Geheime Bundeswehrstudie Militärplaner halten Zerfall der EU für denkbar

Erstmals hat die Bundeswehr nach SPIEGEL-Informationen gesellschaftliche und politische Trends bis 2040 durchgespielt. Die Strategen entwickeln dabei auch ein Worst-Case-Szenario.
Hubschrauber der Luftwaffe der Bundeswehr

Hubschrauber der Luftwaffe der Bundeswehr

Foto: Patrick Pleul/ dpa

Die Bundeswehr hält ein Ende des Westens in seiner jetzigen Form in den nächsten Jahrzehnten für möglich. Das geht nach Informationen des SPIEGEL aus der "Strategischen Vorausschau 2040" hervor, die Ende Februar von der Spitze des Verteidigungsministeriums verabschiedet wurde und seitdem unter Verschluss gehalten wird.

In dem 102-Seiten-Dokument spielt die Bundeswehr zum ersten Mal in ihrer Geschichte durch, wie gesellschaftliche Trends und internationale Konflikte die deutsche Sicherheitspolitik in den nächsten Jahrzehnten beeinflussen könnten. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

Die Studie setzt den Rahmen, in dem sich die Bundeswehr der Zukunft vermutlich bewegen wird. Konkrete Schlussfolgerungen für Ausrüstung und Stärke enthält das Papier noch nicht.

In einem der sechs Szenarien ("Die EU im Zerfall und Deutschland im reaktiven Modus") gehen die Autoren von einer "multiplen Konfrontation" aus. Die Zukunftsprojektion beschreibt eine Welt, in der die internationale Ordnung nach "Dekaden der Instabilität" erodiert, die Wertesysteme weltweit auseinanderdriften und die Globalisierung gestoppt ist.

"Die EU-Erweiterung ist weitgehend aufgegeben, weitere Staaten haben die Gemeinschaft verlassen. Europa hat seine globale Wettbewerbsfähigkeit verloren", schreiben die Bundeswehrstrategen: "Die zunehmend ungeordnete, zum Teil chaotische und konfliktträchtige Welt hat das sicherheitspolitische Umfeld Deutschlands und Europas dramatisch verändert."

Im fünften Szenario ("Westen gegen Osten") frieren einige östliche EU-Staaten den Stand der europäischen Integration ein, während sich andere "dem östlichen Block angeschlossen" haben. Im vierten Szenario ("Multipolarer Wettbewerb") ist der Extremismus auf dem Vormarsch, und es gibt EU-Partner, die "sogar gelegentlich eine spezifische Annäherung an das 'staatskapitalistische Modell' Russlands" zu suchen scheinen.

Das Dokument gibt ausdrücklich keine Prognose ab, aber alle Szenarios seien "mit dem Zeithorizont 2040 plausibel", schreiben die Autoren. Die Simulationen wurden von Wissenschaftlern des Bundeswehrplanungsamtes erarbeitet.

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