Bundeswehr-Missionen Koenigs will deutsche Soldaten auch im Süden Afghanistans

Der Uno-Sonderbeauftragte für Afghanistan Tom Koenigs fordert eine deutliche Verstärkung der internationalen Anstrengungen am Hindukusch. Eine Sonderrolle Deutschlands lehnte er ab. Die Bundeswehr könne sich nicht nur auf den relativ ruhigen Norden konzentrieren.

München/Berlin - Im Süden Afghanistans sei nicht nur ein Kampf gegen einzelne Extremistengruppen zu führen, sondern es gebe dort einen Volksaufstand, sagte Koenigs der "Süddeutschen Zeitung". Die Nato müsse nun beweisen, "dass sie eine einheitliche, schlagkräftige Armee ist".

Der Isaf-Kommandeur müsse die Möglichkeit haben, die Truppen dorthin zu schicken, wo sie gebraucht werden, sagte Koenigs. Sonderrollen in der Friedenstruppe wie für die Deutschen, die den Einsatz der Bundeswehr auf den relativ ruhigen Norden des Landes konzentrieren wollen, lehnte Koenigs ab.

Auch CDU/CSU-Vizefraktionschef Andreas Schockenhoff warnte in der "Frankfurter Rundschau", auf Dauer werde es nicht durchzuhalten sein, dass bei wachsender Gewalt die deutschen Truppen nur im ruhigen Nordafghanistan stationiert seien, wie es das Bundeswehrmandat weiterhin für den Großteil des Kontingents verlange.

Sowohl Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) als auch der Vorsitzende des Bundeswehrverbandes, Bernhard Gertz, sprachen sich jedoch gegen eine Verlegung der Bundeswehr in andere Landesteile aus. Es gebe "keinen Anlass, die Lage schönzureden", sagte Steinmeier der "Welt". Er sprach sich aber dafür aus, die Bundeswehr im Norden des Landes zu belassen. Im deutschen Einsatzgebiet hätten sich die Lebensverhältnisse "zum Besseren" entwickelt. "Diese Fortschritte weiter zu konsolidieren bleibt eine große Herausforderung - deswegen wäre eine regionale Verlagerung unseres Engagements kurzsichtig und falsch."

Auch Gertz lehnte eine Veränderung des Mandats der Bundeswehr ab. "Es wäre gar nicht geistreich, wenn wir in den Süden oder Osten des Landes gingen, denn wir haben gar keine Kampftruppen hier in Afghanistan", sagte er im WDR-Morgenecho.

Der Bundestag hatte gestern mit breiter Mehrheit für die Verlängerung des Bundeswehreinsatzes in Afghanistan um ein Jahr gestimmt, ohne das Mandat zu verändern.

Mehrere ranghohe britische Offiziere drängten nach einem Bericht der Zeitung "Guardian" die britische Regierung, ihre Truppen vom Irak nach Afghanistan zu verlegen. Es gebe eine Gruppe im Verteidigungsministerium, die sehr heftig fordere, die Truppen dort einzusetzen, wo sich der Kampf lohne. Die Militärchefs hätten die Geduld verloren mit den langsamen Fortschritten beim Aufbau von Armee und Sicherheitskräften im Irak.

als/AFP

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