Verspätung von KSK-Helikoptern Elitekämpfer am Boden

Schnell, lautlos und überraschend soll das Kommando Spezialkräfte der Bundeswehr hinter feindlichen Linien kämpfen. Doch dringend nötige neue Hubschrauber stehen erst in frühestens drei Jahren zur Verfügung. Dem Verteidigungsministerium droht deshalb Zoff mit der FDP.

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Berlin - Das Kommando Spezialkräfte (KSK) muss noch mehrere Jahre auf neue Hubschraubertypen für schnelle und unauffällige Zugriffe aus der Luft warten. Zwar räumt das Verteidigungsressort von Minister Thomas de Maizière (CDU) in einem geheimen Bericht über die Ausrüstung des KSK eine "Fähigkeitslücke" beim Lufttransport der Elitekämpfer "bei Nacht und unter Bedrohung" ein. Für September 2012 ist auch eine Entscheidung über die Beschaffung von 15 neuen Helikoptern angekündigt.

Trotzdem sei selbst bei einem positiven Votum für den Kauf des neuen Geräts für die Elitekrieger "mit dem Beginn des Zulaufs der Hubschrauber nicht vor 2015 zu rechnen", heißt es in einem SPIEGEL ONLINE vorliegenden Papier von Anfang Juli. In einem weiteren Dossier, das einige Tage später verfasst wurde, spricht das Ministerium sogar vom Jahr 2016. Ohne die neuen Helikopter jedoch, so jedenfalls die Einschätzung von KSK-Insidern und Verteidigungspolitikern, ist die Eliteeinheit für die kommenden Jahre nur sehr bedingt einsatzfähig.

Die Ausrüstung des KSK wird seit mehreren Monaten hinter den Kulissen intensiv diskutiert. Die streng geheim agierende Truppe wurde vor allem für die Rettung von Deutschen im Ausland, dem Schutz von Bundeswehreinheiten und der Aufklärung des Feindes in Krisenländern wie Afghanistan, dem Einsatz hinter feindlichen Linien und der Abwehr von terroristischen Bedrohungen aufgestellt. Dazu, so ein vertrauliches Papier der Bundeswehr, benötige die im baden-württembergischen Calw stationierte Eliteeinheit "stets modernste Ausrüstung und eine ständige Anpassung" an die aktuelle Lage.

KSK muss am Boden bleiben

Bei der Frage der neuen Helikopter aber agiert das Ministerium eher langsam. Derzeit muss das KSK beim Dauereinsatz in Afghanistan wegen des Mangels an Hubschraubern fast ausschließlich mit Fahrzeugen operieren. Die amerikanischen Special Forces hingegen setzen wegen des Überraschungseffekts und ihrer eigenen Sicherheit bei 95 Prozent der Einsätze auf Helikopter vom Typ Blackhawk, Chinook oder Little Bird. Am Hindukusch klären die KSK-Einheiten Taliban-Aktivitäten auf und schützen die Bundeswehr-Camps vor Angriffen.

Bereits im November 2011 beschloss der Verteidigungsausschuss deswegen eine schnelle Beschaffung von neuen sogenannten Light Utility Helicopter (LUH) für die Kommandosoldaten. Auch im Haushaltsausschuss gibt es eine Mehrheit für die Bewilligung der Mittel. In dem Beschluss wird auch auf Bündnisverpflichtungen hingewiesen, da Deutschland der Nato versichert hat, ab 2013 an internationalen Einsätzen von Spezialkräften teilzunehmen. Solche Missionen jedoch setzen einen eigenen Lufttransport voraus, so der Beschluss.

Lange Prüfung im Ressort steht bevor

Derzeit verfügt das KSK lediglich über eine kleine Flotte von Kleinhelikoptern des Typs BO-105, der jedoch recht alt und zudem für Einsätze in heißen Regionen wie Afghanistan nicht geeignet ist. Aus Sicht der Führung des KSK braucht die Truppe jedoch für Operationen in Häuserschluchten von Großstädten oder die Befreiung deutscher Staatsbürger in anderen Weltregionen schnell einen Ersatz für den Kleinhelikopter. Geeignete Modelle gibt es auf dem Markt, trotzdem setzt das Wehrressort auf eine langwierige Prüfung, welcher Helikopter am besten zum KSK passt.

Die zögernde Haltung des Verteidigungsressorts könnte gar einen Koalitionskrach provozieren. Die FDP-Verteidigungsexpertin Elke Hoff wähnt bei einer Beschaffung erst in mehreren Jahren bereits jetzt "den Schutz der eigenen Soldaten in Afghanistan und die Bündnisfähigkeit der Bundeswehr in ernster Gefahr". Bei der nächsten Sitzung des Verteidigungsausschusses will sie Minister de Maizière drängen, beim Kauf der neuen Helikopter endlich Tempo zu machen.



insgesamt 111 Beiträge
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Seite 1
meging 22.08.2012
1.
Zitat von sysopDPASchnell, lautlos und überraschend soll das Kommando Spezialkräfte der Bundeswehr hinter feindlichen Linien kämpfen. Dringend nötige neue Hubschrauber stehen aber erst in frühestens drei Jahren zur Verfügung. Dem Verteidigungsministerium droht deshalb Zoff mit der FDP. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,851364,00.html
Mir ist nicht ganz klar, wie man in einem asymetrischem Krieg "hinter feindlichen Linien" operiert?!
ziegenzuechter 22.08.2012
2. wie
wir vor kurzem gelernt haben, liegt die zukunft, der bundeswehr im innern. in deutschland ist es nicht so heiss wie in afghanistan. also brauchen wir auch keine speziellen hubschrauber. schon wieder geld gespart.
Der Meyer Klaus 22.08.2012
3.
Zitat von megingMir ist nicht ganz klar, wie man in einem asymetrischem Krieg "hinter feindlichen Linien" operiert?!
Soll wohl meinen: "In ungesichertem Gebiet".
jh72 22.08.2012
4.
Vielleicht etwas weniger bellizistische Propaganda unreflektiert abschreiben. Dass es nicht an fehlenden Waffent(rägern) liegt, wenn ein sinnloser Krieg nach dem anderen nur bluttriefendes Dauerchaos produziert, sieht man doch an "unseren Verbündeten" mehr als deutlich. Krieg spielen könnt Ihr Waffennarren auch am PC. Das genügt vollkommen.
tea-rex 22.08.2012
5. Ec635
Der funktioniert wenigstens - aber bitte vorher die Personaldecke für die Abnahme und Erprobung bereitstellen - sonst landet der nächste Tiger als Bettvorleger.
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