Bundeswehr-Gedenken Bronze-Ehrenmal für tote Soldaten

Die Bundeswehr will in Zukunft in Berlin ihrer Toten gedenken. Verteidigungsminister Franz-Josef Jung stellte erstmals den Entwurf für ein Ehrenmal vor - es soll auf dem Gelände seines Amtssitzes und öffentlich zugänglich sein.

Berlin - Die Idee ist schlicht, einfach und anschaulich: ein Bronzekleid, in das halbe Erkennungsmarken von Soldaten gestanzt sind, wird das erste zentrale Ehrenmal der Bundeswehr in Berlin umhüllen. Es ist ein höchst symbolisches Motiv, das der Sieger-Entwurf des Architekten Andreas Meck vorsieht.

Denn die ovale Marke trägt jeder Soldat im Einsatz. Stirbt er, wird eine Hälfte abgebrochen und dient der aktenkundigen Feststellung des Todes. Kaum ein Kriegsfilm, in dem die Handlung nicht nachgezeichnet wird.

Für das Motiv, das der Münchener Architekt gefunden hat, war Verteidigungsminister Franz-Josef Jung bei der Präsentation des Ehrenmal-Entwurfs in seinem Berliner Dienstsitz voll des Lobes. Der Entwurf stelle "einen würdigen Rahmen" dar, um der 2.600 seit 1955 ums Leben gekommenen Soldaten und Zivilisten der Bundeswehr zu gedenken. Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan zeigte sich gar "persönlich berührt" und ergänzte, er halte den Bau "nicht nur für angemessen, sondern für überfällig".

Ganz so einfach ist die Lage nicht. Denn das Vorhaben eines Ehrenmal, das Jung kurz nach seinem Amtsantritt im Herbst 2005 vorangetrieben hat, stößt weiterhin auf Kritik. Vor allem Abgeordnete der Opposition hatten zuletzt wiederholt den Standort und die Gedenkform moniert. So wünschten sich Politiker von FDP und Grünen ein Ehrenmal am Bundestag, weil das Parlament über den Auslandseinsatz entscheidet. Auch ein breiteres Gedenken - für Diplomaten, Polizisten und Entwicklungshelfer - war von einzelnen Abgeordneten vorgeschlagen worden.

Doch Jung blockt ab.

Er sei als Inhaber der zentralen Befehls- und Kommandogewalt für die Angehörigen der Bundeswehr zuständig, nicht für Polizisten und zivile Aufbauhelfer, erklärte der Minister am Mittwoch. Es sei daher Angelegenheit des Parlaments, über ein gesondertes Ehrenmal zu befinden.

Das 41 Meter lange, acht Meter breite und zehn Meter hohe Ehrenmal der Bundeswehr soll, mit einem fast ganzjährig öffentlichen Zugang, auf der Parade- und Präsentierfläche des Berliner Amtssitzes gebaut werden. Der Generalinspekteur verteidigte wie sein Dienstherr die Auswahl des Standortes: Es sei eine "auffällige Position, wo exekutives Handeln angesiedelt ist". Zwar wird das Ehrenmal in der Nähe der Gedenkstätte für die Opfer des NS-Widerstands vom 20. Juli 1944 im benachbarten Bendlerblock errichtet. Doch unterstreiche der ausreichende Abstand, dass das Ehrenmal die Bedeutung des Attentats auf Hitler für das Traditionsverständnis der Bundeswehr weder berühre noch relativiere, so Jung. Zuletzt hatten die Ausstellungsmacher der im Bendler-Block beheimateten Gedenkstätte Deutscher Widerstand vor einer "Kranzabwurfstelle" gewarnt.

Schwarzer Raum der Stille

Der Münchener Architekt Meck konzipierte das Ehrenmal entsprechend den Zielvorgaben sowohl für private wie auch staatlich-öffentliche Trauer: Auswärtige Besucher können durch einen drei Meter hohen Eingang von der am Ministeriumsgelände entlang führenden Hildebrandtstrasse in das Innere des Ehrenmals treten. In einem Raum der Stille, der in schwarz gekleidet ist und nur durch eine Lichtöffnung in der Decke erhellt wird, wird ein Monolith aus Nagelfluh - ein Sedimentgestein aus dem Voralpenland - stehen. Dort können dann Kränze oder Blumen abgelegt werden. Beim Verlassen des Raumes begegnet der Besucher einer goldschimmernden Wand. Sie soll das Übernatürliche symbolisieren und für die "Hoffnung" in allen Kulturen stehen. Eine Schiebewand trennt das Ehrenmal von der Straße oder dem Paradeplatz. Wird auf dem Gelände eine Trauerveranstaltung durchgeführt, kann die Wand zum Platz hin geöffnet werden.

Angeregt durch die jüngste öffentliche Debatte, will Jung zusammen mit dem Architekten darüber nachdenken, wie die Namen der Toten kenntlich gemacht werden. Meck wandte sich gegen ein Erinnerungsbuch. Er denke an moderne technische Mittel wie etwa eine Laserprojektion. Jung betonte, die Namensnennung werde "nicht gegen den Willen der Angehörigen" vorgenommen.

Mit dem Ehrenmal in der Hauptstadt, für das rund drei Millionen Euro veranschlagt wird und das Mitte kommenden Jahres fertig sein soll, betritt die Bundeswehr Neuland. Zwar gibt es Gedenkstätten an anderen Orten der Bundesrepublik für die drei Teilstreitkräfte - aber noch keines, das in Berlin präsent ist. Vorangebracht hat die Idee Jung. Als er im Dezember 2005 in Kabul das deutsche Lager besuchte, fragte sich der CDU-Minister beim Anblick eines dortigen, provisorischen Ehrenmals: "Was machen wir eigentlich in Deutschland für jene, die im Einsatz für die Bundeswehr ihr Leben gelassen haben?" Im Frühjahr 2006 ging er dann mit seiner Idee an die Öffentlichkeit. Begleitet wurde die Diskussion von Anbeginn von der Frage: Soll nur den seit 1990 im Auslandseinsatz getöteten 69 Bundeswehr-Soldaten oder auch all`jenen gedacht werden, die seit dem Bestehen der Truppe bei Abstürzen, Unfällen und auch Selbstmorden umkamen? Man habe "keine Differenzierungen" vorgenommen, betonte Jung heute auf die Frage, ob auch Selbstmördern gedacht werde.

Am Ende fand das Ministerium eine umfassende Formel. Die Inschrift des Ehrenmals lautet: "Den Toten unserer Bundeswehr. Für Frieden, Recht und Freiheit".

Die sechsköpfige Findungskommission - in der neben den Star-Architekten Stephan Braunfels und Christoph Sattler, dem früheren Bundesbauminister Oscar Schneider (CSU) auch der Historiker Christoph Stölzl (CDU) und der Generalinspekteur Schneiderhan saßen - hatte sich einstimmig für Mecks Entwurf ausgesprochen. Geleitet wurde die Kommission vom Chef des Planungsstabs im Verteidigungsministerium, Ulrich Schlie. Der Historiker und Vertraute Jungs hat sich wissenschaftlich mit der Geschichte der Ehrenmäler in Deutschland beschäftigt.

Nun wurde der Theoretiker zum Praktiker.

Der Titel seines vor knapp fünf Jahren erschienenen Buches: "Die Nation erinnert sich. Die Denkmäler der Deutschen."

Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.