Nach SPIEGEL-Bericht über »Wolfsrudel« Verteidigungsministerium nimmt Kompanie nach rechtsextremen Vorfällen aus protokollarischem Dienst

In einem Wachbataillon des Wehrressorts hat sich eine rechte Soldatengruppe gebildet – und andere Kameraden bedrängt. Nach einem SPIEGEL-Bericht über den Fall zieht nun das Verteidigungsministerium Konsequenzen.
Ein Wachbataillon der Bundeswehr

Ein Wachbataillon der Bundeswehr

Foto: Soeren Stache / dpa

Sie sollen auf andere Kameraden uriniert und sie mit brennenden Feuerzeugen traktiert haben, asiatischstämmige Soldaten wurden als »Fidschi« und »Schlitzauge« verunglimpft: Innerhalb der zweiten Kompanie des Wachbataillons hat sich eine völkische und teils rechtsextreme Gruppe gebildet, die sich selbst als »Wolfsrudel« bezeichnen soll.

Die Kompanie, in der das »Wolfsrudel« agierte, kommt für den protokollarischen Ehrendienst bei Staatsbesuchen und anderen staatlichen Anlässen zum Einsatz. Nun wurde die gesamte Kompanie bis auf Weiteres aus dem protokollarischen Dienst des Ministeriums herausgenommen. Das geht aus einem internen Schreiben des Verteidigungsministeriums hervor, das dem SPIEGEL vorliegt.

Gegenwärtig wird zu den rechtsextremen Vorfällen intern ermittelt. Der SPIEGEL hatte zuvor darüber berichtet.

Der Gruppe sollen mindestens sechs Soldaten angehören. Ermittelt werde nun aber laut Ministerium gegen mehrere Dutzend Soldaten, hauptsächlich aus dem einfachen Dienst. Es gebe zudem Erkenntnisse, dass auch Vorgesetzte Teil der Gruppe seien. Das Wachbatallion der Bundeswehr umfasst rund 1000 Soldaten. Angestoßen worden seien die Ermittlungen durch interne Hinweise.

Die Vorfälle »beschämen uns alle zutiefst«, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums. Sie schädigten nicht nur das Ansehen der Bundeswehr, sondern bedrohten auch die Einheit der Truppe und gefährdeten die Einsatzbereitschaft. Die Bundeswehr und das Ministerium verfolgten auch weiterhin eine »Null-Toleranz-Linie« vor allem gegen rechtsextremistische Umtriebe.

Kleidung mit der Aufschrift »Sonnenstudio 88«

Nach SPIEGEL-Recherchen soll der mutmaßliche Anführer, ein 32-jähriger Oberstabsgefreiter, ein T-Shirt mit einer schwarzen Sonne und der Aufschrift »Sonnenstudio 88« getragen haben. Auf der Rückseite prangte laut der Aussage der zynische Schriftzug »Wir sind braun«. Die Zahlenkombination 88 wird in rechten Kreisen seit Jahren als Symbol für den Hitlergruß benutzt, da dieser unter Strafe steht.

Neben den bereits bekannt gewordenen Vorfällen waren dem Verteidigungsministerium noch weitere bekannt, wie nun aus dem Schreiben hervorgeht. Demnach soll sich ein Mannschaftssoldat in Wehrmachtsuniform fotografiert haben lassen, ein weiterer Soldat steht im Verdacht, den rechtsextremen »Identitären« nahezustehen. Ein Unteroffizier soll Untergebenen vorgeworfen haben, »scheiß Islammusik« zu hören.

Feldjäger sollen alle Soldaten der 2. Kompanie vernehmen

Die Bundeswehr nimmt die Vorwürfe sehr ernst. Einem Oberstabsgefreiten wurde bereits Mitte der Woche die Ausübung des Dienstes und das Tragen der Uniform untersagt. Gegen vier weitere Soldaten, die der Gruppe angehören sollen, laufen disziplinäre Vorermittlungen. Feldjäger sollen nun möglichst schnell alle Soldaten der 2. Kompanie vernehmen.

Eva Högl, die Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages, sagte, bislang gebe es keine Bestätigung einer verfestigten rechtsextremen Gruppe innerhalb des Wachbataillons. Es sei allerdings wichtig, »dass weiter aufgeklärt und schnell sanktioniert wird und dass Sensibilisierung und Prävention intensiviert werden«.

Sollten sich die Verdachtsmomente gegen die mutmaßlichen Mitglieder des »Wolfsrudels« bestätigen, werden wohl auch sie schnell aus dem Dienst genommen.

mrc/mgb
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