Marodes Material Triebwerkprobleme halten Bundeswehr-Hubschrauber am Boden

Die Bundeswehr muss nach Informationen des SPIEGEL weiterhin auf große Teile ihrer Ausrüstung verzichten - sie ist schlicht nicht verwendbar. Vor allem bei den Hubschraubern sieht es schlimm aus.
Transporthubschrauber NH90: Beinahe-Absturz im Juni

Transporthubschrauber NH90: Beinahe-Absturz im Juni

Foto: Philipp Schulze/ picture alliance / dpa

Die Bundeswehr bekommt den desolaten Zustand ihres technischen Geräts nicht in den Griff. Auch Monate nach Bekanntwerden der Missstände habe sich die Lage nicht grundlegend gebessert, räumte Generalinspekteur Volker Wieker nach Informationen des SPIEGEL am vergangenen Mittwoch vor Parlamentariern ein. Besonders desaströs ist die Lage bei den Hubschraubern.

Von den 35 Exemplaren des Modells NH90 waren vergangene Woche nach internen Unterlagen lediglich sieben einsatzbereit. Große Sorgen bereiten bei diesem Helikopter die Triebwerke. Die Prüfer des Bundesverteidigungsministeriums vermuten einen Konstruktionsfehler, weswegen mindestens vier Mal in diesem Jahr Triebwerke zu Schaden gekommen sind. Im Juni wäre es sogar beinahe zu einem Absturz gekommen.

Beim Kampfhubschrauber "Tiger" gibt es nach SPIEGEL-Informationen Probleme am Tank, an den Sitzen und den Spezialhelmen der Piloten. Bei den Helmen können veraltete Teile nicht ausgetauscht werden. In einem vertraulichen Schreiben wird davor gewarnt, dass Mitte 2015 "der Flugbetrieb komplett eingestellt" werden müsse, wenn sich die Lage nicht verbessere.

Das Verteidigungsministerium verweist auf eine eigens ins Leben gerufene Taskforce: "Probleme, die nicht von heute auf morgen entstanden sind, können auch nicht von heute auf morgen gelöst werden." Leicht entspannt hat sich laut Auskunft des Generalinspekteurs lediglich die Situation beim Schützenpanzer "Puma".

Der Grünen-Verteidigungsexperte Tobias Lindner fordert angesichts der bestehenden Ausrüstungsmängel der Bundeswehr, große Neubeschaffungsprojekte wie etwa beim NH90 zurückzustellen: "Der Bericht des Generalinspekteurs zeigt, dass die Probleme beim Materialerhalt keine Eintagsfliege sind. Bevor die Bundeswehr neues Gerät für Milliarden beschafft, muss sie einen Fahrplan entwickeln, wie sie die Probleme beim Materialerhalt lösen will."

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