums, Dieter Sladeczek, begründete den Bau mit einer besseren Vorbereitung der Bundeswehrangehörigen auf Einsätze im Ausland. Sladeczek beschrieb als Beispiel einen Panzergrenadier, der durch die Straßen einer Stadt fahre: "Die Gefahr lauert in der Kanalisation, auf Häuserdächern, in Gebäuden. Attentäter verstecken sich in Menschenmengen. Darauf müssen die Soldaten vorbereitet sein, damit sie sich schützen und verteidigen können."

Training an 250 Tagen im Jahr

Das geplante Übungsgelände ist in dieser Größenordnung zumindest europaweit einmalig. Vergleichbare Übungsstädte gebe es in Frankreich und Großbritannien. Allerdings seien diese deutlich kleiner, sagte Sladeczek. Die Übungsstadt mitten auf dem Gefechtsübungszentrum wird nach einem ehemaligen Dorf auf dem heutigen Übungsplatz benannt und den Namen "Schnöggersburg" tragen.

Die Entscheidung, "Schnöggersburg" in der Altmark zu bauen, ist vor allem der Weite der Colbitz-Letzlinger-Heide und der Größe des vorhandenen Truppenübungsplatzes zu verdanken. "Es gab keinen Wettbewerb oder etwas Ähnliches", sagte Sladeczek. "Es war wichtig, dass um die Stadt herum viel Platz ist, damit sich die Soldaten beispielsweise aus allen Richtungen der Stadt nähern und auch Aufklärungsübungen im Umfeld machen können." Kontakte mit der zivilen Bevölkerung, wie sie bei Auslandseinsätzen üblich sind, soll es auch geben. Aber die werden mit Akteuren aus den eigenen Reihen simuliert.

Auf dem Gefechtsübungszentrum Colbitz-Letzlinger Heide wird an nahezu 250 Tagen im Jahr für Kampfeinsätze im Ausland trainiert. Kurz vor ihrer Verlegung ins Ausland absolvieren Verbände hier ein letztes Training, das sie auf den Einsatz in Afghanistan oder im Kosovo vorbereitet. Neben der Bundeswehr bereiten sich im Gefechtsübungszentrum auch niederländische Streitkräfte auf Einsätze vor.

cab/dapd/dpa