Fotos von Kindern am Gewehr Von der Leyen verbietet "Waffen zum Anfassen"

Bundeswehrsoldaten ließen Kinder mit Gewehren spielen - nach heftiger Kritik schaltet sich nun Ministerin von der Leyen ein: Ab sofort kommen Handfeuerwaffen bei Besuchertagen in Vitrinen.

"Tag der Bundeswehr" in Stetten
DFG-VK

"Tag der Bundeswehr" in Stetten

Von


Ursula von der Leyen hat in die Affäre um Soldaten aus Baden-Württemberg eingegriffen, die kleine Kinder bei einem Besuchertag am vergangenen Wochenende mit Sturmgewehren der Truppe spielen ließen. Am Dienstag ordnete die Ministerin überraschend an, dass ihre Truppe Handfeuerwaffen in Zukunft bei öffentlichen Veranstaltungen nur noch in Vitrinen präsentieren darf.

Die Order zeigt, wie sehr sich von der Leyen über die Bilder von den Kindern mit Bundeswehr-Waffen ärgert. Dem Redaktionsnetzwerk RND sagte die Ministerin, sie habe "entschieden, dass auf künftigen Tagen der Bundeswehr keine Handwaffen zum Anfassen mehr präsentiert werden".

Den betroffenen Soldaten aus dem Standort Stetten attestierte sie Fehlverhalten. "Trotz klarer Vorschriften" sei "ein bedauerlicher Fehler passiert", als die Soldaten kleinen Kindern Sturmgewehre zeigten und sie anlegen und zielen ließen.

Die Bundeswehr ermittelt nach Angaben eines Sprechers weiter gegen die Soldaten, die am Wochenende in Stetten eingesetzt waren. Friedensaktivisten hatten am Montag Bilder vom "Tag der Bundeswehr" veröffentlicht.

Auf ihnen sind Kinder zu sehen, die an Infotischen der Truppe mit einem Schnellfeuergewehr vom Typ MP7 hantieren, teilweise werden sie von einem Soldaten an den Waffen eingewiesen und zielen auf einen Monitor. Zwar handelt es sich bei den Gewehren um gesicherte Waffen ohne Munition, trotzdem sprachen die Friedensaktivisten von einem eindeutigen Tabubruch. Die Bundeswehr habe "Grenzen überschritten".

Mögliche disziplinarische Folgen für die Soldaten

Seit Jahren steht die Truppe in der Kritik, da sie an Schulen und bei Jugendlichen um Rekruten wirbt. Die Bilder der Kinder mit Schnellfeuerwaffen wirken nun, als hätten die Soldaten in Stetten das nötige Augenmaß verloren. Dass die Eltern der Kinder sich auf den Bildern ebenfalls eifrig an den Waffen ausprobieren, macht die Sache nicht besser.

Für die Bundeswehr, die unter Ministerin von der Leyen an ihrem Bild feilt, waren die Bilder ein PR-GAU. Dabei hätte das Wochenende eigentlich durchaus als ein Erfolg durchgehen können. Mehr als 262.000 Menschen besuchten an 16 Standorten den "Tag der Bundeswehr" und bestaunten nicht nur Waffensysteme sondern auch Sanitäter und Katastrophenschützer. Die Bilder von Kindern mit Waffen hingegen vermittelten ein ganz anderes Signal.

Besonders ärgerlich ist der Vorgang, da es für die öffentlichen Veranstaltung klare Regeln gibt. Nach einem Skandal, bei dem 2011 Jugendliche mit Waffen posiert hatten, hatte eine Kommission intensiv ermittelt. Seitdem werden eigentlich alle Soldaten belehrt, dass nur Besucher ab dem 18. Lebensjahr Waffen anfassen dürfen.



insgesamt 106 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
nuhala 14.06.2016
1. Zwiespältig...
sehe ich den Artikel. Sollten kleine Kinder mit Waffen hantieren dürfen? Meiner Meinung nach auf keinen Fall und das es Ermittlungen ist auch richtig. Aber das kritisiert wird das die Bundeswehr in Schulen der Mittelstufe oder der Brufsschule Werbung für sich macht halte ich für falsch. Im Altersheim kann findet Sie die benötigten Leute ja wohl nicht. Und da die Bundeswehr jetzt eine Berufsarmee ist, was lange gefordert wurde muss man ihr aber auch gestatten wie jedem anderen Arbeitgeber eben auch für sich Werbung machen zu dürfen.
e-ding 14.06.2016
2. ...
Großartige Satire! Ich empfehle Scheuklappen oder rosarote Brillen für alle unter 18, bei zukünftigen Besuchertagen der BW.
ptb29 14.06.2016
3. Wieder eine überzogene Politikerreaktion
Da wird ein PR-Gau konstruiert und die Ministerin springt drauf an. Soll die Bundeswehr unser Land nun verteidigen oder nicht. Darf sie dazu Waffen einsetzen?. ja, das muss sie sogar, also sollten die Waffen auch gezeigt und anfassbar gemacht werden. Eltern haben ihre Kinder auch deswegen zu diesen Veranstaltungen geschleppt.
geirröd 14.06.2016
4. Früh übt sich...
..wer ein Soldat werden will. Man kann es auch übertreiben. Die Jungs sind halt neugierig - waren wir früher auch, wenn die Bundeswehr Übungen in den Dörfern gemacht hat. Da waren wir auch als Kids zur Stelle...
the_eagle 14.06.2016
5. eigentlich schade
diese Entscheidung finde ich wirklich übertrieben. Es gibt m.E. keinen Grund, warum Kinder und Jugendliche keine Waffen anfassen sollten. In meine Generation und meiner Elterngeneration hatten die meisten relativ früh Schusswaffenkontakt und wir sind trotzdem alle Pazifisten geworden. Ich finde es nicht gut, wenn man zwanghaft versucht Kinder und Jugendliche von von den unbequemen Dingen dieser Welt fernzuhalten. Als nächstes behaupten Friedensaktivisten, dass Computerspiele zum Töten ausbilden und es wird eine Horde ängstlicher Muttis geben, die ihrer Logik folgen... Bitte liebe Friedensliebhaber, seid etwas realtitätsfreundlicher.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.