Strafbefehl gegen Elitekämpfer der Bundeswehr Hitlergruß beim KSK-Abschiedsfest

Eklat bei der Eliteeinheit KSK: Nach SPIEGEL-Informationen hat die Justiz Strafbefehl gegen einen Soldaten erlassen, weil er auf einer Party mehrmals den Hitlergruß zeigte.
Bundeswehrsoldaten des Kommando Spezialkräfte (Symbolbild)

Bundeswehrsoldaten des Kommando Spezialkräfte (Symbolbild)

Foto: Kay Nietfeld/ dpa

Eine Party der Bundeswehr-Eliteeinheit Kommando Spezialkräfte (KSK) im April 2017 hat juristische Folgen. Nach SPIEGEL-Informationen sieht es die Staatsanwaltschaft Stuttgart als erwiesen an, dass ein Oberstleutnant des KSK bei der Feier mehrmals den Hitlergruß zeigte.

Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Stuttgart erließ das Amtsgericht Böblingen jetzt einen Strafbefehl und eine Geldbuße von 4000 Euro gegen den Oberstleutnant. Als Tatvorwurf wird Pascal D. das Verwenden von Kennzeichen verbotener Organisationen vorgeworfen.

Zudem wird gegen einen weiteren KSK-Soldaten ermittelt, der ebenfalls auf der Party den Hitlergruß gezeigt haben soll.

Auf die Bundeswehr kommen durch den Strafbefehl drängende Fragen zu. So hatten die internen Ermittlungen gegen die Soldaten zwar festgestellt, dass die Abschiedsfeier für den Elitesoldaten geschmacklos war. Rechte Tendenzen oder gar das Zeigen von verfassungsfeindlichen Symbolen aber wurden stets verneint.

Mittelalterlicher Parcours auf der Schießbahn

Für die Abschiedsparty hatten Kameraden am 27. April 2017 eine private Schießbahn in Baden-Württemberg angemietet. Später berichtete eine Zeugin detailreich über eine Art mittelalterlichen Parcours bei der Feier.

Dabei hätten die Soldaten, allesamt stark alkoholisiert, verschiedene Disziplinen wie Schweinekopfwerfen absolviert. Die Zeugin war von einem der Soldaten eingeladen worden, sie sollte mit Pascal D. als "Belohnung" für das Absolvieren des Parcours Sex haben.

Die Zeugin kam freiwillig auf die Schießbahn. Nach ihren Aussagen hegt sie einen Fetisch für die trainierten und oft tätowierten Männer der Bundeswehr-Spezialeinheit. Zum Geschlechtsverkehr kam es aber nicht, so die Aussagen der Frau, da Pascal D. zu betrunken war.

Allerdings sagte die Zeugin auch über illegale Aktivitäten der Soldaten aus. So habe der Oberstleutnant mehrmals an dem Abend den Hitlergruß gezeigt. Dabei sei Musik der rechtsextremen Band "Sturmwehr" gelaufen. Die Zeugin nannte den Fahndern konkrete Lieder der verbotenen Gruppe.

Glaubwürdigkeit der Zeugin wird angezweifelt

Nachdem Journalisten des Internetportals "Y-Kollektiv" die Bundeswehr mit den Aussagen der Frau konfrontiert hatten, begann das Heer im Sommer 2017 mit eigenen Ermittlungen. Nach monatelangen Recherchen allerdings räumte das Heereskommando von Inspekteur Jörg Vollmer nur ein, die Feier habe "die Grenzen des guten Geschmacks" gesprengt.

Mögliche illegale Handlungen wie den Hitlergruß spielte man herunter. "Nach mehreren Dutzend Vernehmungen haben sich die Vorwürfe auf verfassungsfeindliche Äußerungen in Wort und Tat bis heute nicht bestätigt", so eine Stellungnahme aus dem Herbst 2017.

Wie ernst die Bundeswehr ermittelte, ist zweifelhaft. So hatte das Heer die Zeugin schnell als unglaubwürdig eingestuft, intern wurde sie als "Escort-Dame" bezeichnet. Die zivile Justiz sieht das anders. Nach einer Vernehmung sahen die Fahnder keinen Grund, warum sie sich die Geschichte ausgedacht haben soll.

Die Soldaten könnten ihre Aussagen abgestimmt haben

Zudem fiel den Ermittlern auf, dass die beteiligten KSK-Soldaten auffällig gleichlautend ausgesagt hatten. Insgesamt waren an dem Tag 73 Kommandosoldaten auf dem Schießstand. Die Einlassungen wirkten regelrecht abgesprochen, heißt es von den Fahndern.

Auch im Verteidigungsministerium gibt es diesen Verdacht. So beobachtete die Leitung die Ermittlungen des Heers von Beginn an aufmerksam. Ministerin Ursula von der Leyen aber hielt sich zurück.

Für Insider symbolisiert der Fall die Probleme der hermetisch abgeriegelten Truppe der Elitekämpfer. Für die Einheit gilt Pascal D. bis heute als Held, da er bei geheimen Operationen in Afghanistan einen verwundeten Kameraden aus dem Gefecht schleppte und gleichzeitig angreifende Taliban eliminierte.

Auch bei anderen Missionen trat der muskelbepackte und massiv tätowierte Mann mehr als robust auf, heißt es in der Truppe. In der Folge galt für den KSK-Kompaniechef offenbar eine gefährliche Narrenfreiheit.

Bisher keine Maßnahmen gegen D.

So trat D. trotz der strengen Geheimhaltung der Identitäten der KSK-Kämpfer mit seinem Klarnamen bei Kickbox-Wettbewerben auf, dort führte er den Spitznamen "Der Leutnant". Ein ungewohnt offener Umgang, normalerweise tun die Elitesoldaten alles, um in der Öffentlichkeit nicht als solche aufzufallen.

Trotz der massiven Vorwürfe nach der Feier aber blieben Konsequenzen innerhalb der Truppe aus. Nach SPIEGEL-Informationen wurden zwar mehrere Teilnehmer der Party, darunter der Organisator des Abends, vom KSK wegversetzt. In einigen Fällen wurden auch kleinere Geldbußen wegen unbotmäßigem Verhalten verhängt.

Pascal D. allerdings wurde bisher nicht für seine Rolle an dem Abend diszipliniert. Er ist derzeit in Strausberg eingesetzt, dort ist das Kommando des Heers stationiert. Den Strafbefehl mit der durchaus empfindlichen Geldstrafe kann er entweder akzeptieren oder anfechten. Dann würde der Fall vor ein ziviles Gericht gehen.