Tödlicher Marsch in Munster Strafbefehl gegen Bundeswehr-Ausbilderin

Wegen des fatalen Marschs von Offizieranwärtern in Munster musste sich eine beteiligte Ausbilderin verantworten. Nach Meinung der Staatsanwaltschaft hat sie sich der fahrlässigen Körperverletzung schuldig gemacht.

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Der tödliche Marsch von Offizieranwärtern in der niedersächsischen Kaserne Munster im Juli 2017 hat erste juristische Folgen. Nach SPIEGEL-Informationen erließ das Amtsgericht Soltau in den vergangenen Tagen einen Strafbefehl gegen eine der beteiligten Ausbilderinnen wegen fahrlässiger Körperverletzung. Der Strafbefehl ist mit einer Geldstrafe von mehreren Tausend Euro verbunden.

Bei dem Marsch bei hohen Temperaturen waren im Juli 2017 nacheinander vier Soldaten zusammengebrochen. Einer von ihnen, der junge Schütze Jonas K., verstarb einige Tage später an den Folgen eines Hitzschlags. Ein weiterer Soldat kämpft noch heute mit den Folgen des Gewaltmarsches. Zwei weitere Geschädigte mussten lange Zeit in der Reha verbringen.

Im Fall des verstorbenen Soldaten Jonas K. allerdings hat die Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung bereits eingestellt, da ein rechtsmedizinisches Gutachten festgestellt hatte, dass der Tod des jungen Mannes nicht vorhersehbar war. Er war schon zu Beginn des Marsches kollabiert, erlitt einen Hitzschlag und verstarb später an multiplem Organversagen.

Aufstehen, weiterlaufen!

Die Ausbilderin hatte allerdings zudem im weiteren Verlauf des Marsches einen anderen Soldaten immer wieder aufgefordert, aufzustehen und weiterzulaufen, obwohl dieser nicht mehr konnte. Die Staatsanwaltschaft sieht den Tatbestand der fahrlässigen Körperverletzung erfüllt, da die Ausbilderin um den körperlichen Zustand ihres Untergebenen wusste.

Ähnlich hatten zuvor auch die Rechtsmediziner geurteilt. Die erhebliche körperliche Schädigung und die Krankenhausaufenthalte der später während des Marsches kollabierten Offizieranwärter "hätten vermieden werden können", schreiben sie. Der Tod des jungen Schützen indes war aus ihrer Sicht nicht vorhersehbar.

Die Soldatin im Rang eines Hauptfeldwebels kann nun entweder den Strafbefehl akzeptieren oder auf eine Klärung der Vorwürfe vor einem Gericht setzen. Später würden sich dann vermutlich auch noch Disziplinarmaßnahmen der Bundeswehr anschließen.

Das Heer hatte nach dem Marsch eine ganze Reihe von Verfehlungen der Ausbilder bei dem Marsch festgestellt. Zum einen sei trotz der Hitze die volle Montur mit schusssicherer Weste angelegt worden, zudem mussten die Offizieranwärter mehrmals Strafrunden drehen, wenn Kameraden zusammengebrochen waren.



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