Bundeswehr Ermittlungen wegen obszöner Aufnahmefeier

Die Bundeswehr hat ein internes Ermittlungsverfahren gegen Soldaten einer Fallschirmjägereinheit in Zweibrücken eingeleitet - bei einer Aufnahmefeier von Unteroffizieren soll es zu entwürdigenden Behandlungen gekommen sein.

Zweibrücken - Ein Bundeswehrsprecher bestätigte heute einen Bericht der "Saarbrücker Zeitung", wonach einem Soldaten des Bataillons 263 bei einer Unteroffizier-Aufnahmefeier "Dörrobst in den Hintern" geschoben worden sein soll. Die Kompanie des Bataillons, die ursprünglich für den Kongoeinsatz der Bundeswehr vorgesehen war, wird wegen des Vorfalls nun von einer anderen Einheit desselben Verbandes ersetzt. Die Bundeswehr will so sicherstellen, dass kein Betroffener in das zentralafrikanische Land verlegt werde.

Der Vorfall ist innerhalb der Bundeswehr seit dem 13. Juni bekannt. Die Vernehmungen konzentrierten sich auf insgesamt drei Fälle seit dem Jahr 2004, sagte Oberstleutnant Christian von Platen, Sprecher der Bundeswehrdivision für Spezielle Operationen (DSO) in Regensburg. Die DSO ist die vorgesetzte Dienststelle der Luftlandebrigade 26 (Saarlandbrigade), zu der das Fallschirmjägerbataillon in Zweibrücken gehört.

Der momentane Sachstand mache bereits deutlich, dass bei dem Aufnahmeritual für Unteroffiziere, "das gesunde Maß bei weitem überschritten wurde", sagte von Platen. Es deute aber alles darauf hin, dass bei den obszönen Praktiken kein Zwang oder Gewalt ausgeübt wurde, sondern die Teilnehmer freiwillig handelten. Die Ermittlungen würden von einem Wehrdisziplinaranwalt der Bundeswehr geführt.

Dem Zeitungsbericht zufolge mussten sich die frisch ernannten Unteroffiziere bei dem im pfälzischen Zweibrücken praktizierten Ritual nackt ausziehen und wurden anschließend von Kameraden in perverser Weise traktiert.

Der verteidigungspolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Bernd Siebert, bezeichnete die Vorgänge in der Fallschirmjägereinheit als "erschreckend und nicht zu entschuldigen". Siebert forderte dasVerteidigungsministerium auf, die Vorgänge auch weiter mit aller gebotenen Härte aufzuklären und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen: "Soldaten, die sich so verhalten, schädigen den Ruf der Bundeswehr und gehören nicht in die Truppe."

Auch der Wehrbeauftragte der Bundeswehr, Reinhold Robbe (SPD), hat sich in den Fall eingeschaltet. Wie sein Büro in Berlin bestätigte, wurden von den Disziplinarvorgesetzten der Soldaten Stellungnahmen zu diesem "besonderen Vorkommnis" angefordert.

hen/ddp/AP