Medienbericht Verteidigungsministerium plant weibliche Dienstgrade bei der Bundeswehr

Feldwebelin, Bootsfrau, Oberstleutnantin: Bislang gibt es bei der Bundeswehr keine weiblichen Dienstränge. Im Ministerium wird eine Änderung diskutiert. Doch unter Soldatinnen regt sich Widerstand.
Soldatin der Bundeswehr: Bislang wird den Dienstgraden die Anrede "Frau" vorangestellt

Soldatin der Bundeswehr: Bislang wird den Dienstgraden die Anrede "Frau" vorangestellt

Foto: Axel Heimken / dpa

Seit etwa zwanzig Jahren dürfen Frauen bei der Bundeswehr Dienst an der Waffe leisten. Weibliche Dienstgrade gibt es bisher allerdings nicht. Künftig könnte es in der Bundeswehr jedoch auch offiziell die Begriffe Feldwebelin, Bootsfrau oder Oberstleutnantin geben. Am Freitag berichtete die "Welt" über entsprechende Überlegungen im Ministerium von Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU).

Die "Welt" bezieht sich in ihrem Bericht auf einen internen Vermerk aus dem Wehrressort. Laut dem Papier aus dem Sommer soll der Ministerin am kommenden Dienstag ein entsprechender Vorschlag zur Entscheidung vorgelegt werden. Für den Tag ist ein sogenanntes Tischgespräch mit den verantwortlichen Topbeamten des Ministeriums geplant. Dass dort bereits eine Entscheidung fällt, sei jedoch unwahrscheinlich, heißt es im Wehrressort.

Bislang wird den Dienstgraden von Soldatinnen die Anrede "Frau" vorangestellt. Künftig soll der Dienstgrad dem Vermerk zufolge dann selbst "gegendert" werden - aber mit Ausnahmen. Die Planungen sähen vor, "die Begriffe Hauptmann und Oberst nicht zu gendern". Es soll also laut "Welt" keine Hauptfrau und keine Oberstin geben, sehr wohl aber eine Oberstleutnantin oder eine Brigadegeneralin. In einer Übergangsphase von einem Jahr soll es möglich sein, dass "die neuen Dienstbezeichnungen bereits genutzt werden können".

Das Ministerium reagierte zurückhaltend auf den "Welt"-Bericht. Ministerin Kramp-Karrenbauer sei mit Vorhaben zu diesem speziellen Punkt bislang nicht befasst gewesen, hieß es. Generell sei die Gleichstellung von Frauen und Männern "durchgängiges Leitprinzip". Die sprachliche Gleichbehandlung dabei eine von vielen Fragestellungen.

"Ich glaube aber, dass die Bundeswehr andere Sorgen hat"

Der Streit um weibliche Dienstränge ist nicht ganz neu. Mehrmals in den vergangenen Jahren war die Frage im Wehrressort diskutiert worden, allerdings kam es nie zu einer Entscheidung.

Nach SPIEGEL-Informationen kam das Thema im Sommer durch eine Anregung des Bundespräsidenten erneut auf den Tisch. Frank-Walter Steinmeier ist formal für die Dienstgradbezeichnungen innerhalb der Bundeswehr zuständig. Bei Gesprächen zur Einführung eines anderen neuen Dienstrangs bei der Bundeswehr hatte der Bundespräsident gegenüber dem Wehrressort angeregt, eine Reform für die weiblichen Soldaten anzugehen. Daraufhin begannen im Apparat die Planungen.

Die Frauen im Verteidigungsausschuss des Bundestags sehen die Pläne eher skeptisch. Es sei ihr völlig egal, ob es weibliche Dienstgradbezeichnungen gebe, sagte die verteidigungspolitische Sprecherin der FDP, Marie-Agnes Strack-Zimmermann, der "Welt": "Ich glaube aber, dass die Bundeswehr andere Sorgen hat."

Noch deutlicher äußerten Soldatinnen der Bundeswehr ihren Unmut. In einer gut orchestrierten Twitterkampagne mit dem Titel "Wir sind gegen das Dienstgradgendering in der Bundeswehr" veröffentlichten Dutzende Soldatinnen ihr Foto im Netz und protestierten so gegen eine Änderung der bisherigen Regeln. Unter Soldaten verbreitete sich die Kampagne in den letzten Tagen wie ein Lauffeuer im Netz.

Bundeswehrverband lehnt die Pläne deutlich ab

Der Bundeswehrverband lehnte die Pläne aus dem Wehrressort deutlich ab. "Wenn unsere Kameradinnen mehrheitlich Dienstgrade mit einer weiblichen Endung wollten, wäre das sicher eine gute Idee, tatsächlich kennen wir als Verband allerdings fast nur Frauen, die eine solche Änderung ablehnen", sagte Verbandschef André Wüstner dem SPIEGEL. Er forderte Ministerin Kramp-Karrenbauer auf, "vor einer Entscheidung den Rat von Beteiligungsgremien, Verbänden und anderen Experten einzuholen".

Eindringlich warnte Wüstner vor einer Schein-Debatte, die von den wahren Problemen der Bundeswehr ablenken könnte. Allen Soldaten, männlich wie weiblich, seien zunächst eine moderne Ausrüstung und die Verbesserung der Einsatzbereitschaft wichtig. "Wer auch immer im Ministerium jetzt eine solche Gender-Debatte lostritt, erweckt in der Truppe den Eindruck, endgültig jeglichen Bezug zu den von Mangelverwaltung geplagten Soldaten verloren zu haben", kritisierte er.

Unterstützung für die Pläne kommt indes vom Personalrat. Ingo John, Sprecher der Beamten im Wehrressort, bezeichnete eine Reform der Dienstgrade im Gespräch mit dem SPIEGEL als "überfällig". "Der Dienstgrad sollte, wo immer es sprachlich möglich ist, wie bei den Beamten Ausdruck des Respekts sein", forderte John.

Die SPD-Verteidigungspolitikerin Siemtje Möller findet es "prinzipiell gut, sich über diskriminierungsfreie Sprache Gedanken zu machen. Wenn ich mit weiblichen Angehörigen der Bundeswehr spreche, dann klagen die allerdings nicht über einen nicht gegenderten Dienstgrad, sondern über fehlende Schutzwesten, zu wenig Stiefel oder leer gefegte Kleiderkammern, sodass sie keinen Fliegeranzug in ihrer Größe haben."

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Die Wehrbeauftragte des Bundestages, Eva Högl (SPD), äußerte sich unzufrieden mit dem niedrigen Anteil an Frauen in der Truppe. 20 Jahre nachdem der Europäische Gerichtshof entschieden hat, dass Frauen auch zum Dienst an der Waffe zugelassen werden müssen, sei angesichts von einem Frauenanteil von derzeit etwa zwölf Prozent noch "Luft nach oben". Sie sagte der "Süddeutschen Zeitung": "Ein Anteil von 30 Prozent Frauen in der Bundeswehr, das würde der Truppe sicher guttun." Über den Umgang mit Frauen in der Bundeswehr sagte sie, sie seien "noch nicht überall gleichermaßen respektiert".

asc/mgb/dpa

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