Für Wehrübung Grünen-Politiker Lindner nimmt Kriegsdienstverweigerung zurück

Gewissensgründe würden ihn "nicht mehr daran hindern, in der Bundeswehr zu dienen". Grünen-Politiker Lindner hatte einst den Wehrdienst verweigert. Das hat er jetzt rückgängig gemacht - für eine Wehrübung.

Tobias Lindner (r.) neben Cem Özdemir: "Soldat und Grüner - das geht und das gibt's."
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Tobias Lindner (r.) neben Cem Özdemir: "Soldat und Grüner - das geht und das gibt's."


Der Grünen-Verteidigungspolitiker Tobias Lindner hat seine Kriegsdienstverweigerung zurückgenommen, um an einer Wehrübung der Bundeswehr für Bundestagsabgeordnete teilnehmen zu können.

Als Mitglied des Verteidigungsausschusses habe er sein Bild von der Bundeswehr "von innen komplettieren" wollen, sagte der 37-Jährige der "Welt". Deshalb habe er dem Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben in Köln schriftlich mitgeteilt, dass ihn "Gewissensgründe nicht mehr daran hindern, in der Bundeswehr zu dienen".

Lindner hatte 2001 Zivildienst geleistet. 2011 wurde die Wehrpflicht in Deutschland dann ausgesetzt. Während der fünftägigen Wehrübung wurde Lindner dem Bericht zufolge der vorübergehende Dienstgrad eines Oberleutnants verliehen.

Von der Bundeswehr sei er mit Interesse aufgenommen worden, sagte der Politiker. Es gebe mittlerweile "immer mehr Soldaten, die Grünen-Anhänger sind oder gar Parteimitglied - die sich allerdings meist nur mir gegenüber outen und noch eine gewisse Scheu haben, das offen in der Truppe zu kommunizieren. Aber glauben Sie mir: Soldat und Grüner, das geht und das gibt's."

aev/dpa

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insgesamt 107 Beiträge
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ManRai 27.06.2019
1. natürlich im Sommer
während meiner Zeit bei der BW auch einen Winter hatte - und da haben wir oft nicht mehr gelächelt. Schwachsinnig Werbeaktion
timtom2222 27.06.2019
2.
Als Wähler von Bündnis 90 Die Grünen kann ich diesen Schritt leider nicht nachvollziehen!
mueller1 27.06.2019
3. Wendehals oder tatsächliche Meinungsänderung?
Leider geht aus dem Artikel nicht hervor, ob es sich bei Christian Lindner um eine tatsächliche Änderung seiner Einstellung gegenüber der Bundeswehr handelt oder nur ein Anwanzen an den Zeitgeist: Militäreinsatz statt Krieg
ahloui 27.06.2019
4. Kann mir mal jemand erklären,
warum Herr Lindner, als völlig unausgebildeter "Soldat", den Rang eines Oberleutnants erhält?
motoko_kusanagi 27.06.2019
5. Warum
der Grünen-Verteidigungspolitiker Tobias Lindner sich gerade gegenüber der "Welt" offenbaren meinen zu müssen erschließt sich mir nicht so wirklich. Dennoch macht seine Entscheidung durchaus Sinn. Natürlich direkt - wenn man sich "Verteidigung" als Thema sucht und agiert, sollte mensch entsprechend die materie auch von innen her kennen. Soweit klar. Es geht - im allgemeinen - noch darüber hinaus: In einer Zeit, wo sich Rechtsextreme in der Bundeswehr rühren (wenn es jemals anders war), ist es durchaus im Sinne des Verfassungspatriotismus nützlich auch als Grüner oder Linker beim Bund zu "dienen", nämlich auch dort gegen rechte Untriebe Zivilcourage zu zeigen. Wenn fortschrittlich gesinnte Menschen die Bundeswehr und die Polizei meiden, entsteht ein strukturelles Vakuum für rechts-affinierte Menschen eben dort sich auszubreiten. Leider habe ich das damals nicht verstanden und den Wehrdienst verweigert ...
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