Arbeitgeber Bundeswehr Kita-Not bei den Streitkräften

Verteidigungsminister de Maizière arbeitet an einer modernen Bundeswehr - dazu gehören auch Kitas für Soldatenkinder. Doch mehr Familienfreundlichkeit droht an der Bürokratie zu scheitern. Die Truppe scheint mit den Anforderungen der Arbeitswelt überfordert zu sein.
Bundeswehrsoldaten in der Knüll-Kaserne: Lassen sich Dienst und Familie vereinbaren?

Bundeswehrsoldaten in der Knüll-Kaserne: Lassen sich Dienst und Familie vereinbaren?

Foto: dapd

Berlin - Der Spielplatz von Josephine gehört zu den sichersten der Republik. Er befindet sich auf dem Gelände des Militärischen Abschirmdienstes in Kiel. Wenn die Einjährige nach dem Toben wieder ins Warme möchte, geht sie, an der Hand einer Betreuerin, durch eine Eisentür mit der Aufschrift "Sperrzone - restricted area".

Josephine gehört zu den Kieler Fördewichteln, einer Einrichtung, in der die Kleinsten Klettergerüste erkunden, während im Nachbarhaus die Großen die Spionageabwehr für das Militär organisieren. Beide Eltern sind Soldaten, der Vater arbeitet als Pilot im Einsatzgeschwader, die Mutter als Oberstabsärztin.

Ein modernes Bundeswehrpaar also, beide 36 Jahre alt, mehrere Afghanistan-Einsätze, aber mit dem Anspruch der modernen Familie. "Ich wollte nach der Geburt schnell wieder zurück in den Dienst", sagt die Mutter, Nadine Mandau.

Solche Konstellationen stellen die Bundeswehr vor ein neues Problem: Die Truppe ist mit Tausenden Soldaten in Afghanistan im Einsatz, aber sie findet keine Antwort darauf, wie junge Paare Kind und Dienst verbinden können.

Wenn am Dienstag der Wehrbeauftragte Hellmut Königshaus seinen Jahresbericht vorstellt, wird das Thema ein Schwerpunkt sein. Denn mittlerweile ist nicht mehr mangelhafte Munition oder fehlende Ausrüstung das wichtigste Problem vieler Soldaten, sondern die mangelnde Familienfreundlichkeit im Militär. Denn Einrichtungen wie die Fördewichtel sind eine echte Rarität.

Auf der Bonner Hardthöhe und im Berliner Bendlerblock schwant den Beamten seit einiger Zeit, dass sich etwas tun muss, aber man kommt nicht recht voran. Selbst dem Parlamentarischen Staatssekretär Thomas Kossendey war die Situation Ende vergangenen Jahres unangenehm, als er den Mangel vor dem Verteidigungsausschuss erklären musste. "Es ist ein langwieriges Bohren dicker Bretter mit sehr viel Bürokratie", sagte Kossendey, "das ist nicht ganz leicht." Dabei ist er selbst Teil der Bürokratie.

Bei Kinderbetreuung bislang nur Pilotprojekte

Noch gibt es in Sachen Kinderbetreuung kaum mehr als einzelne Pilotprojekte, etwa 15 Prozent des auf mehr als tausend Plätze geschätzten Bedarfs sind mittlerweile Wirklichkeit. "Das Verteidigungsministerium sieht das als Aufgabe der Kommunen an", klagt ein Unionsabgeordneter. "Es geht einen Schritt vor und zwei zurück", sagt SPD-Frau Susanne Kastner, die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses.

Erst für das Jahr 2015 wird damit gerechnet, dass die Bundeswehr in Sachen Kita-Betreuung ein halbwegs ausreichendes Angebot machen kann.

An der Münchner Bundeswehruniversität ist jetzt erst Zeit für den ersten Spatenstich, dabei hätte die neue Kita dort schon fertig sein sollen. "Wir haben ein halbes Jahr mit dem Finanzministerium über die Anzahl der Waschbecken diskutieren müssen", schimpfte Staatssekretär Kossendey vor Parlamentariern über den Fall, "mich ärgert das langsam wirklich."

Für die Bundeswehr, die seit dem Aussetzen der Wehrpflicht mit Unternehmen im verschärften Wettbewerb um die besten Köpfe steht, entwickelt sich die eigene Trägheit zunehmend zu einem Problem.

Bereits im Jahr 2011 veröffentlichte die Truppe ein "Maßnahmenpaket zur Steigerung der Attraktivität des Dienstes". Aber viel mehr als Papier wurde bisher nicht produziert.

Jüngst alarmierte die Truppe zudem erneut die große Zahl Abbrecher beim freiwilligen Wehrdienst. Rund ein Drittel der Schnuppersoldaten hat nach wenigen Monaten genug vom Militär und wendet sich anderen Aufgaben zu. Beim zivilen Freiwilligendienst ist die Quote nur halb so hoch.

Und auch jahrelang tätige Soldaten zweifeln, ob die Bundeswehr das Richtige für sie ist. Oberstabsärztin Mandau will ihren Vertrag jedenfalls nicht verlängern, im kommenden Jahr will die Anästhesistin die Bundeswehr verlassen. Mandau möchte Fachärztin werden, dafür müsste sie bei der Bundeswehr allerdings drei Jahre verlängern - und das hieße eben auch: weitere Auslandseinsätze.

"Das ist nicht attraktiv", sagt sie, "Ich suche mir eine Stelle an einem Krankenhaus hier in Kiel".

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