Bundeswehr in Afrika Jung verteidigt Einsatz im Sudan

Die Bundeswehr soll sich weiter in Afrika engagieren. Dies sei nötig aus humanitärem Engagement und um Flüchtlingsströme nach Europa zu vermeiden, sagt Verteidigungsminister Franz Josef Jung. CSU-Landesgruppenchef Ramsauer warnt vor einer Überforderung deutscher Kräfte.


Berlin/Khartum - Verteidigungsminister Franz Josef Jung hat das militärische Engagement Deutschlands im Sudan verteidigt. "Afrika ist der Nachbarkontinent Europas. Wir haben eine humanitäre Verpflichtung, wenn es zu Massenmorden und Massenvergewaltigungen kommt", sagte der CDU-Politiker der "Welt am Sonntag". Es sei im deutschen Interesse, Afrika zu stabilisieren, auch damit Flüchtlingsströme ausblieben. CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer warnte davor, Deutschland bei Militäreinsätzen zu überfordern.

Zurück aus dem Sudan: Ein Soldat im März auf dem Fliegerhorst Penzing
DPA

Zurück aus dem Sudan: Ein Soldat im März auf dem Fliegerhorst Penzing

Deutschland ist im Sudan derzeit an zwei Einsätzen beteiligt. An der UN-Mission UNMIS zur Absicherung des Friedens im Süden des Landes nimmt die Bundeswehr mit derzeit rund 40 Militärbeobachtern teil. Das Mandat setzt eine Obergrenze von 75. Die Überwachungsmission der Afrikanischen Union im Sudan (AMIS) unterstützt die Bundeswehr mit bis zu 200 Soldaten. Sie soll den Waffenstillstand zwischen den Konfliktparteien in der Krisenregion Darfur absichern sowie Zivilisten schützen. Aufgabe der deutschen Soldaten ist vor allem der Lufttransport von Streitkräften und Material aus Staaten der AU nach Sudan. Der Weltsicherheitsrat strebt eine Zusammenlegung von UNMIS und AMIS unter UN-Kommando an.

Jung schloss in der "Welt am Sonntag" nicht aus, dass die Mandats-Obergrenze für beide Missionen voll ausgenutzt wird. Ramsauer lehnte einen Kampfeinsatz der Bundeswehr in Darfur erneut entschieden ab. "Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass es dafür eine Mehrheit im Bundestag gibt", zitierte die Berliner Tageszeitung "B.Z." den CSU-Politiker. In der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" sagte Ramsauer, "man sollte die Bereitschaft der Deutschen, in solche Einsätze zu gehen, nicht bedenkenlos überfordern".

Zu Forderungen nach einem stärkeren Einsatz der Bundeswehr im Süden Afghanistans sagte Ramsauer, die Deutschen sorgten dafür, dass die Situation im Norden stabiler als im Süden sei und auch die Entwicklung des Landes dort schneller voranschreite: "Es hat doch überhaupt keinen Sinn, dass wir diese Situation jetzt umkehren,dass also die Bundeswehr in den Süden geht und andere Truppen vom Süden in den Norden, sich die Lage im Süden dann stabilisiert, dafür aber im Norden eine instabile Situation entsteht."

cai/ap



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