Rüstung Frankreich und Deutschland streiten über Kampfjet

Die Bundeswehr plant, in den USA Kampfjets als Ersatz für die altersschwachen "Tornados" einzukaufen. Nach SPIEGEL-Informationen will Paris das verhindern.

Bundeswehrsoldaten vor einem "Tornado"-Jet (in Jordanien): Welches Modell wird der Nachfolger?
Michael Kappeler/ DPA

Bundeswehrsoldaten vor einem "Tornado"-Jet (in Jordanien): Welches Modell wird der Nachfolger?


Es ist die wohl finanziell folgenreichste Entscheidung, die Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer im kommenden Jahr treffen will: Die Auswahl eines Ersatzes für die in die Jahre gekommenen "Tornado"-Jets.

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Heft 49/2019
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Derzeit sieht es danach aus, als würden ihre Generäle beim Kauf von rund 90 neuen Maschinen auch in den USA zuschlagen wollen. Doch das löst nach Informationen des SPIEGEL Verstimmung zwischen der französischen Regierung und Berlin aus.

Denn die Auswahl hätte Folgen für die Entwicklung des gemeinsamen Kampfjets der sechsten Generation (FCAS). Entzündet hat sich der Streit an Planungen des deutschen Verteidigungsministeriums, für die Nachfolge des Kampfflugzeugs "Tornado" neben rund 40 "Eurofighter"-Jets auch amerikanische Flieger vom Typ F-18 "Growler" zu bestellen. Diese sind spezialisiert auf elektronische Kampfführung.

Franzosen fürchten Rückschlag für deutsch-französische Rüstungsindustrie

Die Franzosen indes beharren auf dem ursprünglichen Konzept, wonach der Airbus-Konzern der Luftwaffe eine komplette "Eurofighter"-Flotte liefern und diese mit einem entsprechenden System zur elektronischen Kampfführung ausstatten sollte. Paris argumentiert, die Entwicklung der Technik sei ein zentraler Baustein für das künftige FCAS-System, das Airbus gemeinsam mit dem französischen Rüstungskonzern Dassault bis 2040 bauen soll. Für den Aufbau einer deutsch-französischen Rüstungsindustrie wäre es daher aus französischer Sicht ein Rückschlag, wenn dieses System nicht in Europa entwickelt, sondern von den Amerikanern eingekauft würde.

Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer will Anfang kommenden Jahres über die "Tornado"-Nachfolge entscheiden. Sie steckt dabei aber in einem Dilemma. Als Ersatz für die Tornado-Maschinen braucht sie schnell einen Jet, der auch die in Deutschland stationierten B61-Atombomben tragen kann.

Die Atombomben gehören der US-Armee. Die Bundeswehr hat sich aber im Rahmen der sogenannten Nuklearen Teilhabe dazu verpflichtet, sie im Verteidigungsfall mit Kampfflugzeugen zum Ziel zu transportieren. Dafür ausgelegt und zertifiziert sind derzeit lediglich die Tornados.

Die US-Behörden dürften die Zertifizierung des "Eurofighter" dafür blockieren. Begleitet werden müssten die Maschinen zudem von Jets wie dem "Growler", die das gegnerische Radar lahmlegen. Der Strategiechef von Airbus Defence, Antoine Noguier, wirbt dennoch für eine europäische Lösung: "Ein US-Kampfflugzeug könnte das FCAS-Projekt gefährden", sagte der Ex-General der französischen Armee dem SPIEGEL.

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mgb/gt

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insgesamt 252 Beiträge
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radioactiveman80 29.11.2019
1. Das übliche Geschacher
Die Amerikaner erzeugen Druck mit der B-61 - Zertifizierung, und Airbus erzeigt Druck mit FCAS und Arbeitsplätzen. Leidtragender ist die Luftwaffe die bis heute nicht weiss auf welches Muster sie planen kann.
BoMbY 29.11.2019
2. Weil wir müssen ja drigend Atombomben abwerfen.
Atombomben über welche wir laut 2+4 Vertrag niemals die Verfügungsgewalt erlangen dürfen.
graf koks 29.11.2019
3.
Kann man den USA einen Wunsch abschlagen? Und ausgerechnet AKK?
toranaga747 29.11.2019
4. Kauft besser bei den Amis...
......die fliegen wenigstens.
jujo 29.11.2019
5. ...
Trump wird es freuen, vielleicht ist eine Absichtserklärung ausreichend um ihn bis zu seinem Abgang ruhigzustellen, NATO Beiträge und northstream betreffend.
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