Rüstungsprojekte Von der Leyen engagiert teure Berater-Armee

Verteidigungsministerin von der Leyen will Rüstungspannen der Bundeswehr wie beim A400M künftig verhindern. Für mehr als 200 Millionen Euro werden statt eigener Experten jetzt externe Berater angeheuert.
Verteidigungsministerin von der Leyen

Verteidigungsministerin von der Leyen

Foto: Michael Kappeler/ dpa

Die Militärchefs hatten am Mittwoch mal wieder schlechte Nachrichten für Ursula von der Leyen. Hinter verschlossenen Türen im Bundestag musste Generalleutnant Benedikt Zimmer der Verteidigungsministerin neue Probleme beim Transportflieger A400M beichten. Der Airbus-Flieger gilt als das Pannenprojekt schlechthin - seit Beginn wurde es immer teurer, bis heute stehen der Bundeswehr drei Maschinen zur Verfügung. Wann die anderen kommen, ist unklar.

Bei einem britischen A400M war kürzlich ein Triebwerk abgeschaltet worden, Techniker entdeckten einen Materialfehler in der Maschine. Aus Sicherheitsgründen wurden danach für die ganze Flotte regelmäßige Inspektionen angeordnet. Davon sind auch die deutschen Maschinen betroffen, deshalb verzögern sich wieder mal das Training und die Inbetriebnahme des Flugzeugs.

Die Verteidigungsministerin möchte, dass sich solche Pannen in Zukunft nicht mehr wiederholen. Kurz nach dem Bericht der Militärs kündigte von der Leyens Ministerium deshalb ebenfalls im Verteidigungsausschuss eine wahre Berater-Invasion an: Für mehr als 200 Millionen Euro sollen in den nächsten drei Jahren externe Experten neue Rüstungsvorhaben vorab überprüfen, Risiken benennen und nur Projekte entwickeln, die auch realisierbar sind.

Maßgeblich vorangetrieben wurde das kostspielige Engagement der Berater durch von der Leyens Staatssekretärin Katrin Suder. In einem Rahmenvertrag sollen für 208 Millionen Euro Tausende Stunden Arbeitsleistung von drei Beratungsagenturen vorab gekauft werden, die dann bei Bedarf für Projekte genutzt werden können. Der Auftrag dürfte auf dem Markt der großen Beratungsunternehmen heiß umkämpft sein.

Entmachtung der hauseigenen Experten

Offiziell bezeichnet die Bundeswehr das Millionenbudget als völlig normale Angelegenheit. "Die Erfahrung zeigt, dass bei großen, komplexen Rüstungsprojekten eine schnell verfügbare und passgenaue Fachexpertise notwendig ist", heißt es auf der Webseite der Truppe. In der freien Wirtschaft seien deswegen solche Rahmenverträge schon lange üblich, zudem habe eine kürzlich erfolgte Wirtschaftsprüfung die Nutzung von externem Sachverstand empfohlen.

In der Diktion von Staatssekretärin Suder, früher selbst beim Beratungsriesen McKinsey aktiv, klingt der Deal bestens. Im Ausschuss rechnete sie vor, dass die 208 Millionen Euro Kosten bei einem Rüstungsbudget von rund 100 Milliarden ja nur fast zu vernachlässigende 0,2 Prozent darstellten. Sie betonte, dass man die Agenturen streng nach Leistung bewerten wolle und nur die effizienten Berater erneut buchen werde.

Tatsächlich aber bedeutet von der Leyens Maßnahme eine kleine Revolution in ihrem Ressort. Bisher war für die Prüfung der Rüstungsprojekte eine eigene Mammutbehörde innerhalb der Bundeswehr zuständig: Das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) mit Sitz in Koblenz. 5000 Mitarbeiter beschäftigen sich dort ausschließlich mit dem Beschaffungswesen der Truppe. Fast für jede Waffengattung gibt es hier Experten.

Genau diese Abteilung will von der Leyen offenbar entmachten. In Zukunft werden die hauseigenen Experten von den externen Beratern wohl schlicht übergangen. Grünen-Haushälter Tobias Lindner kritisierte deswegen das neue Millionenbudget. Wenn es Probleme beim Beschaffungsamt gebe, müsse man die intern lösen, so Lindner. "Mit externen Beratern kuriert man doch nur die Symptome und das auf Kosten der Steuerzahler."