Bundeswehr Scharping will Wehrpflicht für Verheiratete abschaffen

Ehemänner müssen möglicherweise bald nicht mehr zur Bundeswehr. Das Verteidigungsministerium prüft derzeit eine entsprechende Regelung, die auch für Homosexuelle in eingetragenen Partnerschaften gelten könnte.


Müssen Verheiratete nicht mehr zum Wehrdienst?
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Müssen Verheiratete nicht mehr zum Wehrdienst?

Berlin - Sollte die Wehrpflicht künftig nicht mehr für Verheiratete gelten, würden im Jahr etwa 1500 Männer weniger eingezogen als bisher. Damit werde die Wehrgerechtigkeit gewahrt, hieß es im Verteidigungsministerium. Die Regelung könne frühestens von 2002 an greifen.

Auch Homosexuelle in eingetragener Partnerschaft könnten von der Regelung profitieren. Als Voraussetzung für eine Überprüfung, ob auch auf sie verzichtet wird, nannte das Ministerium aber, dass das Gesetz zur Gleichstellung homosexueller Lebensgemeinschaften in Kraft tritt.

Bislang werden Familienväter nicht einberufen - es sei denn sie bestehen darauf. Der Anteil von wehrpflichtigen Männern, die bereits jung verheiratet sind und Kinder haben, ist allerdings äußerst gering. Es wird nun nicht mit einem sprunghaften Anstieg von Eheschließungen junger Männer gerechnet, die den Wehrdienst umgehen wollen.

Verteidigungsminister Rudolf Scharping plant mit der Bundeswehrreform, die Zahl der Grundwehrdienstleistenden von derzeit 105.000 auf 53.000 bis zum Jahr 2010 abzubauen. Ministeriumssprecher Detlef Puhl sagte am Montag, es würden sämtliche Optionen geprüft, "um eine möglichst hohe Wehrgerechtigkeit sicher zu stellen". Die neuen Überlegungen wurden vom Deutschen Bundeswehr-Verband, von der CDU und der FDP kritisiert.

Der verteidigungspolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, Paul Breuer, sprach von untauglichem Stückwerk. Die Pläne riefen auch andere Gruppen auf den Plan. Wehrgerechtigkeit sei so nicht zu halten. Der sicherheitspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Günther Nolting, erklärte: "Eine Wehrpflicht nach Belieben darf es nicht geben." Damit werde einer "Willkür-Wehrpflicht Vorschub geleistet".

Auch der Vorsitzende des Deutschen Bundeswehr-Verbandes, Bernhard Gertz, kritisierte: "Hier wird mit der Wehrgerechtigkeit getrickst." Die Zahl der Wehrdienstleistenden solle künstlich verringert werden, sagte Gertz dem Rundfunksender berlin aktuell 93,6. Bislang definiere sich die Wehrgerechtigkeit in der gleichmäßigen Belastung aller Betroffenen. Mit dem neuen Modell könnte diese Definition nicht mehr aufrecht erhalten werden. Das würde in absehbarer Zeit das Ende der Wehrpflicht bedeuten.



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