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Waffenlager im Garten Inhaftierter KSK-Kämpfer hatte Kontakte zu rechtsextremen Kameraden

Er hortete Waffen und Sprengstoff im Garten. Nun gibt es nach SPIEGEL-Informationen Hinweise, dass ein inhaftierter KSK-Soldat Teil eines rechtsextremen Netzwerks innerhalb der Bundeswehr-Eliteeinheit sein könnte.
aus DER SPIEGEL 21/2020
Soldaten des Bundeswehr-Elitekommandos Spezialkräfte (KSK) während einer Pressevorführung auf dem Truppenübungsplatz Hammelburg (Archivbild)

Soldaten des Bundeswehr-Elitekommandos Spezialkräfte (KSK) während einer Pressevorführung auf dem Truppenübungsplatz Hammelburg (Archivbild)

Foto: A3386 Uli Deck/ dpa

Nach der Festnahme des 45-jährigen KSK-Soldaten Philipp Sch. am vergangenen Mittwoch laufen die Ermittlungen bei Polizei und Bundeswehr auf Hochtouren. Bei einer Razzia im nordsächsischen Dorf Collm hatten Fahnder ein im Garten des Soldaten verstecktes Waffenlager gefunden. Nun versuchen sie auf seinen Kommunikationsgeräten herauszufinden, ob Sch. Teil eines rechten Netzwerks innerhalb der Eliteeinheit war.

Erste Hinweise auf enge Verbindungen von Sch. zu anderen rechtsextremen Soldaten gibt es bereits. So hatte der KSK-Kämpfer nach SPIEGEL-Informationen im April 2017 an einer Abschiedsparty für den KSK-Kommandeur Pascal D. teilgenommen, auf der die Gäste eine Art Parcours absolvieren mussten - mit Disziplinen wie dem Weitwurf von Schweineköpfen. Auch sollen auf der Feier Rechtsrock gespielt und verfassungsfeindliche Symbole gezeigt worden sein.

Nach der Feier, die von Fahndern intern nur noch "Schweinekopf-Party" genannt wird, hatte eine Zeugin ausgesagt, dass der KSK-Soldat Philipp Sch. damals gemeinsam mit anderen Elitesoldaten mit dem Hitlergruß posierte. Sie bezeichnete ihn als "Nazi-Opa", da der heute 45-Jährige sichtlich älter als die anderen anwesenden KSK-Kameraden war. Nach der Feier hatte die Justiz gegen Pascal D. Strafbefehl wegen des Hitlergrußes erlassen.

DER SPIEGEL 21/2020

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Obwohl der MAD Sch. seit der Party auf einem Schießstand als Verdachtsperson beobachtete, gelang es dem Militärgeheimdienst nicht, den Verdacht zu erhärten und ihn als Rechtsextremen zu enttarnen. Als es dann Anfang dieses Jahres Hinweise gab, dass Sch. in seinem Garten im sächsischen Dorf Collm unter der Erde Waffen hortete, meldete der MAD den Verdacht der Polizei.

Bei einer Razzia am Mittwoch fanden Beamte in Sch.s Garten unter anderem ein AK47-Sturmgewehr, reichlich scharfe Munition und Pakete mit Plastiksprengstoff. Ermittlungen zufolge stammen Munition und Sprengstoff teilweise aus Bundeswehrbeständen. Sch. wurde verhaftet. Wegen der Spezialausbildung des KSK-Manns sah der Haftrichter Flucht- und Verdunklungsgefahr.

Die Eliteeinheit KSK steht seit Monaten im Fokus des MAD, im Beamtendeutsch gilt die eingeschworene Eliteeinheit als Arbeitsschwerpunkt des Dienstes. Derzeit führt die Behörde rund 20 Mitglieder der Spezialeinheit, die allen voran für komplexe Operationen zur Befreiung von Geiseln im Ausland gedrillt ist, als Verdachtsfälle. Mehrere Soldaten wurden in den vergangenen Monaten wegen ihrer fehlenden Verfassungstreue oder der Nähe zu rechten Gruppen vom Dienst suspendiert.

mgb/stw
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