Tödlicher Bundeswehr-Marsch Verteidigungsministerium täuschte Parlament

Nach dem tödlichen Marsch von Bundeswehrsoldaten hat das Verteidigungsministerium den Bundestag irreführend unterrichtet. Nach SPIEGEL-Informationen wurden Ergebnisse eines Gutachtens verkürzt dargestellt.
Bundeswehrsoldaten

Bundeswehrsoldaten

Foto: Fabrizio Bensch/ REUTERS

Das Verteidigungsministerium hat den Bundestag bei der Aufklärung nach einem tödlichen Marsch von Bundeswehrsoldaten im Truppenstandort Munster in einem wichtigen Punkt getäuscht.

Nach SPIEGEL-Informationen erklärte Generalinspekteur Volker Wieker bei einer vertraulichen Unterrichtung der Obleute des Verteidigungsausschusses, der Tod des 21-jährigen Schützen Jonas K. und die körperlichen Schäden bei drei anderen Soldaten nach einem Marsch in Munster im Juli 2017 wären bei angemessener Fürsorge der Vorgesetzten vermeidbar gewesen. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

Die Unterrichtung bezog sich auf ein rechtsmedizinisches Gutachten der Hamburger Uni-Klinik. Das Gutachten, das der SPIEGEL nun einsehen konnte, stellt den Fall jedoch wesentlich differenzierter dar. Demnach war der Tod von Jonas K., der zehn Tage nach dem Marsch starb, "nach rechtsmedizinischer Einschätzung nicht vorhersehbar". Allerdings sei auf erste Symptome eines Hitzschlags "nicht entsprechend reagiert" worden.

Nur für die Fälle der drei anderen Soldaten, die wesentlich später bei demselben Marsch zusammengebrochen waren und auch mit Hitzschlag in Kliniken geflogen werden mussten, kommen die Rechtsmediziner zu dem Urteil, dass diese Vorfälle "hätten vermieden werden können".

Der Marsch der Offiziersanwärter endete im Juli 2017 tragisch. Selbst nachdem der 21-jährige Jonas K. schon nach einer kurzen Wegstrecke zusammengebrochen war, ließen die Ausbilder den Rest des Trupps weitermarschieren. Auch als mehrere andere Soldaten kollabierten, wurde die Übung nicht abgebrochen. Am Ende mussten drei weitere Soldaten mit einem Hitzschlag im Krankenhaus behandelt werden.

Das Verteidigungsministerium räumte auf SPIEGEL-Nachfrage die irreführende Information ein. "Wenn durch den stark verkürzenden mündlichen Vortrag am Telefon ein falscher Eindruck entstehen konnte, bedauert dies das Ministerium", sagte ein Sprecher. Die Aussagen im Gutachten seien "in Bezug auf den gestorbenen Schützen K. weniger eindeutig als auf die anderen zu Schaden gekommenen Soldaten".

mgb/kvh
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