Fahnenflüchtiger Bundeswehrsoldat One-Way-Ticket ins Kriegsgebiet

Ein Bundeswehrsoldat aus Thüringen hat sich möglicherweise nach Kurdistan abgesetzt, um dort gegen den "Islamischen Staat" zu kämpfen. Die Truppe ermittelt wegen Fahnenflucht.

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Die Bundeswehr geht dem Verdacht nach, dass sich ein Stabsunteroffizier aus Thüringen in den Irak abgesetzt hat, um dort mit den Kurden gegen den "Islamischen Staat" (IS) zu kämpfen. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE gibt es Hinweise, dass der Soldat vor einigen Wochen mit einem One-Way-Ticket in den Nordirak gereist war. Einem Verwandten hatte er zudem vorher in einem etwas wirren Brief mitgeteilt, er wolle dort gegen Radikale vorgehen, hieß es in der Truppe.

Die Bundeswehr bestätigte offiziell nur einen Bericht des MDR, dass die Truppe einem Fall von Fahnenflucht nachgehe. Demnach sei ein Stabsunteroffizier am 16. Juni nach einem Urlaub nicht zum Dienst erschienen. Der junge Mann war zuvor als Personalsachbearbeiter beim Panzerpionierbataillon 701 in Gera eingesetzt. Drei Tage zuvor sei er bei der Polizei in Gera als vermisst gemeldet worden. Die Bundeswehr will den Fall nun an die Justiz in Thüringen abgeben.

Bisher gibt es nur Indizien, dass sich der Soldat tatsächlich ins Kurdengebiet abgesetzt hat. Laut MDR schrieb er seinem Bruder eine E-Mail und kündigte seine Reise ins Krisengebiet an. Später fand man nach Informationen von SPIEGEL ONLINE auf seinem Computer eine Reservierungsbestätigung für einen One-Way-Flug nach Sulaimanya im Nordirak, einer der größten Städte im autonomen Kurdengebiet. Ob der Soldat den Flug angetreten hat, ist nicht bekannt.

Die Ermittler tun sich noch schwer mit einer Einordnung des Verdachts, da der Soldat vor seinem Verschwinden unter massivem Druck stand. Hintergrund war ein abgeschlossenes Strafverfahren, das nichts mit der Reise ins Kurdengebiet zu tun hat. Möglicherweise aber hat sich der Soldat die Geschichte mit der Reise nach Kurdistan ausgedacht, da seine Entlassung aus der Truppe bevorstand. Ein Sprecher Bundeswehr wollte diese Details nicht kommentieren.

Der Sprecher betonte lediglich, dass der Soldat keine Waffen oder andere Truppenausrüstung mitgenommen haben kann, da er vor seinem Verschwinden im Urlaub war. Alle weiteren Details müsse nun die Staatsanwaltschaft klären.

Sicherheitsexperten fordern Überprüfung der Truppe

Wenn sich die Hinweise bestätigen, wäre es der erste Fall eines aktiven Bundeswehrsoldaten, der sich zum Kampf ins Kriegsgebiet im Irak oder nach Syrien absetzte. Bisher hat der Militärische Abschirmdienst (MAD) 25 Fälle von Ex-Soldaten aufgedeckt, die sich bewaffneten Gruppen wie dem "IS" angeschlossen haben. Nach ihrer Dienstzeit reisten sie ins Krisengebiet in Syrien oder im Irak aus und reihten sich bei den Radikalen ein.

Die Erkenntnisse sorgen bei der Bundeswehr für große Sorge, da man herausfand, dass die ehemaligen Bundeswehrsoldaten wegen ihres Drills hochgeschätzt werden. In einem internen Papier wurde kürzlich gewarnt, dass "die militärische Ausbildung der Bundeswehr von Extremisten zur besseren Begehung von Anschlägen missbraucht werden" könnte. Deswegen drängt der Militärgeheimdienst auf bessere Sicherheitschecks, bisher aber ist die Initiative nicht vorangekommen.

