Rechtsextremer Oberleutnant Franco A. hortete 1000 Schuss Munition

Die Ermittlungen gegen den Soldaten Franco A. fördern bedrohliche Details zutage. Der Soldat stahl rund 1000 Schuss Munition. Ministerin von der Leyen ordnete Ermittlungen gegen seine Vorgesetzten an.
Bundeswehrsoldaten

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Foto: Stefan Sauer/ dpa

Der festgenommene Bundeswehrsoldat Franco A. hat vor seiner Festnahme ein riesiges Munitionslager mit gestohlenem Bundeswehrmaterial angelegt. Das Verteidigungsressort unterrichtete am Donnerstag den Bundestag, bei seinem mutmaßlichen Komplizen, dem ebenfalls festgenommenen Matthias F., seien in Offenbach rund 1000 Schuss Gewehr- und Pistolenmunition gefunden worden.

Mittlerweile hat die Bundeswehr  recherchiert, dass gut 90 Prozent der Munition aus Beständen der Truppe stammen. Ebenso wurden gravierende Unregelmäßigkeiten in den Protokollen von Schießübungen gefunden, die A. in seiner Zeit in der Kaserne in Illkirch leitete. Deswegen ist sich die Bundeswehr sicher, dass er immer wieder kleinere Mengen Munition abzweigte und bei Matthias F. einlagerte.

Insider sprechen von Munitionslager

Die gestohlene Munition ist nach Angaben der Bundeswehr sowohl für die Sturmgewehre G36, G3 und die Truppenpistole P8 geeignet. Bei der Durchsuchung der Wohnung von F. sei allerdings keine Waffe, aber anderes Bundeswehrmaterial wie Leucht- und Nebelmunition und Teile sowie Zünder für Handgranaten sowie Munitionskisten gefunden worden. Insider sprechen von einem regelrechten Munitionslager.

Im Video: Ministerin von der Leyen zum Bundeswehrskandal

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Die neuen Erkenntnisse untermauern den Verdacht, dass Franco A. wirklich bewaffnete Anschläge plante, deswegen wurde er vor gut einer Woche bei einer Einzelkämpferausbildung in Hammelburg festgenommen, auch der mutmaßliche Komplize Matthias F. wurde festgenommen. Bisher schweigt Franco A. zu den Vorwürfen.

Im Ministerium herrscht wegen des Umgangs mit Franco A. hektische Krisenstimmung. In seinen gut acht Jahren bei der Bundeswehr war er nie wegen seiner stramm rechten Gesinnung, für die er laut den Ermittlungen auch Gewalt einsetzen wollte, sanktioniert worden. Selbst als er an einer französischen Militäruniversität eine eindeutig rassistische Masterarbeit abgab, kehrten seine Vorgesetzten den Vorfall unter den Teppich.

Vorgesetze gaben Franco A. zweite Chance

Ministerin Ursula von der Leyen hat deswegen jetzt Ermittlungen gegen den damaligen Vorgesetzten, einen Rechtsberater und den Chef des zuständigen Streitkräfteamts angeordnet. Alle drei hatten die Arbeit gelesen, ihnen lag sogar ein wissenschaftliches Gutachten vor, dass das krude Machwerk als eindeutig rassistisch und rechtsextrem einschätzte. Trotzdem gaben sie A. eine zweite Chance und machten nicht mal einen Eintrag in die Personalakte.

Aus Sicht des Ministeriums haben alle drei damit gegen geltende Dienstvorschriften verstoßen, die eine Meldung an den Truppen-Geheimdienst MAD in solchen Fällen zwingend vorsieht. Generalinspekteur Volker Wieker sagte dazu, sowohl bei den Vorgesetzten, vor allem aber beim Streikräfteamt hätten "alle Alarmglocken" schrillen müssen. Stattdessen aber machte A. weiter Karriere in der Truppe.

Formal geht es bisher nur um sogenannte Verwaltungsermittlungen, im Ministerium ist man sich allerdings recht sicher, dass daraus ein Disziplinarfall wird. Allen voran der Chef des Streitkräfteamts, Generalmajor Werner Weisenburger, wird seinen Posten wohl in keinem Fall behalten, auch sein damaliger Rechtsberater H. steht wegen der Affäre vor harten Zeiten.

Mit den Ermittlungen will von der Leyen beweisen, dass sie in der Affäre hart durchgreift, denn diese beschädigt sie selbst massiv. Aus der Truppe war sie wie nie zuvor kritisiert worden, nachdem sie im Fernsehen der ganzen Bundeswehr ein Führungs- und Haltungsproblem attestiert hatte. Danach war sie selbst ins Kreuzfeuer geraten, da sich viele in der Truppe pauschal verurteilt sahen.

Grüne wollen von der Leyen in Sondersitzung befragen

Am Donnerstag trommelte die Ministerin rund 100 Führungskräfte, darunter reichlich Generäle zusammen, um über die Folgen des Falls für die Bundeswehr zu beraten. Laut Teilnehmern ging es dabei konstruktiv zu, allerdings machte von der Leyen auch schon zu Beginn klar, dass der Großteil der Truppe sich nicht von ihren Äußerungen getroffen fühlen müsste, da sie tadellos ihren Dienst verrichte.

Von der Leyen bleibt in der Angelegenheit politisch unter Druck. Die Opposition will sie nächste Woche in einer Sondersitzung des Verteidigungsausschusses befragen. Bisher aber sperrt sich die CDU dagegen, sie will die Ministerin nicht erneut einer Art Vernehmung aussetzen, die weiter ins Zentrum der Affäre rückt.

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