Auslandseinsätze Bundeswehr-Soldaten bekommen zu wenig Pause

Eigentlich sollen Bundeswehrsoldaten genügend Zeit haben, sich zwischen Auslandseinsätzen zu erholen - 20 Monate sind Vorschrift. Nach SPIEGEL-Informationen wird aber jeder zweite Soldat früher wieder entsendet. Die Folgen für die Betroffenen können gravierend sein.

Bundeswehrsoldaten bei einem Einsatz in Afghanistan: Die erschöpfte Truppe
REUTERS

Bundeswehrsoldaten bei einem Einsatz in Afghanistan: Die erschöpfte Truppe


Hamburg - Auslandseinsätze sind für Bundeswehrsoldaten eine besondere Belastung. In Krisengebieten wie Afghanistan sind sie oft hoher Gefahr ausgesetzt. Und beim "Patriot"-Einsatz in der Türkei beschwerte sich die Truppe jüngst über Schikanen und Anfeindungen. Damit sich die Soldaten von solchen Strapazen erholen können, gibt es eine vorgeschriebene Pausenzeit von 20 Monaten, ehe sie zum nächsten Einsatz geschickt werden. Laut SPIEGEL-Informationen verwehrt die Armee ihren Angehörigen diese jedoch oft.

Eine Untersuchung des Verteidigungsministeriums habe demnach ergeben, dass die vorgesehene Regenerationszeit sogar in jedem zweiten Fall unterschritten wird. In den Jahren 2010 bis 2012 seien 6953 Soldaten betroffen gewesen. Diese Praxis, warnt der Grünen-Verteidigungsexperte Omid Nouripour, könne schwere Auswirkungen auf die Psyche der Betroffenen haben: "Alle wissenschaftlichen Erkenntnisse zeigen, dass bei zu geringer Regenerationszeit die Gefahr einer Posttraumatischen Belastungsstörung zunimmt."

"Verteidigungsminister Thomas de Maizière muss dieses Problem abstellen", fordert Nouripour. Thomas Kossendey, der Staatssekretär des Ministers, verweist in diesem Zusammenhang auf die Bundeswehrreform. Er verspricht gegenüber dem Verteidigungsausschuss des Bundestags, dass sich die Situation durch die Maßnahmen verbessern werde.

Der Umgang der Bundeswehr mit ihren Angehörigen hört sich verantwortungslos an - passt aber zu einem Bericht, den der Wehrbeauftragte Hellmut Königshaus unlängst vorgelegt hat. Darin schildert er die vielen Sorgen und Nöte der Soldaten. Er zeichnet ein desolates Bild der Truppe und erzählt unter anderem von rechtsextremistischen Vorfällen, sexuellen Übergriffen und oftmals völliger Überlastung.

cst

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lebenslang 10.03.2013
1. macht endlich schluss
deutschland sollte die bundeswehr vollständig auflösen, der dienst an der waffe scheint nichts für deutsche befindlichkeiten mehr zu sein, alle scheinen überfordert, soldaten, volk und politik. es ist ein trauerspiel das schleunigst beendet werden sollte. wenn es ernst werden sollte können wir die franzosen und briten fragen - gegen entsprechendes entgeld - ob sie uns nicht raushauen können.
sfk15021958 10.03.2013
2. Am besten 38,5 h-Woche...
...und in Watte packen!?!? Führen wir da nicht das "Soldatenhandwerk" ad absurdum? Soll da nicht eine gewisse Belastbarkeit antrainiert werden? Mir hat die BW auch nicht gefallen - die Wehrpflicht betrug damals 18 Monate!
pacificwanderer 10.03.2013
3. Die Bundeswehr sollte ein Spiegel der Gesellschaft sein, .
nach ihren Gruendungsstatuten. Nun beklagt sich die Gesellschaft ueber ihren Spiegel? Ausserdem ist den meisten soldant nicht klar zu machen, dass und wie sie das 'Recht und die Freiheit des deutschen Volkes' am Hindukush oder am Horn von Afrika verteidigen. Die Bw braucht eine geistige und inhaltliche Reform und eine Neuausrichting die dem Deutschland des 21. Jhdt entspricht.
kulinux 10.03.2013
4. "Die Folgen für die Betroffenen können gravierend sein."
Na, und wie wohl erst die Folgen für die von den Geschossen dieser armen, armen Soldaten "Getroffenen" sein mögen? Schusswunden ohne Krankenversicherung? Tod ohne Hinterbliebenen- und Waisenrente?? Mir kommen echt die Tränen, dass sich unsere Soldaten von diesem mörderischen (!) Job nicht länger erholen können, wirklich! Es wird Zeit, dass wieder Rot/Grün an die Macht kommt: Dann können die Grünen den Soldaten für die Heimatfront "PickelMÜTZEN" (Rösler) stricken, und die SPD ihnen einreden, dass sie doch nur zum Brunnen- und Schulbau ins Ausland müssen. Also quasi auf Sozialarbeiterurlaub. Dann braucht man auch nicht soviel Urlaub zuhause zwischendurch –*und schon ist das Problem gelöst!
Mach999 10.03.2013
5.
Zitat von sfk15021958...und in Watte packen!?!? Führen wir da nicht das "Soldatenhandwerk" ad absurdum? Soll da nicht eine gewisse Belastbarkeit antrainiert werden? Mir hat die BW auch nicht gefallen - die Wehrpflicht betrug damals 18 Monate!
Vielleicht haben Sie doch eine etwas altertümliche Vorstellung von "Soldatenhandwerk". Wenn wir schon eine Armee haben (worüber man sicherlich diskutieren kann), dann soll sie leistungsfähig sein und nicht ausgepowert. Eine Armee ist nicht dazu da, Soldaten zu schinden, sondern Aufträge zu erfüllen. Dass dazu Training und Drill gehören, ist klar - aber nicht als Selbstzweck.
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