Freifahrten für die Bundeswehr Pistorius braucht mehr Geld für Soldaten-Bahntickets
Bundeswehrsoldaten am Stuttgarter Hauptbahnhof
Foto:Arnulf Hettrich / imageBROKER / picture alliance
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Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) braucht nach SPIEGEL-Informationen deutlich mehr Geld für das Angebot, dass seine Soldaten und Soldatinnen jederzeit kostenfrei mit der Bahn reisen dürfen. Sein Ministerium hat für den Haushalt 2024 angemeldet, dass man 15 Millionen Euro für das Dienstreisenbudget brauche.
Als Begründung gibt das Ressort einen »Mehrbedarf wegen kostenlosem Bahnfahren in Uniform« an. Insgesamt soll der Topf für die Dienstreisen von Soldaten und Beamten von eigentlich eingeplanten 160 Millionen auf 175 Millionen Euro steigen. Darin sind neben Bahnfahrten etwa auch Flüge enthalten.
Gratistickets können auch für private Fahrten genutzt werden
Das großzügige Angebot, dass Soldaten in Uniform jederzeit gratis mit der Bahn fahren können, hatte die frühere Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer im Jahr 2020 eingeführt. Mit den Sonderkonditionen wollte sie die Sichtbarkeit der Bundeswehr in der Öffentlichkeit erhöhen. Zudem sollte die Bundeswehr als Arbeitgeber durch die Gratistickets, die auch für private Reisen eingesetzt werden können, attraktiver werden. Die Offerte gilt für alle Züge, gebucht werden kann nur in der zweiten Klasse.
Auch drei Jahre nach der Einführung steigen die Zahlen der ausgegebenen Tickets immer weiter. Im Jahr 2021 stellte die Bundeswehr über eine eigens programmierte Website für ihre Soldaten bereits 900.000 elektronische Gutscheine für die Tickets aus. Die Soldaten müssen für jede Bahnfahrt einen sogenannten eToken bestellen, den sie dann gegen ein Ticket einlösen können.
Das Interesse stieg im Jahr darauf noch mal um mehr als 50 Prozent. 2022 wurden nach Angaben des Ministeriums schon 1,6 Millionen Gutscheine ausgestellt. Für die Tickets zahlte das Ministerium 2021 rund 39 Millionen, 2022 waren es schon 68 Millionen Euro.
Bisher ist nicht zu erkennen, dass der Aufwärtstrend abreißt: Das Ministerium schätzt, dass 2023 um die zwei Millionen Gratistickets von den Soldaten bestellt werden. Das Budget dafür wird vermutlich bei rund 90 Millionen Euro liegen.