Bundeswehr in Afghanistan Deutsche KSK-Elitekämpfer ziehen ab

Das Verteidigungsministerium treibt den Abzug aus Afghanistan voran. Nach SPIEGEL-Informationen beorderte die Militärführung bereits große Teile des geheim agierenden Kommandos Spezialkräfte zurück in die Heimat.
Bundeswehrsoldaten in Afghanistan (Archiv)

Bundeswehrsoldaten in Afghanistan (Archiv)

Foto: Kay Nietfeld / dpa

Die Bundeswehr fährt neben der Nato-Operation »Resolute Support« auch die geheime Mission des Kommandos Spezialkräfte (KSK) in Afghanistan zurück. In den letzten Wochen wies das Einsatzführungskommando in Potsdam an, dass ein Großteil der bisher gut 50 Elitekämpfer vom Hindukusch abziehen soll.

Laut einem vertraulichen Bericht (»Nur Deutschen zur Kenntnis«) der Einsatzzentrale in Potsdam sind derzeit nur noch zwölf Elitesoldaten im deutschen Camp im nordafghanischen Masar-i-Scharif stationiert. Ein Großteil der KSK-Ausrüstung ist laut dem Papier ebenfalls schon zurück nach Deutschland gebracht worden.

Der Abzugsbefehl für die KSK-Soldaten, die in Nordafghanistan gemeinsam mit Niederländern eine Spezialeinheit der afghanischen Polizei ausbilden, ist ein weiterer Schritt hin zum Ende des Auslandseinsatzes am Hindukusch.

Die Bundeswehr richtet sich bereits seit Monaten darauf ein, dass die Mission im April 2021 endet.

Dann würde die Truppe auch das »Camp Marmal« in Masar-i-Scharif, das sich schon ziemlich geleert hat, endgültig schließen und das restliche Material zurück nach Deutschland fliegen. Im strikt abgeschotteten »Baufeld 54« im Camp, wo das KSK über Jahre untergebracht war, wird es laut Insidern ebenfalls immer leiser.

Der Teil-Abzug des KSK folgt einem Befehl der Nato. Bereits im September hatte die Nato entschieden, die Ausbildung von afghanischen Spezialeinheiten zu reduzieren. In Nordafghanistan hatten die KSK-Kämpfer die Einheit »ATF 888« ausgebildet. Diese Mission soll nun in kleinerem Rahmen fortgesetzt werden, so der Bericht der Kommandozentrale.

Die Spezialeinheiten gelten als eine der wenigen stabilen Säulen der afghanischen Sicherheitskräfte, die bis heute ohne die Unterstützung der Nato-Truppen kaum handlungsfähig sind. Bei komplexen Angriffen der Taliban oder Geiselnahmen kommen meist nur Einheiten wie die vom KSK trainierte »ATF 888« zum Einsatz.

In den letzten Jahren war meist eine Kompanie des KSK in Afghanistan stationiert, hinzu kamen weitere Unterstützungskräfte. Die robust ausgebildeten Elitekämpfer waren immer auch eine Art Reserve für Notfälle. Laut dem vertraulichen Bericht kann die Bundeswehr das KSK-Kontingent für solche Lagen weiterhin schnell aus Deutschland verstärken.

Streit über schnellen Abzug

Innerhalb der Bundesregierung gibt es hinter den Kulissen seit Wochen deutliche Meinungsverschiedenheiten über den Abzug aus Afghanistan. Die Militärs der Bundeswehr drängen darauf, den Abzug schnell auszuplanen und nicht darauf zu warten, dass der neue US-Präsident Joe Biden über die Zukunft des US-Engagements entscheidet.

Im Auswärtigen Amt indes wollen viele die deutsche Mission am Hindukusch nicht so schnell aufgeben. Dort wird betont, dass die Friedensverhandlungen mit den Taliban in Doha bisher nur einen Vorvertrag erbracht hätten. Ohne den militärischen Druck der Nato-Truppen im Land, fürchten die Diplomaten, sei ein erfolgreicher Deal schwierig zu erreichen.

Trotz der Verhandlungen in Doha gibt es in Afghanistan fast jeden Tag Anschläge und Angriffe gegen die afghanische Armee. Weiterhin haben die Taliban weite Teile des Landes faktisch unter Kontrolle, die Regierung kann mit ihren Sicherheitskräften nur die Großstädte wie Kabul oder Herat halbwegs stabil halten.