Neue Diensthandys für die Bundeswehr Soldaten bekommen Smartphones - ohne Internetzugang

Technikposse bei der Armee: Tausende neue Smartphones sollen die alten Diensthandys ersetzen - aber wesentliche Funktionen sind nach SPIEGEL-Informationen gesperrt.

Bundeswehrsoldaten: Surfen unerwünscht
Patrick Pleul/DPA

Bundeswehrsoldaten: Surfen unerwünscht


Die Anschaffung von neuen Diensthandys sorgt in der Bundeswehr für Frust und Spott. In den vergangenen Monaten sind in der Truppe 16.000 Samsung-Smartphones Galaxy S8 verteilt worden. Die Geräte (Handelspreis rund 400 Euro) sollten die alten Tastentelefone ablösen, mit denen dienstlich telefoniert und SMS verschickt werden konnten.

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Das Problem: Mehr können auch die neuen Handys nicht. Die leistungsfähigen Geräte sind nach SPIEGEL-Informationen von der Bundeswehr so eingerichtet worden, dass sie sich nicht mit dem Internet verbinden können.

Eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums verteidigt die Technikposse mit den "jüngst deutlich gestiegenen IT-Sicherheitsanforderungen". Ohne wirksamen Schutz bestünde bei den neuen Smartphones die Gefahr, dass über ungeprüfte heruntergeladene Apps und sonstige Datentransfers auf die interne Kommunikation zugegriffen werden könne.

Das Problem werde bald gelöst, verspricht das Ministerium. Noch im Laufe des Jahres wolle man geprüfte Apps zur Verfügung stellen, "z.B. Internetzugang für dienstliche Recherchen oder auch eine Wetter-App".

In der Truppe ist man nicht so geduldig. In vielen Einheiten werden statt der neuen Geräte private Smartphones benutzt - ohne Schutz.

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kvh

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insgesamt 130 Beiträge
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Seite 1
m_s@me.com 17.05.2019
1. Rausgeworfenes Geld für vermeintlich "günstige" Smartphones
iPhones mit Hardware-Zusatz für den Dienstgebrauch in Behörden gibt mittlerweile schon seit Jahren, und das BSI gibt dem Innenminsterium auch beste Tipps und Empfehungen, wie man iPhones für den Dienstgebrauch sicher machen kann. Mit Internet. Schön, dass die Samsungs "nur" 400 Euro kosten, aber wenn sie nix ausser telefonieren können, ist das Geld rausgeworfen.
klarafall 17.05.2019
2. Hauptsache teuer
400 Euro? Klar, Hauptsache teuer, der Steuerzahler zahlt's ja. Wer entscheidet so eine Posse??? Kann man den nicht belangen? Wenn man bei einem Smartphone ALLES sperrt, was das Gerät "smart" macht, kann man auch günstigere Geräte kaufen.
daktaris 17.05.2019
3. Total normal
Wo soll da der Skandal sein? Kenne das aus der Privatwirtschaft auch nicht anders... wer mit hoch sensiblen Daten zu tun, ist für viele Apps gesperrt bzw. Hat nur restriktiven Internet Access. Dazu gibt es private Smartphones.
Hupert 17.05.2019
4. Ich lach mich schlapp...
...ich habe bereits vor mehr als zwei Monaten durch eine Bekannte davon gehört (sie hat es aus erster Hand) und konnte es irgendwie nicht so recht glauben.
draco2007 17.05.2019
5.
Kann denen jemand mal erklären wie Proxys, VPN und ähnliches funktioniert?
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