Materialengpässe Bundeswehr muss auf neue Stiefel warten

"Man stelle sich vor, Feuerwehrleute würden Brände in Pantoffeln löschen." Seit 2016 sollten Soldaten nach und nach neue Kampfschuhe bekommen. Doch bis alle ausgestattet sind, wird wohl das Jahr 2022 zu Ende gegangen sein.

Stiefel der Luftwaffe - hier bei einem Besuch des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier in Cammin in Mecklenburg-Vorpommern
Jens Büttner/ DPA

Stiefel der Luftwaffe - hier bei einem Besuch des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier in Cammin in Mecklenburg-Vorpommern


Einem Medienbericht zufolge müssen Soldaten der Bundeswehr auf neue Stiefel warten - und zwar deutlich länger als geplant. Das geht aus einer Antwort des Verteidigungsministeriums auf eine Anfrage der FDP-Abgeordneten Marie-Agnes Strack-Zimmermann hervor, über die der "Tagesspiegel" berichtet. "Die vollständige Umsetzung des neuen Kampfschuhsystems Streitkräfte wird nach derzeitiger Planung bis zum Ende des zweiten Quartals 2022 abgeschlossen sein", heißt es darin.

Dem Bericht zufolge hätten alle Angehörigen der Streitkräfte eigentlich bereits bis Ende 2020 neue Schuhe erhalten sollen. "Aufgrund begrenzter Produktionskapazitäten der Industrie ließ sich dieser Zeitansatz jedoch nicht halten", hieß es auf Anfrage der Zeitung aus dem Ministerium. Wie viele Bundeswehrangehörige heute bereits neue Schuhe haben, sagte die zuständige Sprecherin laut "Tagesspiegel" nicht. Demnach verfügen "derzeit erst einige" über einen vollständigen neuen Kampfschuhsatz.

"Keine Frage der Mode"

Der Wechsel vom "Ganzjahresschuh" auf zwei Paar vom "Kampfschuh, schwer" und ein Paar vom "Kampfschuh, leicht" ist dem Zeitungsbericht nach seit 2016 geplant. Dem Schreiben an Strack-Zimmermann zufolge haben inzwischen zwar gut 160.000 der knapp 183.000 Soldaten ein erstes Paar des schweren, schwarzen Kampfschuhs - das zweite fehlt aber noch. Den leichten Schuh haben demnach nur gut 31.000 Soldatinnen und Soldaten.

Strack-Zimmermann kritisierte, dass die Ausrüstung der gesamten Truppe mit den neuen Schuhen so lange dauere. "Das ist schließlich keine Frage der Mode, sondern eine der Sicherheit", sagte die Verteidigungspolitikerin. "Man stelle sich vor, Feuerwehrleute würden Brände in Pantoffeln löschen."

höh/dpa



insgesamt 75 Beiträge
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Seite 1
sven2016 28.08.2019
1. Ähmm. Sie haben ja Stiefel, nur eben
noch nicht die neuen. In Pantoffeln werden sie wohl nicht auf den defekten Transportflieger warten müssen. Die Bezeichnung des "Projekts" sagt viel über die Umsetzung aus ...
bmvjr 28.08.2019
2. Die Schildbuerger
haetten es nicht schlimmer treiben koennen - keine Produktionskapazitaeten fuer weitere 31.000 Paar Stiefel? Das ist so unvorstellbar lustig, dass es schon wieder zum Heulen ist. Die Stueckzahl ist laecherlich. Jeder Hersteller von Stiefeln, Arbeits- und Sicherheitsschuhen in der freien Wirtschaft haut eine solche Stueckzahl noch in diesem Jahr raus. Wo kauft die Bundeswehr bloss ein?
FrankDunkel 28.08.2019
3.
Wir sind irgendwie ein bedauernswertes Land. Unsere Soldaten haben keine Stiefel, ihre Sturmgewehre schießen um die Ecke, die IT-Ausstattung unserer Behörden spottet jeder Beschreibung. Brücken, Straßen, Gebäude bröckeln. Das Gesundheitswesen ist eine einzige Katastrophe. Die Aufzählung ließe sich problemlos fortsetzen. Dafür steht die schwarze Null. Bestimmte Leute sollten sich schämen beim Betrachten des Trümmerhaufens, den sie angerichtet haben. Dafür gibt es bestimmt keinen Ehrendoktor.
spon-facebook-1629421895 28.08.2019
4.
Die Feuerwehr kauft sich die Haix Fire Eagle meistens privat. Genau wie Zugtickets. Und macht es in der Regel im Ehrenamt.
kleinsteminderheit 28.08.2019
5. Mehr Geld für die Bundeswehr?
Es interessiert mich letztendlich nicht, in welchen bürokratischen Schlingen die Beschaffung von soldatischen Schuhwerk hängen geblieben ist. Die Beschaffung geeigneten Schuhwerks ist technisch, finanziell und organisatorisch überschaubar. Wenn die Bundeswehr bereits damit derartige Probleme hat, wundert es mich nicht, dass keines der aktuell beschafften Waffensysteme wirklich einsatzreif ist. Mit mehr Geld ist bei einer derart kranken Organisation nichts zu erreichen. Die gesamte Wehrbeschaffung muss erst mal von Grund auf reformiert werden, bevor wir an einen erhöhten Etat, oder an einen Neuaufbau der Bundeswehr denken können.
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