Verteidigungsministerium Experten rügen Rüstungsprojekte der Bundeswehr

Zu teuer und viel zu spät: Experten haben den größten Rüstungsprojekten der Bundeswehr ein mieses Zeugnis ausgestellt. In ihrem Gutachten fordern sie eine neue Führungskultur im Verteidigungsministerium.
Verteidigungsministerium: Experten rügen Rüstungsprojekte der Bundeswehr

Verteidigungsministerium: Experten rügen Rüstungsprojekte der Bundeswehr

Foto: HANNIBAL HANSCHKE/ REUTERS

Berlin - Bei den deutschen Streitkräften gibt es gravierende Ausrüstungsmängel - und auch für die Zukunft sieht es bei Rüstungsvorhaben düster aus: Experten haben massive Verzögerungen und Verteuerungen bei den neun größten Rüstungsprojekten der Bundeswehr festgestellt. Die Unternehmensberatung KPMG, die Ingenieurgesellschaft P3 und die Anwaltskanzlei Taylor Wessing übergaben ihren Bericht am Montag Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU).

Danach haben sich alle neun Projekte um Zeiträume zwischen zweieinhalb und zehn Jahren verzögert. Fast alle werden im Laufe der Jahre zudem teurer. Teilweise liegen die zusätzlichen Kosten im Milliardenbereich. Nach Überzeugung der Experten braucht das Verteidigungsministerium eine neue Führungskultur, um derartige Probleme bei Rüstungsprojekten künftig zu verhindern. In dem Gutachten heißt es unter anderem: "Das Management von Rüstungsprojekten verlangt eine Führungskultur, in der Transparenz und Integrität gelebt werden."

Ministerin von der Leyen sprach bei der Übergabe des Gutachtens von "einem Raummeter an wertvollen Hinweisen". Der Bericht werde "ein gutes Bild darüber geben, wo die Vorzüge und wo die Probleme liegen", sowie auch darüber, "welches die Muster der Probleme sind". Es sei darum gegangen, Schwachstellen aufzuzeigen und Handlungsbedarf deutlich zu machen. Von der Untersuchung betroffen seien alle Teilstreitkräfte der Bundeswehr.

Experten drängen von der Leyen zu Einigung mit Airbus

Der Expertenbericht listet insgesamt 140 Probleme und Risiken bei den größten Rüstungsprojekten der Bundeswehr auf. Von der Leyen hatte die Studie selbst in Auftrag gegeben, weil sie mit der internen Kontrolle unzufrieden war. Mehr als 30 externe Berater hatten für die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG drei Monate lang zentrale Rüstungsvorhaben durchleuchtet.

In den vergangenen beiden Wochen waren nach und nach auch massive Mängel und Pannen bei der bestehenden Ausrüstung der Bundeswehr bekannt geworden. Dabei ging es unter anderem um Transportflugzeuge, Hubschrauber, gepanzerte Fahrzeuge und Aufklärungsdrohnen.

In seinem Gutachten macht das Expertenkonsortium dem Verteidigungsministerium nun konkrete Ratschläge. So solle sich von der Leyens Haus rasch um eine Einigung mit Airbus über einen umstrittenen, milliardenschweren Hubschrauber-Auftrag bemühen. Ministerium und Industrie sollten gemeinsam zeitnah und zügig nach einer Lösung suchen, heißt es in dem Gutachten. Der gegenseitige Verzicht auf Forderungen könne beiden Seiten helfen, einen Kompromiss zu finden.

Euro Hawk soll reaktiviert werden

Zuvor hatte der SPIEGEL berichtet, dass laut Prüfbericht auch die Aufklärungsdrohne "Euro Hawk" reaktiviert werden könnte. Bei der Vorstellung des Gutachtens hieß es an diesem Montag aus dem Verteidigungsministerium, die Riesen-Drohne solle weitere Probeflüge absolvieren, um das integrierte Aufklärungssystem Isis weiter zu testen. "Wir wissen aber, dass eine Serienreife des 'Euro Hawk' niemals erfolgen wird", hieß es weiter. Deswegen werde weiter nach einem anderen Trägersystem gesucht. Im Gespräch ist die Schwester-Drohne des "Euro Hawk", "Triton", vom selben Hersteller Northrop Grumman.

Im vergangenen Jahr hatte der damalige Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) die Entwicklung des "Euro Hawk" wegen massiver Probleme bei der Zulassung für den deutschen Luftraum und drohender Mehrkosten von 500 bis 600 Millionen Euro gestoppt. Seit zwölf Monaten steht das Gerät nun ungenutzt in einem Hangar im bayerischen Manching. Der "Euro Hawk" hat den Steuerzahler bis zum Abbruch des Projekts bereits 600 Millionen Euro gekostet.

anr/dpa/AFP/Reuters
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