Auslandseinsatz der Bundeswehr Coronakrise beschleunigt Afghanistan-Abzug

Die Ausbreitung des Coronavirus wirkt sich auf den Afghanistan-Einsatz der Nato aus. Um die medizinischen Ressourcen der Mission zu schonen, befahl der US-Kommandeur für viele Soldaten die vorzeitige Ausreise.
Bundeswehrsoldaten im Lager Masar-i-Sharif, Afghanistan (2018)

Bundeswehrsoldaten im Lager Masar-i-Sharif, Afghanistan (2018)

Foto: Michael Kappeler / REUTERS

Nach SPIEGEL-Informationen befahl der US-Kommandeur der Ausbildungsmission "Resolute Support" bereits am Montag, die bereits geplante Truppenreduzierung wegen des Coronavirus deutlich zu beschleunigen.

Die USA hatten sich kürzlich mit den Taliban auf eine Art Waffenstillstands-Deal geeinigt. Teil der Vereinbarung war eine deutliche Truppenreduzierung bis zum Sommer 2020.

Die Coronakrise hat nun Bewegung in den Abzug gebracht. So wies US-General Scott Miller an, dass alle Soldaten, die für den Einsatz nicht mehr zwingend nötig sind, sofort ausfliegen sollen. Im Militärjargon spricht man von "mission-non-essential personel".

Faktisch wird die Nato-Mission so schneller als geplant auf die erst für den Sommer angepeilte Stärke der sogenannten "Phase A Light" reduziert. Über die neuen Pläne berichtete auch der Militär-Blog "Augengeradeaus". General Scott Miller begründete den Abzugsbefehl ausdrücklich mit der Coronakrise.

Laut einem internen Bericht der Bundeswehr diene die Reduzierung dazu, die nur "eingeschränkt zur Verfügung stehenden medizinischen Kapazitäten im Land durchhaltefähiger zu machen". Faktisch also stellen sich die Militärs darauf ein, dass sich das Virus auch am Hindukusch massiv ausbreitet und die ausländischen Soldaten im Einsatz von Ausbrüchen der Krankheit betroffen sein können.

Alle Artikel zum Coronavirus

Am 31. Dezember 2019 wandte sich China erstmals an die Weltgesundheitsorganisation (WHO). In der Millionenstadt Wuhan häuften sich Fälle einer rätselhaften Lungenentzündung. Mittlerweile sind mehr als 180 Millionen Menschen weltweit nachweislich erkrankt, die Situation ändert sich von Tag zu Tag. Auf dieser Seite finden Sie einen Überblick über alle SPIEGEL-Artikel zum Thema.

Für die Bundeswehr, die derzeit mit rund 1300 Soldaten in Afghanistan im Einsatz ist, hat der Befehl von Miller konkrete und unmittelbare Folgen. In Bundeswehrkreisen geht man davon aus, dass die Truppe bis Sommer von heute knapp 1300 um knapp 250 Mann auf rund 1000 Mann verkleinert wird. Als erstes wird man deswegen wohl die kleineren Außenposten in Kunduz und Meymaneh schließen, dort sind zwischen 60 und 100 deutsche Soldaten stationiert.

Die Bundeswehr will die Order aus Kabul umgehend umsetzten. Brigadegeneral Jürgen Brötz wies laut dem internen Vermerk noch am Montag an, "vorzeitig und asap" die sogenannte "Phase A Light" zu erreichen und nicht benötigtes Personal nach Hause zu schicken. Die Maßnahme sei zwingend "um Personal aufgrund von Infektionsgefahr ausdünnen zu können". Trotzdem sei der Einsatzauftrag der Bundeswehr derzeit noch zu erfüllen.

Ebenfalls betroffen sind die in Afghanistan eingesetzten Elitesoldaten vom "Kommando Spezialkräfte" (KSK). Nach SPIEGEL-Informationen bekamen sie mündlich die Anweisung, die Hälfte ihrer Soldaten umgehend abzuziehen. Die deutschen Kommandosoldaten trainieren in Afghanistan die lokale Spezialeinheit "888". Noch ist unklar, ob man den Auftrag nach der Reduzierung noch leisten kann.

Schon vor der Order des US-Generals hatte die Bundeswehr spezielle Corona-Regeln für Soldaten angeordnet, die nach Afghanistan gehen sollen. So müssen die betroffenen Einheiten vor der Reise an den Hindukusch in Deutschland zwei Wochen in Quarantäne und reisen dann mit einem Attest, dass sie negativ auf das Virus getestet worden sind.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.