Alternative zur Pannen-Drohne Ersatz für "Euro Hawk" kostet 648 Millionen Euro

Die umstrittene "Euro Hawk" sorgt für immer neue Kosten: Da die Pannen-Drohne nicht fliegen darf, will die Bundeswehr Ersatz einkaufen - für mehr als eine halbe Milliarde Euro.
US-Drohne "Triton": Teurer Ersatz für die "Euro Hawk"

US-Drohne "Triton": Teurer Ersatz für die "Euro Hawk"

Foto: REUTERS/ U.S. Navy

Die Entwicklung einer funktionierenden Aufklärungsdrohne für die Bundeswehr wird zu einer immer größeren Belastung für den Verteidigungshaushalt. In dieser Woche gab das Ministerium zu: Zusätzlich zu den bereits angefallenen Kosten für die Pannen-Drohne "Euro Hawk" und das für den Flieger entwickelte Aufklärungssystem "Isis" wird jetzt auch noch ein zusätzliches Budget von mehr als einer halben Milliarde Euro notwendig.

Die neuen Zahlen stehen in einer Antwort auf eine Anfrage des Grünen-Haushaltspolitikers Tobias Lindner, die SPIEGEL ONLINE vorliegt. Das Ministerium rechnet demnach mit Mehrkosten von mindestens 648 Millionen Dollar. Denn nach dem Aus für den "Euro Hawk" müsse eine andere Drohne als Ersatz-Trägerplattform für die Sensortechnik beschafft werden.

Das zusätzliche Geld wird für den Kauf von drei US-Drohnen vom Typ "Triton" gebraucht, die die aufwendig für den "Euro Hawk" entwickelten Sensoren in die Luft bringen sollen. Nach Angaben des Ministeriums hat die Bundeswehr im April 2015 mit den USA einen sogenannten "Foreign Military Sales Planning Case", eine Art Vorvertrag, abgeschlossen. Für zwei Millionen Euro soll geprüft werden, ob und wie man die "Triton" einsetzen kann.

Mit den neuen Planungen erreichen die Kosten für die Aufklärungsdrohne einen Betrag von weit über einer Milliarde Euro. Für die "Euro Hawk"-Drohne, deren Weiterentwicklung der damalige Verteidigungsminister Thomas de Maizière 2013 gestoppt hatte, wurden bereits 600 Millionen Euro ausgegeben. 270 Millionen davon waren für die Aufklärungstechnik "Isis" bestimmt, die aus großer Höhe Telefon- und Funksignale einfangen soll.

"Scheibchenweise erfährt die Öffentlichkeit die anfallenden Kosten"

De Maizières Nachfolgerin Ursula von der Leyen hatte vergangenes Jahr entschieden, die zu 80 Prozent ausgereifte "Isis"-Sensorik in eine andere Drohne einzubauen, um wenigstens die Entwicklungsergebnisse zu nutzen. Deshalb wurde das US-Modell "Triton" interessant. Die Kostenschätzung belegt nun, dass die Ersatzflieger noch mehr kosten werden als die bisherige Entwicklung des "Euro Hawk".

Die Opposition sieht die Ministerin auf dem Weg ins nächste Rüstungsdebakel. "Scheibchenweise erfährt die Öffentlichkeit die anfallenden Kosten, die das 'Euro Hawk'-Desaster angerichtet hat", sagte Grünen-Politiker Lindner SPIEGEL ONLINE. Die Aufklärungsfähigkeit für die Truppe werde fast 1,6 Milliarden Euro kosten. "Ich bezweifle, dass das wirklich die wirtschaftlichste Alternative ist", kritisierte Lindner.

Ob sich die Radarsensoren und Antennen des "Isis"-Systems überhaupt in die "Triton"-Drohne einbauen lassen, sollen nun Tests für rund 400.000 Euro ergeben. Zudem schätzt die Bundeswehr, dass die abschließende Entwicklung der "Isis"-Technik rund 255 Millionen Euro kosten wird. Ironischerweise wird dafür die ausgemusterte "Euro Hawk" aus dem Hangar geholt. Sie soll zu Testflügen aufsteigen, diese könnten sich bis 2019 hinziehen.

Das Ersatzmodell "Triton", eine Weiterwicklung der US-Drohne "Global Hawk", ist jedoch auch nicht unproblematisch: Noch ist völlig unklar, ob "Triton" eine Zulassung für den Luftraum bekommt. An diesem Problem war auch der "Euro Hawk" letztlich gescheitert. In internen Berichten wird eingestanden, dass "die vollständige Reduktion des Zulassungsrisikos vor Abschluss eines Beschaffungsvertrages nicht möglich" sei.

Für Ursula von der Leyen ist die Weiterführung des Projekts Aufklärungsdrohne ein Risiko: Ihre Militärs drängen zwar wegen der Auslandseinsätze auf die Beschaffung. Dennoch weiß die Ministerin von ihrem Vorgänger, der fast über die Pannen beim "Euro Hawk" gestürzt wäre, wie gefährlich ein neues Fiasko wäre. Vielleicht auch deshalb hat sie eine Entscheidung über den "Triton"-Kauf zunächst vertagt - sie soll "nicht vor Mitte 2017" fallen.

Ob bis dahin das millionenschwere Angebot der USA noch steht, ist keineswegs sicher: Das Ministerium betont in seiner aktuellen Auskunft, der Kostenvoranschlag stamme "aus dem Mai 2014". Zudem müssten auf den Kaufpreis für die "Triton"-Drohnen noch Einfuhrumsatzsteuer und Zölle entrichtet werden.