Aus Sicht der Sicherheitsexperten der Bundeswehr besteht derzeit eine Lücke bei der Überprüfung der Truppe, gerade bei angehenden Soldaten gebe es Defizite. Die bestehende Rechtslage reiche nicht aus, so ein internes Papier der Bundeswehr, um Bewerber so zu überprüfen, dass "gewaltbereite Extremisten möglichst erkannt" und "von der Einstellung in die Bundeswehr ferngehalten werden können". Deswegen wurde eine generelle Sicherheitsüberprüfung aller Rekruten gefordert.

Im aktuellen Fall dürfte die Justiz nun zunächst recherchieren, ob sich der Soldat tatsächlich in den Nordirak abgesetzt hat. Dort kämpfen kurdische Milizen gegen Einheiten des IS; dabei werden sie im kurdischen Arbil auch von deutschen Trainern und Waffenlieferungen aus Deutschland unterstützt. Ob sich Deutsche strafbar machen, die sich diesem Anti-IS-Kampf anschließen, ist völlig unklar, gelten die Kurden doch als Verbündete des Westens.

Bei einer Rückkehr nach Deutschland jedoch würde der Soldat aus Thüringen in jedem Fall strafrechtlich belangt werden. Laut Wehrgesetz kann Fahnenflucht mit bis zu fünf Jahren Haft bestraft werden. Das absichtliche Absetzen von der Truppe war in den letzten Jahren eher selten: 2013 gab es laut Bundeswehr sieben Verfahren, im vergangenen Jahr fünf Fälle.

insgesamt 28 Beiträge
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Seite 1
farang 19.06.2015
1. fahnenflucht ???
die bundeswehr ist doch jetzt ne freiwilligen armee, da geht man doch freiwillig hin, und wenn man da weg will darf man nicht eigenen willens handeln, ist ja fast wie ein pakt mit dem teufel. ich denke mal der junge mann hat durch aus das persönliche recht aus der bw auszutreten, viell. hat es ihm nicht gefallen, natürlich sollte er vorher kündigen, der form halber. gibts bei der bw kündigungsfristen? gruss ein ungedienter
pascal3er2 19.06.2015
2. Reisende soll man nicht aufhalten
Würde ich bei unsere Bundeswehr auch machen. Waffen die nicht schießen, eine unfähige Frau als Entscheidungsträger und eine Bundeswehr, die sich nicht an die Gesetzte in Deutschland hält und keine Abwehrarmee sondern Angriffsarmee ist. Mal selbst vor der Tür kehren. Ich wünsche dem Soldaten viel Glück.
HighFrequency 19.06.2015
3.
Der Mann will gegen den IS kämpfen? Das ist nicht "Fahnenflucht", das ist Heldentum!
TontonTombi 19.06.2015
4. besser ihm die Ausrüstung hinterherschicken
Es wäre besser, wenn ihm die Bundeswehr mal das Strafverfahren sausen lässt und ihm stattdessen eine komplette Ausrüstung hinterherschickt.
steffen.ganzmann 19.06.2015
5. Ein Ungedienter? Glaube ich gerne.
Zitat von farangdie bundeswehr ist doch jetzt ne freiwilligen armee, da geht man doch freiwillig hin, und wenn man da weg will darf man nicht eigenen willens handeln, ist ja fast wie ein pakt mit dem teufel. ich denke mal der junge mann hat durch aus das persönliche recht aus der bw auszutreten, viell. hat es ihm nicht gefallen, natürlich sollte er vorher kündigen, der form halber. gibts bei der bw kündigungsfristen? gruss ein ungedienter
Denn ansonsten würden Sie nicht solch einen Quatsch schreiben! Als Soldat unterschreibt man keinen Arbeitsvertrag, den man so einfach wieder kündigen kann, man verpfllchtet sich für eine bestimmte Zeit. Ich war 8 Jahre lang Washington Army National Guardsman, am Schluss Captain (WA Guard), aber ich wusste auch genau, dass das, was ich dort unterschrieben hatte, für die nächsten 8 Jahre gültig sein würde ...
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