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15. Oktober 2014, 15:38 Uhr

Mängel bei der Bundeswehr

Schwere Helme machen Piloten krank

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Das Bundeswehrgutachten der KPMG-Prüfer listet noch viel mehr Probleme auf als bisher bekannt. So traten gehäuft Pannen beim Transporthubschrauber NH90 auf - wie etwa die fehlkonstruierten Helme der Piloten.

Berlin - In dem 1500 Seiten starken Bericht der KPMG-Prüfer finden sich haarsträubende Details zu weiteren Pannen, die sich bei der Entwicklung neuer Waffensysteme ereignet haben. Gehäuft treten sie auf beim Transporthubschrauber NH90. Das anschaulichste Beispiel dafür sind die Helme der Piloten. Die "physiologisch ungünstige Schwerpunktlage des Helmsystems", so schreiben die Gutachter auf Seite 492, führe dazu, dass die Piloten "tageweise nicht am Flugdienst teilnehmen können".

Dahinter verbirgt sich folgendes Problem: Der Helm, den die beiden Piloten im NH90 tragen, wiegt sehr viel. Zur Ausstattung gehört ein wuchtiges Visier vor den Augen des Piloten, in das Flugdaten wie Geschwindigkeit und Höhe eingeblendet werden. Auch ein Nachtsicht-System ist in das Helmmodul integriert. Es wiegt stolze zweieinhalb Kilo und zerrt am Nacken des Piloten.

Schon bei Übungen in den USA und beim Einsatz in Afghanistan beschwerten sich eine ganze Reihe von Piloten über Nacken- und Kopfschmerzen durch die ergonomisch belastende Konstruktion des Helmes. Im Flug wirkt sich dies auf die Konzentration und den Orientierungssinn der Piloten negativ aus. Viele von ihnen meldeten sich wegen der hohen Beanspruchung der Nackenmuskulatur krank.

Lösung? Unbekannt!

Besonders betroffen davon ist derjenige der beiden Piloten, der nicht fliegt, sondern die Instrumente beobachten muss. Er bewegt den Kopf mit dem viel zu schweren Helm häufig nach oben oder unten und bekommt es folglich früher mit Nackenproblemen zu tun. Die Prüfer von KPMG kritisieren, dass "die Einsatzdauer der Piloten signifikant begrenzt" wird. Sie mahnen an, dass "nicht bekannt" sei, ob es für das Problem überhaupt schon eine Lösung gibt.

Das gleiche gilt für eine ganze Reihe anderer Mängel, die am NH90 entdeckt wurden. Der SPIEGEL berichtet in seiner aktuellen Ausgabe von einem dramatischen Zwischenfall, bei dem auf einem Flug in Afghanistan eines der beiden Triebwerke zerbarst und der Hubschrauber nur mit viel Glück notgelandet werden konnte. Auch ungelöst ist großflächige Korrosion an tragenden Teilen des Hubschraubers.

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