Verteidigungsministerin von der Leyen Schwule Soldaten erlitten "erhebliche Nachteile"

Homosexuelle wurden in der Bundeswehr jahrzehntelang diskriminiert. Nach SPIEGEL-Informationen durften sie bis zum Jahr 2000 weder Berufssoldaten noch Ausbilder werden.
Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen

Foto: Wolfgang Kumm/ dpa

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat ihre Amtsvorgänger wegen der Diskriminierung von Homosexuellen durch die Bundeswehr scharf kritisiert. Schwule Soldaten seien jahrzehntelang "erheblich" benachteiligt worden, heißt es in einem vertraulichen Papier, das dem SPIEGEL vorliegt.

(Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

Die Streitkräfte hätten ihnen "Berufswege verstellt" und Karrieren "verhindert". Diskriminierung sei "im Personalmanagement der Bundeswehr" Realität gewesen.

Bis 1969 wurden homosexuelle Männer generell strafverfolgt. In der Bundeswehr galten sie laut einer "Zentralen Dienstvorschrift" aus der Zeit Helmut Schmidts (1969 bis 1972) auch danach als "Sicherheitsrisiken". Bis 1984 wurden sie ausgemustert oder entlassen. Noch bis zum Jahr 2000 durften sie nicht Berufssoldaten werden und weder als Vorgesetzte noch als Ausbilder tätig sein.

Justizminister Heiko Maas (SPD) will verurteilte Homosexuelle rehabilitieren und hat alle Ressorts um Stellungnahme gebeten. Das Verteidigungsministerium äußert sich nicht dazu, ob es die Kritik am eigenen Haus an Maas geschickt hat. Es bestätigt aber, dass "homosexuelle Angehörige der Bundeswehr bis in die späten Neunzigerjahre zum Teil erhebliche Laufbahn- und Verwendungsnachteile erlitten". Die Rechtsprechung insbesondere des Bundesverwaltungsgerichts habe "das Vorgehen bestätigt".

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