Bundeswehr Von der Leyen setzt wieder auf Panzer

Mehr Panzer, mehr Personal: Verteidigungsministerin von der Leyen will Truppenteile der Bundeswehr gezielt verstärken. Auch an einem Grundprinzip ihrer Vorgänger rüttelt sie.

Kampfpanzer Leopard 2: Ministerin von der Leyen will stärkere Truppe
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Kampfpanzer Leopard 2: Ministerin von der Leyen will stärkere Truppe


Berlin - Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hat die Verstärkung der Bundeswehr-Panzertruppe angekündigt. Ein bisher weitgehend nur auf dem Papier bestehendes Bataillon im niedersächsischen Bergen solle aktiviert und mit Panzern und Personal aufgefüllt werden, sagte die Ministerin in einem Interview mit der hauseigenen Redaktion der Bundeswehr. Ein Panzer-Bataillon besteht bei der Bundeswehr derzeit aus bis zu 700 Soldaten und 44 Leopard-Panzern.

Zudem sollten die bestehenden Einheiten der Bundeswehr, die sich nach der jüngsten Reform einen Teil ihres Großgeräts teilen müssen, wieder mit mehr Material ausgestattet und die Zusammenarbeit insbesondere mit den Armeen Frankreichs, Polens und der Niederlande weiter ausgeweitet werden. Von der Leyen sprach von einem mittelfristigen Ziel - einen konkreten Zeit- oder Finanzierungsplan nannte sie nicht.

"Das Sicherheitsumfeld hat sich seit dem Krisenjahr 2014 deutlich verändert", argumentierte die CDU-Politikerin. "Die Frage, was wir wirklich können müssen und was die Truppe dafür braucht und was nicht, müssen wir neu und ehrlich beantworten." Beim Material der Bundeswehr habe sich ein enormer Investitionsstau aufgebaut, die Soldaten erlebten an allen Ecken und Enden Engpässe, so von der Leyen: "Da müssen wir ran."

"Ich halte nichts von Schlagworten"

Entscheidend sei, dass die Bundeswehr nicht schleichend in eine Mangelverwaltung hineingerate, die zunehmend den Grund- und Ausbildungsbetrieb aushöhle. "Diesen Trend müssen wir wieder umkehren", sagte die Ministerin. "Sonst steht über kurz oder lang die Einsatzfähigkeit und unsere Zuverlässigkeit in den Bündnissen infrage."

Die CDU-Politikerin spielte damit auf das umstrittene und bisher nur teilweise umgesetzte Konzept aus der jüngsten Bundeswehrreform an, nach dem sich die Militäreinheiten künftig einen Teil ihres Großgerätes teilen sollen. Sie wandte sich auch gegen das Prinzip "Breite vor Tiefe", demzufolge die Bundeswehr eine Spezialisierung auf Waffengattungen oder Techniken vermeiden soll: "Ich halte nichts von solchen Schlagworten", sagte von der Leyen. Die Bundeswehr brauche "ebenso dringend bei einzelnen Schlüsselfähigkeiten mehr Durchhaltetiefe".

Ihr gehe es aber nicht um eine generelle Abkehr von den geplanten Strukturen: "In einem ersten Schritt wollen wir zum Beispiel mit der Praxis Schluss machen, dass wir überschüssiges gutes Material, beispielsweise Leopard 2, abgeben oder verschrotten", so von der Leyen.

Von der Leyen verwies zudem darauf, dass sich die Anforderungen der Nato an Reaktionsfähigkeit und Flexibilität inzwischen deutlich erhöht hätten. Als Reaktion auf Russlands Vorgehen in der Ukraine hatte die Militärallianz bei ihrem Gipfeltreffen im September in Wales den Aufbau einer neuen Eingreiftruppe beschlossen, in der auch die Bundeswehr eine wichtige Rolle spielt.

mxw/dpa/Reuters

insgesamt 146 Beiträge
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dissidenten 27.02.2015
1.
Es ist das erste Mal, dass diese Frau in einem offiziellen Amt etwas sagt, was Hand und Fuß hat. Man kann jetzt natürlich darüber streiten, ob viele der Aussagen nicht einfach gesunder Menschenverstand sind, aber allein dies wäre ein Novum in der Verteidigungspolitik.
wo_st 27.02.2015
2. Panzer sind zu vergleichen mit ...
Die alten Ritter hatten auch Panzer an und haben erst spät begriffen, das eine mobilere Art des Kämpfens notwendig war. Warum nicht mehr richtig gute Drohnen?
DirkSt 27.02.2015
3. Richtiger Schritt!
Ich bin mit Sicherheit kein Fan von Frau Leyen. Allerdings halte ich den hier erwähnten Ansatz für richtig und wichtig. Denn eigentlich gehe ich seit Jahren davon aus, dass die Bundeswehr nicht einmal mehr einen Bruchteil einer wirksamen Landes- oder gar Bündnisverteidigung sicherstellen kann. Wenn es anno 2015 kollektive Erkenntnis ist, dass sich die Sicherheits- und Bedrohungslage massiv verändert und auch eine neue, stärkere Verteidigungsbereitschaft erfordert, sollte das konstruktiv vorangetrieben werden. Es geht nicht darum, die Bundeswehr wirklich "aufzurüsten", sondern erst einmal wieder ein Grundniveau an Einsatztauglichkeit, Organisations- und Verteidigungsgrad zu erreichen.
robin-masters 27.02.2015
4. Hmm
kommt man jetzt auf die Idee - das eine Armee auch einfach nur zahlenmäßig und ausrüstungstechnisch gut dastehen muss um eine abschreckende Wirkung zu haben?
ehrlicher-bürger 27.02.2015
5. Klasse Einstellung!
Endlich mal jemand der dir Realität betrachtet und nicht immer alles was noch sehr gut ist verschrottet.
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