Fall Franco A. Ermittler finden in weiterer Kaserne Wehrmachtsandenken

Der Skandal um die rechtsextremen Umtriebe in der Bundeswehr weitet sich aus. Nach SPIEGEL-Informationen fanden Ermittler nun auch in einer Kaserne in Donaueschingen einen mit Wehrmachtsandenken ausgeschmückten Raum.
Kaserne des Jägerbataillons 292 in Donaueschingen

Kaserne des Jägerbataillons 292 in Donaueschingen

Foto: Patrick Seeger/ picture alliance / dpa

Ermittler der Bundeswehr haben in der Fürstenberg-Kaserne in Donaueschingen einen mit Wehrmachts-Devotionalien dekorierten Besprechungsraum entdeckt. Nach einem Hinweis war die Kaserne in Baden-Württemberg, dort ist das Jägerbataillon 292 stationiert, am Donnerstag inspiziert worden. Dabei wurde nach SPIEGEL-Informationen sowohl eine Vitrine mit Wehrmachts-Stahlhelmen vor der Kantine als auch jenes Besprechungszimmer entdeckt. (Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

Bilder der Inspektion wurden umgehend dem Verteidigungsministerium in Berlin vorgelegt. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen will derzeit über alle Ermittlungen wegen rechtsextremer Umtriebe in ihrer Truppe direkt informiert werden. Wegen der Affäre um den rechtsextremen Oberleutnant Franco A., fast mehr aber noch wegen ihrer Reaktion auf den Fall, steht sie derzeit massiv in der Kritik.

Der Besprechungsraum des Bataillons erinnert nach SPIEGEL-Informationen an die Entdeckungen in der Kaserne des rechtsextremen Oberleutnants Franco A. in Illkirch: An der Wand hängt das Bild, eine Art Bleistich, eines getarnten Landsers mit Maschinengewehr über der Schulter. Außerdem fanden sich dort eine Wehrmachts-Pistole, ein offenbar nachgebautes Maschinengewehr mit Patronengürtel und diverse Orden.

Auch Stahlhelme aus der Nazizeit wurden in dem Raum entdeckt. Sie waren mit dem Hinweis "entnazifiziert" markiert, offenbar sollte das ironisch gemeint sein. Das Verteidigungsministerium schließt nicht aus, dass möglicherweise noch in vielen anderen Kasernen glorifizierende Darstellungen der Wehrmacht entdeckt werden könnten. Von der Leyen hingegen hatte klargemacht, dass die Wehrmacht für die Bundeswehr in keiner Weise "traditionsstiftend" sei.

Ein "Bunker" mit Landser-Bildern und Stahlhelmen

In der Kaserne des Oberleutnants Franco A. war nach seiner Festnahme ein Aufenthaltsraum gefunden worden, in dem er und einige Sympathisanten ihre Begeisterung für die Wehrmacht recht offen kund taten: Im sogenannten Bunker, der schon wegen der aufwendig im Stil eines Schießstands gebauten Bar skurril wirkt, fanden die Ermittler Landser-Bilder, Stahlhelme und Replika von Waffen.

Für die Militärführung ist der Fall besonders schockierend, weil in der Leclerc-Kaserne in Illkirch erst seit 2010 deutsche Soldaten stationiert sind, es gibt also keinerlei historische Bezüge zur Wehrmacht. "Wer in einer solchen Kaserne einen ganzen Raum mit Devotionalien dekoriert, muss tief überzeugt sein", heißt es im Ministerium.

Bei der Truppe hingegen wurde der "Bunker" offenkundig nicht für ungewöhnlich gehalten. So sagte der Kommandeur des Standorts bei Befragungen, er habe den "Bunker" zwar nur selten besucht, gleichwohl sei ihm die Dekoration nicht besonders aufgefallen. Bei der Visite von Ministerin von der Leyen am vergangenen Mittwoch war er dann auch mehr besorgt, dass der Ruf seines Standorts durch die Medien-Berichterstattung geschädigt würde.

Hakenkreuz auf den Boden gestreut

In Illkirch gab es bereits 2012 einen Skandal mit Nazi-Symbolen. Damals streuten Soldaten vor einer Unterkunft ein vier Meter großes Hakenkreuz auf den Boden. Anlass war laut einem Bericht der "Bild" ein Champions-League-Spiel. Im Gegensatz zu den Verdachtsfällen gegen Franco A. aber wurde der Vorfall Vorgesetzten, dem Verteidigungsministerium und dem Militärischen Abschirmdienst (MAD) gemeldet, drei Soldaten wurden mit Geldbußen bestraft.

Die Ermittler finden nun immer mehr Hinweise, dass es rund um Franco A. eine rechte Kameradschaft in der Kaserne gab. Wie viel die Gesinnungsgenossen von seinen Plänen wussten oder ob sie ihn zum Beispiel beim Horten von Bundeswehr-Munition unterstützten, wird derzeit unter Hochdruck recherchiert. Bei einem mutmaßlichen Komplizen hatte Franco A. rund 1000 Schuss Munition gelagert, die er offenbar über Jahre bei der Bundeswehr abgezweigt hatte.

Ministerin von der Leyen lässt sich derzeit mehrmals pro Tag über die Ermittlungen unterrichten. Sie geht fest davon davon aus, dass Franco A. nicht allein handelte. In einer internen Runde mit Generälen sagt sie am Donnerstag, Franco A. sei mit Sicherheit kein Einzeltäter, also kein sogenannter "lone wolf".

Maas fordert Bundeswehr zu Konsequenzen auf

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) hat die Bundeswehr als Konsequenz aus dem Fall Franco A. zu einem engagierten Kampf gegen rechtsextreme Tendenzen aufgefordert. "Die Bundeswehr hat eine ganz besondere Verantwortung, gegen Rechtsextremismus vorzugehen", sagte Maas der "Rheinischen Post" . "Wenn solche Dinge öffentlich werden, müssen die Verantwortlichen mit aller Schärfe darauf reagieren."

Videoanimation: Die größten Probleme der Truppe

DER SPIEGEL
mit Material von AFP