»Therapiegruppe Rune« Bundeswehrsoldaten tauschten Hitler-Bilder auf WhatsApp aus

Mit Durchsuchungen gehen die Sicherheitsbehörden gegen eine Gruppe von mutmaßlich rechtsextremen Bundeswehrsoldaten vor. Auslöser waren Hinweise, dass sich die Kameraden illegal Waffen beschaffen wollten.
Bundeswehrsoldaten bei der Ausbildung (Archivbild)

Bundeswehrsoldaten bei der Ausbildung (Archivbild)

Foto: MICHELE TANTUSSI / REUTERS

Die Sicherheitsbehörden haben nach SPIEGEL-Informationen eine Gruppe von mutmaßlich rechtsextremen Soldaten aufgedeckt, die in Chatgruppen verfassungsfeindliche Inhalte wie Hitler-Bilder und andere Nazisymbole geteilt haben sollen. Nach Hinweisen, dass sich die Soldaten illegal Waffen beschaffen wollten, schlugen die Fahnder jetzt zu.

Bereits am Dienstag durchsuchten Ermittler in Hessen, Niedersachsen und Baden-Württemberg die Wohnungen von drei Soldaten. Auch in der Bundeswehr-Kaserne Pfullendorf wurden die Fahnder vorstellig, dort filzten sie den Dienstsitz eines dort stationierten Stabsgefreiten. Bei einem weiteren Hauptgefreiten aus Pfullendorf wurde ebenfalls nach möglichen Beweisen gesucht.

Bei den Durchsuchungen wurden meist Kommunikationsmittel sichergestellt. Bei dem in Pfullendorf stationierten Stabsgefreiten wurde jedoch auch eine Kurzwaffe gefunden. Dabei soll es sich um eine sogenannte Deko-Waffe handeln, die der Soldat legal besaß. Trotzdem wird die Waffe des Mittzwanzigers untersucht, da man die legalen Deko-Waffen leicht wieder scharf machen kann.

Bereits im Februar entdeckten die Fahnder ein Waffenlager

Der dritte Bundeswehrsoldat unter Verdacht ist ein Obergefreiter aus Niedersachsen, der als Objektschützer bei der Luftwaffe eingesetzt ist. Auch bei ihm wurde die Wohnung durchsucht. Neben den Bundeswehrsoldaten stehen auch mehrere Zivilpersonen wegen der Teilnahme an den Chatgruppen im Visier der Behörden.

Auslöser der Ermittlungen war die Festnahme eines Bundeswehrsoldaten im Februar dieses Jahres. Bei dem ebenfalls in Pfullendorf stationierten Soldaten Tim F., seinem Bruder und deren Vater fand man sowohl mehrere Pistolen und Gewehre, ebenso Granaten, Stabbrandbomben, Zünder und allerlei Munition. Ein Großteil des Waffenlagers soll aus Ex-Jugoslawien oder dem Zweiten Weltkrieg stammen.

Dass es sich bei Tim F. um einen Rechtsextremisten handelt, geht recht klar aus einem Manifest hervor, dass die Ermittler in einer Sporttasche bei seiner Freundin fanden. In dem Traktat mit dem Titel »Wie man die Macht in Deutschland übernehmen könnte« fabulierte der Soldat ganz offen über den gewaltsamen Sturz der Bundesregierung und einen Sturm auf den Bundestag.

Verdächtige Briefe aus der U-Haft

Die Bundeswehr hat Tim F. wegen der Hinweise auf fehlende Verfassungstreue bereits Mitte April aus der Truppe entlassen, er sitzt weiter in Untersuchungshaft. Von dort hat er Briefe an Freunde geschrieben, die nach Angaben von Ermittlern seine rechtsextreme Einstellung bestätigen.

Nach der Razzia bei Tim F. in Hessen ermittelte die Polizei intensiv weiter. Auf dem Handy des Soldaten fand man schließlich in WhatsApp-Chats Hinweise auf weitere Kameraden, welche die rechtsextreme Haltung von F. offenkundig teilten.

Schon die Namen der entsprechenden Chatgruppen sind recht eindeutig. Eine hieß »Bund der Nationalisten Deutschlands«, die andere »Therapiegruppe Rune«.

Soldaten wollten sich offenbar eine »Skorpion«-MP beschaffen

Über die Gruppen sollen die Soldaten sowohl Nazipropaganda wie Hitler-Bilder aber auch gewaltverherrlichende und ausländerfeindliche Witze ausgetauscht haben. Nachdem in einem der Chats Hinweise gefunden wurden, dass man sich eine »Skorpion«-Maschinenpistole beschaffen wollte, entschlossen sich die Fahnder zu den Durchsuchungen.

Die Bundeswehr wollte die Details über die neuen Ermittlungen nicht kommentieren und verwies auf die zivilen Ermittlungsbehörden. »Wir kooperieren eng mit den Sicherheitsbehörden, da wir bei der Bundeswehr bei Rechtsextremismus eine strikte Null-Toleranz-Linie fahren«, sagte ein Sprecher.

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main bestätigte weitere Ermittlungen im Umfeld von Tim F., aus ermittlungstaktischen Gründen wollte eine Sprecherin aber keine Einzelheiten nennen.

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