Bundeswehr KSK-Elitesoldat als Islamist enttarnt

Im Kommando Spezialkräfte der Bundeswehr hatten sich in den vergangenen Jahren rechtsextremistische Fälle gehäuft. Nun allerdings ist ein Mitglied als Islamist identifiziert und entlassen worden.
Bundeswehrsoldaten der Eliteeinheit Kommando Spezialkräfte (Symbolbild)

 Bundeswehrsoldaten der Eliteeinheit Kommando Spezialkräfte (Symbolbild)

Foto: Kay Nietfeld/ dpa

Ein Elitesoldat des Kommandos Spezialkräfte (KSK) ist als Islamist eingestuft und aus der Bundeswehr entlassen worden. Nach Informationen der dpa ist der Mann bereits im vergangenen Jahr aufgefallen, wurde dann vom Militärischen Abschirmdienst (MAD) in die Kategorie "Rot" als Extremist eingeordnet und schon Anfang 2020 nach einem gerichtlichen Disziplinarverfahren entlassen. Zuerst hatten die "Süddeutsche Zeitung"  und der WDR darüber berichtet.

Eine Stellungnahme des Verteidigungsministeriums oder des MAD zu dem Fall gab es zunächst nicht - mit der Begründung, es handele sich um eine einzelne Personalangelegenheit.

Aus Bundeswehrkreisen hieß es, der Stabsunteroffizier Ömer S. sei erst kurze Zeit bei der Kommandoeinheit gewesen bevor er dem MAD auffiel, vorher war er in einem anderen Verband eingesetzt. Offenbar hatte sich der Soldat zunächst unentdeckt selbst radikalisiert und sich immer mehr in eine Form des radikalen Islamismus gesteigert.

Soldat als tiefrot eingestuft

In Ermittlerkreisen war von einem "reborn muslim" die Rede, diese suchen im radikalen Islam ihre eigene Identität und schrecken in schweren Fällen auch vor der Anwendung von Gewalt nicht zurück. Ömer S. zum Beispiel schwärmte für ein islamisches Kalifat, wie es der "Islamische Staat" (IS) in Syrien kurzzeitig aufgebaut hatte.

In den Kategorien des MAD wurde S. als tiefrot eingestuft. In der Farbenlehre des Militärgeheimdienstes werde darunter Soldaten gefasst, denen aktive und teilweise gewalttätige Bestrebungen gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung nachgewiesen werden können. Dazu gehört eine Ablehnung der demokratischen Freiheiten, der Justiz und des Grundgesetzes.

Dem im baden-württembergischen Calw stationierten Kommando Spezialkräfte gehören etwa 1400 Kommandosoldaten und Unterstützungskräfte an. Zu den Aufgaben der geheim operierenden Einheit zählt die Rettung Deutscher aus Kriegs- und Krisengebieten, die Festnahme von Kriegsverbrechern und Terroristen, das Gewinnen von Informationen in Krisengebieten, die Ausbildung verbündeter Streitkräfte und die Bekämpfung strategisch wichtiger Stellungen eines Gegners.

In den vergangenen Jahren war das KSK immer wieder wegen rechtsextremistischer Vorfälle in die Schlagzeilen geraten. Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) hatte deswegen im Mai eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die bis Anfang Juli ein Konzept zur Bekämpfung des Extremismus in der Elitetruppe erarbeiten soll.

Soldat beschwert sich über "Kadavergehorsam" in der Einheit

Zuletzt hatte sich ein Hauptmann des KSK in einem Brief an Kramp-Karrenbauer darüber beschwert, "dass eine toxische Verbandskultur durch schwere Mängel im Bereich Ausbildung" entstanden sei. Konkret schreibt er über rechtsextreme Tendenzen und "kollektiv frustrierende Abhängigkeit der Auszubildenden gegenüber der Willkür von Ausbildern und Vorgesetzten, die zu einer Art Kadavergehorsam führen".

Der MAD hat in den vergangenen Jahren immer wieder auch Islamisten bei der Bundeswehr enttarnt. Nach seinem im Mai veröffentlichten Jahresbericht wurden 2019 14 Extremisten enttarnt, darunter acht Rechtsextremisten, vier Islamisten und zwei sogenannte Reichsbürger.

cop/dpa
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