Bundeswehr-Transportmaschine Öldämpfe im Cockpit vom A400M

Wieder Probleme beim Transportflieger der Bundeswehr: In Cockpit und Kabine des Airbus A400M treten nach Informationen des SPIEGEL Öldämpfe aus. Die Prüfung auf Gesundheitsschädlichkeit wird aber erst einmal aufgeschoben.
Airbus A400M

Airbus A400M

Foto: Kay Nietfeld/ picture alliance / Kay Nietfeld/dpa

Die technischen Probleme beim Airbus A400M der Bundeswehr nehmen kein Ende. In Cockpit und Kabine treten bei Flügen Öldämpfe aus. Die Ursache der Störung, die bereits bei mehreren Flügen aufgetreten ist, konnte bislang nicht gefunden werden.

Besatzung und Passagiere könnten als "unmittelbare Auswirkungen" unter "Unwohlsein und Augenreizungen" leiden. So steht es in einem geheimen 414-seitigen Bericht zum Stand der Rüstungsbeschaffungen, den das Verteidigungsministerium in diesem Monat erstellt hat und der dem SPIEGEL vorliegt.

Wie gefährlich die Dämpfe sind, soll durch Messungen geklärt werden. Doch diese mussten wegen der "derzeit stark eingeschränkten Verfügbarkeit einsatzklarer A400M" erst einmal aufgeschoben werden, heißt es weiter in dem Bericht. Auch technische Lösungen für das Problem konnte Airbus bisher nicht bei der Serienproduktion des Flugzeugs im spanischen Sevilla finden.

"Ursächlich für den Geruch ist das Getriebe", heißt es in einer Stellungnahme von Airbus. "Wir verstehen mittlerweile die Ursache für den Ölgeruch in der Zapfluft. Die Ursachenbehebung erfordert Modifizierungen, die wir derzeit vornehmen und zeitnah abschließen werden."

In der Vergangenheit sei bei A400M-Flügen in Einzelfällen Ölgeruch durch die Besatzungen wahrgenommen worden, sagte ein Sprecher der Luftwaffe. Seitdem wendet die Luftwaffe ein angepasstes Verfahren zur Klimatisierung des Flugzeugs an.

In einer Stellungnahme von Airbus heißt es, seit Bekanntwerden des Vorfalls habe man "umgehend Maßnahmen eingeleitet, um abzuklären, ob sich dadurch Auswirkungen auf die Sicherheit und Gesundheit der Crews sowie die operationelle Einsatzfähigkeit der Flugzeuge ergeben. Mehrere voneinander unabhängige Studien in Europäischen Laboren haben ergeben, dass keinerlei Einflüsse auf Gesundheit und Flugsicherheit bestehen."

Kürzlich musste das Verteidigungsministerium bereits einräumen, dass die Verzögerungen bei der Auslieferung der Maschinen so groß sind, dass der letzte A400M erst sechs Jahre später als geplant in Dienst gestellt werden wird.

IT-Systeme nicht vernetzt

Die Maschine hat aber noch mehr Probleme: Weil die zahlreichen IT-Systeme zur Einsatzplanung nicht vernetzt seien, müssten vor jedem Flug umfangreiche Datenmengen etwa zum Spritverbrauch von Hand zwischen den einzelnen Anwendungen ausgetauscht werden, heißt es in dem Bericht weiter. "Dies kann für einen Hin- und Rückflug bis zu über 50 Mann-Stunden Vorbereitungszeit in Anspruch nehmen, was aus operationeller Sicht nicht akzeptabel ist und deutlich verkürzt werden muss", zitiert die Nachrichtenagentur Reuters aus dem Schreiben.

Kurzfristige Einsätze zur Evakuierung Verwundeter oder in der Katastrophenhilfe seien "mit diesem enormen Vorlauf nicht durchführbar". Zudem könnten Einsätze "wegen dieses übermäßigen Zeitbedarfs" nicht kurzfristig geändert werden.

Dies habe zur Folge, dass unabhängig von der Größe der deutschen A400M-Flotte mit dem bisher vorgesehenen Personal nur zwei Missionen pro Woche mit dem Flugzeug geplant und vorbereitet werden könnten. Kurzfristig zu planende Einsätze seien derzeit nur mit Hilfe eines Ausweichverfahrens möglich, das aber zu Einschränkungen bei der Beladung der Maschine führe. "Unter Inkaufnahme von Abschlägen bei der Nutzlast ermöglicht dieses Verfahren die Durchführung von Flugvorbereitungen in nur sechs bis zehn Stunden."

Die Bundeswehr hat inzwischen knapp 20 von insgesamt 53 bestellten A400M erhalten. Das Transportflugzeug erfüllt dem Bericht zufolge jedoch weiter nicht alle militärischen Anforderungen. So kann der A400M bislang Fallschirmjäger nicht simultan aus den beiden Seitentüren und über die Rampe im Heck absetzen.

Weitere Risiken sieht der Rüstungsbericht bei der Selbstschutzanlage, was zu weiteren finanziellen Nachforderungen von Airbus führen könne. Wegen der Probleme beim A400M könnten der Luftwaffe einsatzfähige Flugzeuge fehlen, sobald die alternden Transall-Maschinen 2021 endgültig außer Dienst gestellt werden: "Die Gesamtproblematik kann - auch über die derzeitige Nutzungsdauerverlängerung C-160 Transall (vorgesehen bis zum Jahr 2021) hinaus - zu Fähigkeitslücken im Bereich des geschützten taktischen Lufttransports führen."

Kritik kam vom Grünen-Abgeordneten Tobias Lindner: "Obwohl der A400M ein neues Transportflugzeug ist, scheint die Kette der Probleme und Mängel nicht zu enden." Bevor Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen neue Rüstungsprojekte anschiebe, müsse sie die grundlegenden Ursachen für die Pannen analysieren.

mit Material von Reuters
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