Bundeswehr "Herkules" in Not

Zu langsam, zu teuer: Bei der Bundeswehr gerät das IT-Projekt "Herkules" aus dem Rahmen. Die Modernisierung der völlig veralteten Informations- und Kommunikationstechnik der Truppe kommt nur schleppend voran und kostet deutlich mehr als geplant.

Von Alexander Szandar


Ein vertraulicher Bericht des Verteidigungsministeriums zieht eine verheerende Bilanz. Für das "IT-Projekt Herkules" waren bisher rund 7,1 Milliarden Euro veranschlagt - verteilt über zehn Jahre. Doch das Geld wird nicht reichen und die Zeit auch nicht.

Die Bundeswehr hatte 2006 ein Gemeinschaftsunternehmen mit den Elektronik-Riesen Siemens und IBM gegründet und hoffte, die Modernisierung so schneller und billiger voranzubringen, als mit traditionellen behördlichen Methoden.

Bis Ende 2010 soll die Firma das Leitungsnetz der Streitkräfte erneuern, 300.000 Telefone austauschen, rund 140.000 PC und Laptops ersetzen und mit einheitlicher Software ausstatten. Doch der Ausbau der Netze, der im März vergangenen Jahres starten sollte, hatte laut Bericht trotz "strategischer Bedeutung für die Zukunftsfähigkeit der Bundeswehr" Ende 2008 noch immer nicht begonnen. Der Austausch der Rechner und die neue Software liegen weit hinter dem Zeitplan: So wurden bis Ende 2008 statt geplanter 31.450 PC lediglich 5106 ausgeliefert.

Obendrein besteht dem Papier zufolge durchweg "erhöhter Finanzbedarf". Der lasse sich zwar noch nicht beziffern. Aber allein bei den Computer-Arbeitsplätzen sei ein Betrag in "dreistelliger Millionenhöhe" nötig. Mehrkosten und "erhebliche Verzögerungen" schmälerten nun die "Nutzenvorteile der Kooperationslösung".

Das Ressort habe sich bei dem Prestigeprojekt "offenkundig verhoben", rügt die FDP-Wehrexpertin Elke Hoff. Minister Franz Josef Jung (CDU) müsse "aufpassen, dass Herkules finanziell nicht vollends aus dem Ruder läuft".



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