SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

25. August 2006, 07:07 Uhr

Bundeswehr

Minister Jungs milliardenschwere Rüstungspläne

Fregatten, U-Boote und Transportfahrzeuge: Noch in diesem Jahr will Verteidigungsminister Franz Josef Jung neue Rüstungsprojekte auf den Weg bringen. Kostenpunkt: knapp sechs Milliarden Euro.

Berlin - Für die Bundeswehr werde es in den nächsten Jahren neue Fregatten, U-Boote und für die Auslandseinsätze eine neue Generation geschützter Transportfahrzeuge geben, berichtet die "Welt" unter Berufung auf das Verteidigungsministerium. Ein Ministeriumssprecher bestätigte den Bericht in den meisten Punkten. Jung werde demnach die neuen Rüstungsprojekte mit einem Volumen von knapp sechs Milliarden Euro noch in diesem Jahr auf den Weg bringen.

Jung (l.) mit Marinesoldaten: Neue Rüstungsprojekte im Visier
DPA

Jung (l.) mit Marinesoldaten: Neue Rüstungsprojekte im Visier

Der CDU-Politiker will laut "Welt" für das Heer 272 Fahrzeuge vom Typ "Boxer" beschaffen. Die Kosten dafür werden auf 891 Millionen Euro veranschlagt. 72 der für Auslandseinsätze wichtigen "Boxer" sollen als Sanitätsvariante zur Aufnahme von Verwundeten ausgerüstet werden. Den ersten "Boxer" erwarte die Bundeswehr 2008.

Weitere große Projekte sind nach Informationen der Zeitung vier Fregatten vom Typ 125 für 2,2 Milliarden Euro sowie zwei U-Boote vom Typ 212 für 864 Millionen Euro. In die Modernisierung des seit 30 Jahren betriebenen Transporthubschraubers CH 53 wolle Jung rund 500 Millionen Euro stecken.

Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums dementierte hingegen Angaben der Zeitung, wonach zwei Hubschrauber-Projekte nicht mehr mit Priorität verfolgt würden. So solle an der bereits früher dem Haushaltsausschuss angezeigten Option auf die Beschaffung von 42 Hubschraubern des Typs NH90 festgehalten werden. Von der Option solle noch im laufenden Jahr Gebrauch gemacht werden. Für die Beschaffung von 30 Marine-Hubschraubern des Typs MH90 wird es nach Angaben des Ministeriums 2007 eine Vorlage geben.

Laut "Welt" droht im Haushaltsausschuss, der den Beschaffungen zustimmen muss, Streit zwischen Regierung und Opposition über die Zweitbewaffnung für das deutsch-amerikanisch-italienische Raketenabwehrsystem Meads. Die Bundeswehr will das mit Pac-3-Raketen betriebene System zusätzlich mit der kleineren Iris-T-Rakete ausrüsten. Jung will demnach für den Einstieg in das System 120 Millionen Euro ausgeben. Der Haushaltsexperte der Grünen Alexander Bonde sagte dazu der "Welt", im Heer gebe es Planungen mit ähnlichen Flugkörpern für anderen Aufgaben. Dies kritisierte er als Investitionen in Paralleltechnologien.

Er habe den Eindruck, dass es "mehr um Industriepolitik als um die Schließung einer Fähigkeitslücke geht", sagte Bonde. Die FDP-Rüstungsexpertin Elke Hoff verlangte, Investitionen für den besseren Schutz der Einsatzkräfte vorzuziehen, "der Zweitflugkörper kann warten". Auch in der SPD-Fraktion gibt es demnach Widerstand gegen das Projekt.

als/ddp/AFP

URL:

Verwandte Artikel:


© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung