Spott über Bundeswehr-Reform Von der Leyen muss sich selbst verteidigen

Die Bundeswehr soll schöner werden - so will es die Verteidigungsministerin. Fernseher, Teilzeit, Kinderkrippen hat sie der Truppe verordnet. Doch ihr Konzept erntet vor allem Spott. Jetzt geht Ursula von der Leyen ihre Kritiker an.

Verteidigungsministerin von der Leyen: Flucht nach vorn
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Verteidigungsministerin von der Leyen: Flucht nach vorn

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Berlin - Den Mittwochvormittag hatte sich Ursula von der Leyen ganz anders vorgestellt. Seit Wochen hatte ein Team unter ihrer Leitung über einem Kommunikationsplan gebrütet. Schließlich wollte sie ihre Attraktivitäts-Offensive für die Bundeswehr perfekt verkaufen - als ganz großen Wurf.

Der Plan ging nach hinten los. Bereits am vergangenen Freitag waren Details aus dem Papier mit dem Titel "Die Bundeswehr auf der Überholspur" durchgesickert. Statt aber einen Neuanfang bei der Bundeswehr und die forsche Ministerin zu loben, wurde hauptsächlich über Flachbildfernseher und neue Möbel für jede Stube gefrotzelt. Wer von der Leyen ein wenig kennt, kann ihren Frust erahnen. Daheim in Hannover musste sie tatenlos mitansehen, wie ihr Projekt genüsslich seziert wurde.

Mit der Kommunikationspanne war es noch nicht ausgestanden, schon am Wochenende setzte es weitere Kritik. Am lautesten polterte Exgeneralinspekteur Harald Kujat. Von der Leyen attestierte er, von Militär offenkundig keine Ahnung zu haben. Selbst der Koalitionspartner SPD hielt sich nicht zurück mit Zweifeln an dem Konzept, das von besserer Kinderbetreuung, mehr Flexibilität bei den Arbeitszeiten, bis hin zu einer Reduzierung der ärgerlichen Versetzungen von Soldaten durchs ganze Bundesgebiet reicht.

"Die Frage der Attraktivität ist entscheidend"

Der groß geplante Termin am Mittwoch stand also unter schlechten Vorzeichen. Statt ihr erstes großes Projekt im neuen Job fulminant vorstellen zu können, musste von der Leyen unfreiwillig in den Selbstverteidigungsmodus umschalten. Ihr Dauerlächeln konnte nur oberflächlich darüber hinwegtäuschen, dass sie ganz schön genervt war.

Doch von der Leyen wäre nicht auf ihrem Posten, wenn sie die politische Vorwärtsverteidigung nicht beherrschen würde. Ohne Punkt und Komma ratterte sie gleich zu Beginn die wichtigsten Punkte ihrer Reform herunter, sprach von einer Bundeswehr nach dem Ende der Wehrpflicht. Einer Truppe, die sich nun auf dem freien Markt "die besten Frauen und Männer" suchen müsse, 60.000 Bewerber brauche sie jährlich. "Gerade weil diese Zahlen so ernst sind, ist die Frage der Attraktivität entscheidend", so ihre Analyse.

Statt ihre Reform weiter zu verteidigen, watschte von der Leyen dann die Kritiker ab. Allen voran General Kujat. Dieser hatte ihr vorgeworfen, sie solle statt eines Wohlfühlprogramms für die Soldaten daheim lieber mehr Geld für die Ausrüstung der Soldaten im Einsatz in Afghanistan, dem Kosovo oder in Afrika einplanen. Ähnliche Töne hört man auch unter Soldaten. Gerade die Verbände, die oft in Einsätze gehen, wollen sich mit der Idee einer Wohlfühlarmee nicht anfreunden und schon gar keine Weicheier sein.

Hört nicht auf die Nörgler

Von der Leyen wollte diese Kritik nicht gelten lassen. Sie rechnete in Berlin vor, dass die Bundeswehr bereits Milliarden für die bestmögliche Ausrüstung bei den Einsätzen ausgebe. Die nun von ihr vorgeschlagenen Verbesserungen in Deutschland hingegen würden mit rund 100 Millionen nur einen Bruchteil kosten. Es gelte also das Prinzip "sowohl als auch".

Für Kujat persönlich hatte von der Leyen trotzdem noch ein paar deutliche Worte übrig. "Ich glaube, daraus spricht vor allem Angst, nämlich Angst vor Veränderung", sagte sie in Richtung ihres Dauer-Kritikers. Sie jedenfalls bekomme aus der Truppe viel Zuspruch für ihre Pläne, viele der Anregungen aus der Bundeswehr habe sie auch in ihr Konzept eingearbeitet. Zwischen den Zeilen ließ von der Leyen damit erkennen, wie sie die Lage sieht: Hört nicht auf die Nörgler, die nicht mehr im Dienst sind - unter meiner Führung entsteht eine ganz neue Bundeswehr.

Trotz der Flucht nach vorn dürfte von der Leyen aus den vergangenen Tagen einiges gelernt haben. Ihre Schonzeit ist vorbei. Zum ersten Mal schlug ihr der raue Ton einer Truppe entgegen, die schon viele Reformideen gehört hat, die mehr schlecht als recht umgesetzt wurden. Vor allem aber dürfte von der Leyen aufmerksam registriert haben, dass es nach der Kritik am Wochenende kaum Unterstützer aus der eigenen Partei gab, die ihr beigestanden haben. Für Krisen in der Zukunft ist das kein gutes Vorzeichen.

insgesamt 133 Beiträge
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ambulans 04.06.2014
1. ob
es sie - als siebenfache mutter - jetzt nun besonders qualifiziert, sich als nächstes die bundeswehr vorzunehmen, mögen andere entscheiden. ihre vorschläge jedenfalls ("schöner dienen!") sind nichts wesentlich anderes als das, was sie bisher schon, in früheren verantwortungen, von sich gab: substanzleere ankündigungen ohne die nötige kenntnis der details - auf die es doch immer ankommt, wie wir alle wissen ...
XaverUnsinnig 04.06.2014
2. Frau v.d. Laien hat es wie immer geschafft....
einen TOP-Platz mit ihrer PR-Show in den Medien neben Kollege Schäuble zu ergattern ! Nichts dazu ist ihr fremd und "Attraktivität" kommt durch Flachbildfernsehen und Internet ! Katastrophale Zustände schaut man hinter den "Vorhang" der ALLES verdeckt ! Ex-Generalinspekteur Kujat hat kurz und bündig zum Ausdruck gebracht, was von der VM zu halten hat - nichts...!!!
Hans58 04.06.2014
3.
Der Ton in der Truppe ist - anders als der Artikel vorgibt - nicht rau, was die Pläne betrifft. Die Truppe zweifelt lediglich, ob auch dafür die Haushaltsmittel bewilligt werden Nicht von der Leyen bestimmt, sonder Schäuble. Es sei denn, von der Leyen erwirtschaftet aus dem Einzelplan 14 ihre Ideen, da aber ist keine Luft mehr drin für derartige Maßnahmen.
Hank Hill 04.06.2014
4. Die Frau
macht doch immer nur PR in eigener Sache. Wenn sie sich in die Materie eingearbeitet haette, sich den Respekt ihres Umfeldes verdient und dann mit Verbesserungsvorschlaegen gekommen waere, dann haette sie sich den ganzen Spott erspart. Aber nach gefuehlten einigen Tagen im Amt mit der Kita Nummer kommen ist lachhaft. Die Frau kann nur Familie. Wenn die Verkehrsminister werden wuerde, dann waeren in einer Woche Anregungen fuer mehr Wickeltische in den Raststaetten das Thema. Ich hoffe nur die CDU ist so schlau und baut sie nicht als Merkel Nachfolgerin auf. Das geht garantiert nach hinten los.
Lankoron 04.06.2014
5. Die besten der besten
arbeiten ja auch gerne für ne Firma, die zwar tolle Kindertagesplätze bietet und nen Fernseher im Schlafzimmer, dafür aber Maschinen aus der Adenauer-Ära, und Kopien werden mit Blaupapier erstellt.... Gute Soldaten für die Bundeswehr bekommt man sicher nicht mit ein paar Bildschirmen. Dazu muss man erst mal für eine vernünftige Aussendarstellung sorgen, für ein ordentliches Berufsbild und für die Beschäftigten auch die Anerkennung haben, die sie verdienen.
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