Kommando Spezialkräfte Bundeswehr prüft verdächtige Wüstentrips

Die Ermittlungen zum Bundeswehr-Eliteverband KSK haben weitere Ungereimtheiten aufgedeckt. Nun wird geprüft, ob Kommandosoldaten einem alten Kameraden lukrative Aufträge für Trainings in Namibia zuschanzten.
Soldaten des »Kommando Spezialkräfte« (KSK) beim Training in Magdeburg

Soldaten des »Kommando Spezialkräfte« (KSK) beim Training in Magdeburg

Foto: Kay Nietfeld/ dpa

Die Bundeswehr ermittelt im Umfeld des Eliteverbands »Kommando Spezialkräfte« (KSK) nun auch wegen möglicher Vetternwirtschaft. Nach internen Hinweisen besteht der Verdacht, dass Soldaten des Kommandos in den vergangenen Jahren immer wieder zu Wüstentrainings auf die Farm eines früheren Kameraden nach Namibia reisten.

Im Gegenzug soll der Mann einzelne Soldaten zu privaten Safari-Trips eingeladen haben. Über die Ermittlungen berichtete am Mittwochabend zuerst der Rechercheverbund von NDR, »Süddeutscher Zeitung«  und WDR.

Tatsächlich reisten ganze Kompanien des KSK zwischen 2014 und 2019 einmal im Jahr zu sogenannten Fahrtrainings nach Namibia. Dort wurde unter Extrembedingungen mit Jeeps in der Wüste militärisch geübt, im Jargon der Militärs spricht man von »Landverlegung unter Extrembedingungen«. Solche Trainings weltweit gehören zur Routine der KSK-Kompanien. Die Befreiung deutscher Geiseln im Ausland gehört zu ihren Kernaufgaben.

Militärisches Fahrtraining in der Wüste

Möglicherweise problematisch wird die Geschichte, weil die Übungen mit teilweise sechsstelligen Budgets auf der Farm des alten Kameraden in Namibia stattfanden. Der heute 40-jährige Zeitsoldat H., als Kind einer deutschen Familie in Namibia geboren, diente bis Ende 2012 selbst in der zweiten Kompanie des KSK und war mehrfach in Afghanistan im Einsatz.

Danach hörte der Major beim KSK auf, ging in sein Geburtsland zurück. Er übernahm die Farm seiner Familie und bot Safaris für Touristen an.

Dem KSK blieb H. trotzdem treu. Zunächst übte er als Reservist 2017 für gut zwei Wochen gemeinsam mit den alten Kameraden. Im Jahr 2019 dann ging es ebenfalls als Reservist sogar erneut in einen Auslandseinsatz. Er begleitete einen Einsatzverband gut zwei Monate lang bei der Mission am Hindukusch.

Aus heutiger Sicht sind die Wüstentrips teilweise fragwürdig. Laut internen Papieren der Truppe liegen »Anhaltspunkte« vor, dass es bei der Beauftragung von H. als Dienstleister zu Verstößen gegen das Vergaberecht gekommen sein könnte.

Aus den Unterlagen ergibt sich der Eindruck, dass die Anforderungen des Kommandos für das gewünschte Training in der Wüste auffällig genau mit dem Angebot übereinstimmten, das der frühere Kamerad in Namibia offerierte. Zudem steht der Verdacht im Raum, dass der alte Kamerad die KSK-Kämpfer immer wieder auch zu privaten Safari-Ausflügen eingeladen hatte – möglicherweise im Gegenzug für die lukrativen Trainingsaufträge auf seiner Ranch.

Safari-Trips für den sozialen Zusammenhalt

Ehemalige KSK-Soldaten bestätigten dem SPIEGEL, dass Safari-Ausflüge regelmäßig Teil der offiziellen KSK-Trainingsmissionen in Namibia waren. Allerdings gehören solche sozialen Aktivitäten bei KSK-Übungen im Ausland fest zum Programm. Das soll den Zusammenhalt der Einheit stärken.

Zudem betonten die Soldaten, dass H. wegen seiner Erfahrung beim Kommando in Namibia ein militärisches Trainingsprogramm anbieten konnte, das so auf dem freien Markt schwer zu finden gewesen wäre.

Die Ermittlungen richten sich formal gegen das Dienstleistungszentrum der Bundeswehr in Bruchsal, das die Logistik des KSK organisiert. Dort hätten auch die regelmäßigen Wüstentrips auf Wirtschaftlichkeit geprüft und wohl auch andere Anbieter in Betracht gezogen werden müssen. Tatsächlich ist es aber gängige Praxis, dass frühere Soldaten oder Polizisten nach ihrem Ausscheiden Schießplätze oder Fahrtrainings betreiben, die wiederum von Behörden für Übungen gebucht werden.

Verdächtige Chats

Heikel an dem Fall ist jedoch, dass die Bundeswehr erst durch Recherchen des Bundeswehrgeheimdienstes MAD überhaupt auf die Wüstentrips aufmerksam wurde. So war den Fahndern während der Ermittlungen gegen den sächsischen KSK-Soldaten Philipp Sch., bei dem man im Frühjahr 2020 ein regelrechtes Waffenlager im Garten ausgehoben hatte, auch auf Verbindungen zu Major H. gestoßen. Dabei geht es nach SPIEGEL-Informationen um Mails und Chatnachrichten, bei denen sowohl Sch. als auch H. Kennzeichen von verfassungsfeindlichen Organisationen verwendeten.

Die Nachrichten zwischen den früheren Kameraden der mittlerweile aufgelösten zweiten Kompanie des KSK waren zumindest so verdächtig, dass der MAD Anfang August die Rückkehr von H. zum KSK in letzter Sekunde verhinderte. Nach einer erfolgreichen Bewerbung beim Eliteverband hatte der Reservist im Sommer 2020 Namibia verlassen und war bereits mit seiner Familie am KSK-Standort in Calw. Erst dann informierte ihn die Bundeswehr, dass er wegen der Chats nicht zum Kommando zurückkehren dürfe.

Bei Vernehmungen stritt H. eine Nähe zum Rechtsextremismus vehement ab. Trotzdem wird er nach jetziger Lage keine Chance haben, wieder als Kommandosoldat in seinen alten Verband in Calw zurückkehren zu können.

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