Bundeswehr Führungsakademie startet Umfrage zu gefallenen Soldaten

Das Thema ist brisant: "Wie viele tote Soldaten verträgt die deutsche Bevölkerung?" lautet ein Prüfungsthema an der Führungsakademie der Bundeswehr. Dafür bittet die Hamburger Bundeswehruniversität per E-Mail um rege Teilnahme an einer entsprechenden Umfrage.


Hamburg - An der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg rechnen die Verantwortlichen offenbar mit höheren Verlusten bei Auslandseinsätzen deutscher Soldaten. Unter den Prüfungsthemen, die von der Leitung der Akademie an Teilnehmer des laufenden Stabsoffizierslehrgangs vergeben wurden, findet sich auch eine "sozialwissenschaftliche Arbeit" mit dem Titel: "Wie viele tote Soldaten verträgt die deutsche Bevölkerung?"

In der vergangenen Woche bat ein Mitarbeiter der Bundeswehruniversität Hamburg in einer E-Mail um Schützenhilfe für die Akademikerkollegen, sprich: "Unterstützung einer Umfrage in Form eines Online-Fragebogens", damit die Frage nach der Sozialverträglichkeit gefallener Soldaten "möglichst repräsentativ" gestaltet werden kann. Die Mail ging an die Mitarbeiter des Fachbereichs Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, mit der Ergänzung: "Um die Umfrage möglichst repräsentativ zu gestalten wäre es hilfreich, wenn Sie die Aufforderung zur Teilnahme auch an Nicht-Bundeswehrangehörige weiterleiten könnten."

Nach statistischen Angaben, etwa zu Alter und Geschlecht, sollen die Befragten auf einer Skala von "0" bis "über 3000" schätzen, "wie viele Soldaten der Bundeswehr seit 1955 im Auslandseinsatz gestorben" sind. Anschließend werden emotionale Reaktionen auf Medienberichte über getötete deutsche Soldaten abgefragt. Acht Gefühlsstufen von "ich muss weinen" über "ich bin schockiert" bis "es interessiert mich überhaupt nicht" können angeklickt werden.

Nach Angaben über die Zahl amerikanischer Gefallener "im Irak-Krieg" und "Afghanistan" (mehr als 4000 bzw. mehr als 600 getötete US-Soldaten) kommen die Akademiestrategen zur Kernfrage. Die lautet: "Glauben Sie, dass die Sicherheitsinteressen der Bundesrepublik Deutschland solche Opferzahlen bei der Bundeswehr rechtfertigen würden?" Die Bandbreite möglicher Antworten reicht von "nein, auf keinen Fall" bis "ja, sogar noch mehr tote Soldaten".

Laut Oberstleutnant Klaus Neumann dem Sprecher der Führungsakademie, handelt es sich um "eine von ca. 190 wissenschaftlichen Themenstellungen, die ausschließlich im Hause entwickelt und verwendet werden".



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